Blogparade: Live and let die? Raus aus der Mommy-Wars-Falle

Jede(r) kennt es, jede(r) hat hasst es: Mommy Wars. Vorgestern kriegte ich beim Spaziergang mit Copperfield von der selbsternannten Dorfzeitung zu hören: «oOoOoOoh, ich sehe ja den Bauch von Deinem Sohn. Warum HAT ER DENN KEINEN BODY AN?!»

Tja, die Frage musste kommen. Tatsächlich trägt er seit ca. Juni keinen Body mehr, sondern nur Shirt und Hose. Es ist einfacher, ein Shirt zu wechseln, als 5-Mal am Tag einen Body. Man ärgert sich über den saudummen Kommentar. Aber man sagt nie, nie, NIE, dass man sich darüber ärgert. Man sagt so etwas wie ich: «Er kotzt halt immer.» Man erklärt sich, man rechtfertigt sich. Man ist in die Ecke getrieben wie ein wildes Tier, das verzweifelt versucht, sich da irgendwie wieder rauszubeissen. Als junge Frau habe ich mal gelernt: dem Mann immer eine Fluchtmöglichkeit geben. Seit ich Mutter bin, verstehe ich das viel besser. Die Höflichkeit und der Schock des Moments hindern uns jedoch daran, so zu reagieren, dass man uns in Ruhe lässt. Fühlen wir uns nicht alle wie Bambi im Autoscheinwerferlicht? 



Ich spiele nicht mit – oder etwa doch?
Ich habe viel über Sprachverhalten geforscht. Dabei habe ich gelernt, dass man unangenehme Fragen nicht beantworten, sondern ihnen ausweichen bzw. gegenfragen soll – ein regelrechtes Ablenkungsmanöver also. Man landet sonst in einer Inquisitionsspirale, weil der Fragende sich bestärkt fühlt und nachhakt. Noch nie aufgefallen? Eine unangenehme Frage bringt immer eine zweite unangenehme Frage mit sich. Wollt ihr das? Ich nicht! Und obwohl ich die Regeln kenne, finde ich trotzdem nicht aus der Falle heraus. Das ist doch eine Sauerei!

Vorgestern habe ich mich mit @j_hauri und @herzteddy darüber unterhalten, dass wir eigentlich nie wissen, mit was für Kommentaren sich die Mommy-War-Mütter und die Daddy-War-Väter ihrerseits herumschlagen müssen. Geht es ihnen gleich wie uns? Fühlen sie sich wirklich besser, wenn sie uns in die Enge treiben? Vielleicht merken sie ja gar nicht, dass sie es tun? Vielleicht…. bin ich ja eine Mommy-War-Mutter und weiss es nur nicht? Gefühlt beisse ich mir ja lieber die Zunge ab, als das Handeln oder Nichthandeln einer fremden Mutter oder eines fremden Vaters zu kommentieren. Was beim Gegenüber ankommt, ist aber nochmals die andere Frage.


Mommy wars: Greife ich an – oder verteidige ich bloss?  © Zsolnai Gergely – Fotolia.com

Damit soll jetzt Schluss sein!
Finden wir doch einen Weg aus dieser Kommunikationsspirale. Es geht dabei nicht um Angriff, sondern um Verteidigung. Das könnte zum Beispiel so aussehen:

Ich würde nie so viel arbeiten wollen, aber Du musst es ja wissen.
Ja, ich weiss es.

Du arbeitest von zuhause aus? Wie soll das denn klappen?
Die Grosse putzt das Haus, anders geht es nicht.

Wieso arbeitest Du jetzt schon wieder? Dein Baby hat ja nichts von Dir!
Er quietscht so viel, der ist bestimmt glücklich. Und wenn nicht, wird er Schriftsteller.


Stillst Du?
Nein. Und Du?


Ich finde es nicht gut, dass Deine Tochter Cracker isst.
Bier wollte sie nicht.

Blogparade – jetzt seid ihr wieder dran!
Habt ihr euch selber schon mal dabei ertappt, wie ihr einer Mutter / einem Vater ungefragt einen Ratschlag erteilt oder Kritik formuliert habt? Was sind Eure Erfahrungen mit Mommy wars? Habt Ihr Tipps? Eure Meinung interessiert uns, macht mit bei der Blogparade! Wir haben es gewagt und eine Tripel-Blogparade ins Leben gerufen, das heisst, Muffinqueen, Herzteddy und ich starten gleichzeitig mit dem Thema Mommy Wars, jede von uns unter einem anderen Aspekt: Die Muffinqueen ist seit einem Jahr Mutter und kriegt vor allem das Thema Stillen um die Ohren gehauen, Sam (Herzteddy) von Momsoffice ist schon seit 15 Jahren Mutter – das vergrössert natürlich die Themenpalette. Schaut also auch bei den anderen vorbei! Wenn genügend Leute mitmachen, mache ich am Ende eine Auswertung. Teilnahmeschluss ist der 29. September 2014. Bitte gebt bei den Kommentaren den Link zu Eurem Beitrag ein – egal ob bei mir, Muffinqueen oder momsoffice.




47 Gedanken zu „Blogparade: Live and let die? Raus aus der Mommy-Wars-Falle

  1. Ich, das Bambi möchte jetzt gerne aus dem Scheinwerferlicht und hoffe das unsere Triple-Blogparade dabei etwas hilft. Dennoch ist es interessant zu lesen, wie es dir bei solchen Situationen geht und in welche du überhaupt kommst. Manche sind meinen ähnlich, andere sehr verschieden und doch haben sie eines Gemeinsam; Wir werden abgeurteilt von anderen Müttern und Vätern.

    Persönlich finde ich das schade, denn eigentlich sitzen wir alle im selben Boot und statt und anzufeinden, könnten wir uns Tipps und Tricks geben. Einander aufbauen, statt niederzumachen!

    Deine Antwortideen sind klasse, ich muss die unbedingt mal ausprobieren! Gnihihi…

    Generell gefällt mir dein Schreibstil sehr gut, er liest sich angenehm und flüssig.

    So und nun hoffe ich, dass es einige Mitschreiber geben wird bei unserer Blogparade,

    mit besten Grüssen

    Muffinqueen

  2. Und wieder Mal sprichst du mir aus der Seele. Gerade dieses Thema habe ich letzte Woche verbloggt. Weil ich beim zweiten Kind auf nichts weniger Lust habe als auf diese blöden Vergleichsfragen und Rechtfertigungen. Weil das einen dazu bringt, dauernd über sein Handeln nachdenken zu müssen und Fehler bei sich zu suchen – obwohl da gar keine sind. Und weil man automatisch auch ein Stück so wird.

    Hier findet ihr meinen Beitrag:

    http://mutterundsoehnchen.wordpress.com/2014/08/22/bye-bye-schwangerschaft-welcome-mommywars/

    Bin schon gespannt, auf die Beiträge zu dem Thema 🙂

    Liebe Grüße, Marsha

  3. Hallo, Du Rabenmutter;-), Du lässt also Deinen Sohn frieren?
    Das gleiche Thema hatte ich erst diese Woche mit meiner Freundin. Sie hat doch tatsächlich ihre 5-Monate alte Tochter nur im Body in den Kinderwagen gelegt. Und schon hagelte es Schelte! Bei mir waren es damals die nicht vorhandenden Mützchen, die einer meiner Söhne gehasst hat, weil er darunter so geschwitzt hat.
    Für die Nörgler und Tadler dieser Welt können wir niemals alles richtig machen und deshalb habe ich es auch nicht versucht. Wer ist schon perfekt? Sie sind es auch nicht!

    Ich spiele da schon lange nicht mehr mit, aber da diese besagten Menschen ihre guten Ratschläge und Belehrungen bei mir nicht mehr los wurden, haben sie sich untereinander ausgetauscht, über mich.
    Ja, ich habe Menschen links liegen gelassen, die mir erzählen wollten, was ich alles falsch gemacht habe. Dennoch habe ich es mit nach Hause genommen und darüber gegrübelt, ob ich eine gute Mutter bin und/oder mich schwarz geärgert. Das hat mir am Anfang ziemlich wehgetan, aber so habe ich, über Umwege, auch echte Freunde kennen gelernt, die uns akzeptiert haben, wie wir sind.

    Cool sind Deine Antworten, noch cooler, wenn Du sie wirklich bringst;-) Die Gesichter würde ich gerne sehen!

    Bleib so, wie Du bist! Das ist genau richtig<3
    Deine Cracker-Geschichte ist auch der Hit! Ich bin gespannt auf weitere Geschichten…
    Ganz liebe Grüße
    Sam

  4. Schöne Aktion! Ich werde auch alles lesen 🙂 Ich habe mich zu dem Thema ja schon vollumfänglich ausgespeichert: http://nieselpriem.com/2014/07/14/mommy-wars/. Und auch meine eigenen Feindbilder beleuchtet: http://nieselpriem.com/2014/04/04/mutter-unter-sich/. Die Idee mit der entwaffnenden Kommunikation ist super! Wenn man es denn schafft, sie umzusetzen. Ich habe mir die "Vogel"-Strategie zurechtgelegt. Auf blöde Fragen wie zum Beispiel: "Denkst du, dein Kleiner wird sich irgendwann schämen wegen seiner alten Mutter?" antworte ich: "Orr, gugge ma! Ä Vogel! Dort oben! Wie schön!". Viel Erfolg! Wir halten zusammen. Wir sind die Besten für den Job! Wir sind Mütter 🙂

  5. Ich hab da mal ein bisschen was geschrieben.. 🙂 Mir ist doch noch einiges aufgefallen..

    http://goerlsqueen.wordpress.com/2014/08/28/krieg-der-mutter-mommy-wars/

    Natürlich bin ich nicht frei von Mommy Wars-Gedanken – ich habe auch gerade festgestellt, das ich MW-mäßig geschrieben habe.

    Zu dem Begriff "Übermütter" , den ich im Betrag verwendet habe, möchte ich noch sagen: Dazu zählen für mich Mütter, die nur ihre eigene und keine andere Meinung zulassen.

    LG Nicola

  6. Also ich weiß nicht so Recht, ob mein Beitrag – den ich bereits vor zwei Wochen geschrieben habe – wirklich unter "Mommy Wars" fällt. Aber es geht darum, dass wir alle ein bißchen mehr Toleranz dafür zeigen sollten, was andere Eltern so machen – Recht machen kann man es ja sowieso nicht jedem 🙂
    Du kannst ja mal vorbeischauen: http://wp.me/p4nKrN-Ee
    LG, Anna

  7. Meiner ist jetzt auch online, allerdings kann ich nicht mit schlagfertigen Antworten dienen, dazu bin ich in solchen "Angriffsmomenten" immer viel zu perplex, dass jemand Wildfremdes sich das wirklich gerade getraut hat, zu mir oder meinem Kind zu sagen. Bei uns sind es übrigens nicht die "Mommys" sondern die "Grandma Wars" – unglaublich, aber wahr!

    http://hexhex.blogspot.de/2014/09/mommy-wars.html

    Liebe Grüße

  8. Das Thema Body anziehen, Mütze, Jacke etc. ja oder nein scheint ein universelles Problem zu sein – zumindest für das Umfeld ;-)).Ich freue mich sehr, dass wir uns via Twitter kennengelernt und nun diese Blogparade zusammen gestartet haben :-)))

  9. Na ja irgendwie wollte mein Kommentar sich gerade nicht wirklich veröffentlichen lassen, deshalb einer neuer Versuch…
    Ich habe spontan auch einen Beitrag zu dem Thema geschrieben, nachlesen kann man das Ganze unter http://mamamamok.blogspot.de/2014/09/spiegeln-spiegeln-der-wand-wer-ist.html
    Ich habe mich in meinem Beitrag auf die wirklich fiesen Sachen konzentriert, da ich Fragen wie "wie groß, wie schwer und was kann sie/er schon" zwar nervig finde, aber nicht wirklich schlimm.

  10. Liebe MamaontheRocks, ich würde wirklich gern bei deiner Blogparade mitmachen, kann es aber nicht. Bei mir würde es wohl heißen: Schwiegermutter-War, denn die Einzige mit der ich Probleme habe ist meine SchwieMu. Sie kritisiert und fragt wirklich ständig nach allem und weis alles besser. Ich überlege schon lang darüber einen Artikel zu schreiben nur sie liest mein Blog mit. Ich lasse es also lieber:-) Mein aktueller Beitrag passt ja auch in etwas dazu. http://philinsmom.com/auf-dem-spielplatz-herrscht-waffenstillstand/ Ganz liebe Grüße Nina

  11. Ich habe den Aspekt von Yummy Mummy aufgegriffen und übers Urteilen gebloggt:
    http://mrscgn.wordpress.com/2014/09/03/urteilen-ist-eine-zier-weiter-kommt-man-ohne-ihr/

    Entscheidend ist aus meiner Sicht: Wer solche "mommywars" vom Zaun bricht, sagt mehr über sich selbst als über die Kritisierten. Das sollte man sich auch klarmachen, wenn man sich selbst dabei ertappt, über andere zu urteilen, auch ohne das wirklich auszusprechen. Keiner ist ganz frei davon, es ist auch menschlich, wie ich finde. Einfach mal hinspüren, welche Aussage wirklich dahinter steckt.

  12. Danke fürs Mitmachen! Eine ganz spezielle Situation, die Du da beschreibst. Manchmal verhindert das Grosse, dass wir uns mit dem Kleinen herumplagen müssen. Schön, gibt es auch die andere Seite, wenn auch der Anlass nicht so easy war.

  13. Ich habe hier einen beispielhaften Beitrag wie ich niemals seien möchte und womit ich leider aber zu kämpfen habe – dazu gezogen und dann auch noch so wahnsinnig modern und unangepasst – dieses Dorf wird noch seine reine Freude mit mir haben – und ich bekämpfe weiter die Drachen mit dem am "Schweizer Syndrom" leidendem Ehemann.

    Aber lest selbst: http://feiersun.de/mommy/drachen-mutter/

    Liebste Grüße
    JesSi

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