Replies from Hell

Auf Twitter gibt es etwas, das man allgemein als «Reply from Hell» bezeichnet: Nichtsahnend scheibt man seine 140 Zeichen, denkt sich nichts Böses – und erhält dann ein Feedback um die Ohren gehauen, das einfach nur aus der Hölle stammt, weil es nichts mit der Intention des Twitterers zu tun hat. Und es nervt. Ein Beispiel. Ich twittere: «Copperfield kriegt jetzt sein Fläschchen.» Eine Reply from Hell wäre: «Wie, Du stillst nicht?» Alles schon gehabt.

 
Es gibt aber auch eine ganz andere «Reply from Hell» – nämlich per E-Mail. Wenn man aus Versehen auf «Antworten» klickt, anstatt auf «Weiterleiten» zum Beispiel. Oder die Korrespondenz unten im Mail nicht löscht und jemand es zu lesen kriegt, für dessen Augen das garantiert nicht bestimmt war.
 
  
 
Mit Tinte und Papier würde so mancher Fauxpas in der Korrespondenz wohl nicht passieren. Bild: @Fotolia
 
  
Zur Unterhaltung hier ein paar Anekdoten
 
Eine Mitarbeiterin von mir erhielt eine Mail von einer Kundin, die sehr ungehalten war und sich beschwerte. Sie leitete mir das Mail weiter mit folgendem Text: «Und was soll ich bitte DARAUF antworten??!?!?!?!»
 
Das Mail ging aber nicht an mich, sondern an die Kundin. Autsch.
 
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Ich war eine Zeit lang für das Übersetzungsmanagement in unserer Firma zuständig, das heisst ich stand im regen Kontakt mit einer Übersetzungsfirma, an die ich Aufträge vergab. Da ich selber fünf Sprachen spreche, fallen mir da Fehler schon mal schneller auf. Als ich bei einem Mail nach unten scrollte, stand da die Reply from Hell, nämlich eine interne Mail des Übersetzers himself, der in etwa schrieb: «Ich hoffe, diese blöde Mama on the rocks ist endlich mal zufrieden!» Hab mich köstlich amüsiert.
 
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Generell ist es ja so, dass wir im Zeitalter der Mails viel zu schnell unsere Nachrichten verschicken und uns nicht darauf achten, was wir da eigentlich rauslassen ins digitale Nirvana. So habe ich gerade letzten Freitag einer neuen Ansprechperson in einer Firma eine Mail geschrieben, in der ich ihr zu ihrer neuen Anstellung gratulierte. Tatsächlich war sie aber die Chefin im Haus und übernahm nur die Aufgaben ihrer Mitarbeiterin, die die Bude verlassen hatte. Und ihre Reply war durchaus from Hell: «Nur um das klarzustellen: Ich bin die Vorgesetzte von Frau X… Im Übrigen storniere ich alle Aufträge meiner bisherigen Mitarbeiterin.» BUMM!
 
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Nach meiner Fehlgeburt 2012 erhielt ich von unserer Hypothekentante bei der Bank eine Mail, in der sie mir zu Schwangerschaft (!) gratulierte – ich hatte ihr das aber gar nicht erzählt. Wohl aber unserem Versicherungsfutzi (sorry), da sich durch die Schwangerschaft die Konditionen der Lebensversicherung geändert hätten. Der wusste offenbar nichts besseres, als das der Bank (!) zu erzählen. Umso schlimmer, dass ich das Baby verlor, denn jetzt wurde es für alle Beteiligten richtig peinlich. Ich schrieb mehrere wütende Mails und kündigte in der Folge die Geschäftsbeziehung mit dem Versicherungsherrn.
 
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Ja, mit Mails ist das so eine Sache. Wir sind immer erreichbar, müssen immer gleich alles lesen, immer gleich alles beantworten. Und da passieren Fehler. Deshalb hier meine 5 ProfiAmateurtipps:
 
  • Bei Beschwerden innert kürzester Frist nur den Empfang bestätigen und dass man sich darum kümmern wird – mehr vorerst nicht. Nie im Affekt Stellung beziehen!
  • Wichtige, längere Mails schreibe ich zuerst in Word und feile am Text – auch mal über Stunden. Es muss nicht immer alles huschhusch gehen!
  • Bei heiklen Mails achte ich darauf, dass die Empfängeradresse noch nicht eingetragen ist – damit die Mail nicht vorschnell rausgeht, wenn ich auf die falsche Taste drücke. Alles schon dagewesen.
  • Immer, immer, IMMER den Adressaten überprüfen. Wer kriegt die Mail? Hoffentlich nicht die ganze Abteilung?
  • Immer, immer, IMMER überprüfen, wie das Mail endet (bis zum Schluss scrollen). Habe ich auch alles gelöscht, was den Adressaten nichts angeht?
  
Und bei Twitter?
 Die oben aufgeführten Regeln passen natürlich bei Twitter nicht, es ist ja ein Kurznachrichtendienst, wo jedes «Gezwitscher» schnell geht. Ich halte es hier frei nach Kant:
  • Antworte nichts, was Du nicht selber in Deiner Timeline lesen willst. 
  • Replies from Hell fave ich grundsätzlich nicht und beantworte sie meistens nicht einmal. Man denke nur an meinen Post «So gehe ich mit negativen Kommentaren um»: Eine Diskussion mit dem Mittel von 140 Zeichen kann nur übel enden, da (wiederum frei nach Friedemann Schulz von Thun) bekanntlich jede Nachricht vier Seiten hat: sachlicher Inhalt – Aussage über den Sender – Beziehung zum Empfänger – Appell. Das auf 140 Zeichen zu definieren und richtig zu interpretieren, ist schwierig. Denn wenn ich einen Tweet als Reply from Hell empfinde, heisst das noch lange nicht, dass es vom Sender auch so gemeint war. Ich bin dann aber trotzdem schon voll auf die Beziehungs- und Appell-Ebene eingeschossen und fühle mich angegriffen. No good. Deshalb meine Meinung: sein lassen, drüber stehen, weiteratmen. Und wenn man das Gegenüber kennt: nachfragen. Oft ist es auch nur ein Missverständnis – wie im realen Leben.
 
 
So, jetzt seid ihr dran: Welche witzigen oder peinlichen Erlebnisse hattet ihr schon mit der Mailkorrespondenz? Ich bin gespannt!
 
 
 

Ein Gedanke zu „Replies from Hell

  1. Oh ja, das kenne ich zu gut – besonders auch vom Job, da passsiert es bei täglich mind. 100 geschriebenen und bantworteten und weitergeleiteten Emails schnell , dass man mal einen Fehler macht…Bisher aber alles halb so schlimm am Ende 😉
    Vom Bloggen kenne ich es leider von Facebook, wurde innerhalb einer FB Gruppe arg beschmipft aus mir unerklärlichem Grund…das war eine meiner blödesten Blog Erfahrungen überhaupt, bin seitdem eher vorsichtig, weil ich auch alles zu schnell persönlich nehme *grrr*.

    Liebe Grüße
    Stephi

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