6 Lektionen über den beruflichen Erfolg: die Wahl des Partners

2005 lernte ich als junge Redaktorin meinen Mann kennen. Er verdiente mehr als ich. Wir zogen zusammen, und er bezahlte mehr an die Wohnung. Ich machte dafür mehr im Haushalt als er, ich bügelte seine T-Shirts und seine Hemden und putzte wöchentlich Bad/Dusche/WC.

2008 musste ich aus meinem Job ausbrechen, weil ich nicht mehr glücklich dabei war. Mein Mann unterstützte mich dabei und glaubte an mich. Zu wissen, dass wir sein Einkommen als Basis hatten, gab mir Sicherheit. Ich fand eine neue Stelle. Nachdem wir geheiratet hatten, wollten wir schnell schwanger werden. Gleichzeitig bot sich mir aber die Gelegenheit einer Anstellung als Chefredaktorin. Wiederum unterstützte mich mein Mann. Eine Woche nach Vertragsunterzeichnung realisierte ich, dass ich schwanger war. Blödes Timing, aber so läuft das im Leben.

Ich arbeite bis kurz vor der Geburt weiter. Drei Monate danach stieg ich mit einem 80%-Pensum wieder ein. Mein Mann reduzierte ebenfalls auf 80%, um einen Tag pro Woche für unsere Tochter da zu sein. Wenn die Kleine krank war, mussten wir untereinander ausmachen, wer eher von der Arbeit fernbleiben konnte. Den Haushalt teilten wir 50/50 untereinander auf.

Wer will was?

Ungefähr zu jener Zeit kristallisierte sich ein Scheideweg in unserem Familienleben heraus. Irgendwann nämlich sagte mein Mann: «Ich will keine Karriere machen.» Und irgendwann sagte ich: «Ich will Karriere machen.» Das war nicht von Anfang an in unserer Beziehung klar. Diese Bedürfnisse wuchsen in uns, zusammen mit der Beziehung, zusammen mit der persönlichen Entwicklung. Ich dachte immer, dass ich mit 25 verheiratet sein und Kinder haben würde. Ich lag falsch.

Beruflich regte sich in mir immer mehr der Wunsch, mich von meinen Chefs zu emanzipieren. Ich stiess immer wieder an Grenzen. Nicht meine, sondern solche, die mir von den Vorgesetzten aufoktroyiert wurden. Über die Jahre wurde die sprichwörtliche Faust im Sack immer grösser. Als ich 2012 entlassen wurde – wohl genau wegen meiner aufflammenden Aufsässigkeit – überlegte ich mir, was ich im Leben genau will. Ich machte eine Auslegeordnung, eine Mindmap, in der ich alles festhielt, was mich bewegte. Alles, was mich beschäftigte. Alles, was ich wollte. Ich liess den Gedanken freien Lauf und hatte den Mut, alle Ideen zuzulassen. Wollte ich ein Restaurant aufmachen? Lieber mit Sack und Pack ins Ausland auswandern? Mich als Schriftstellerin verwirklichen? Mich selbständig machen? Und wenn ja, womit? Oder: WOLLTE ICH ALS MUTTER ETWA FULLTIME ZUHAUSE BLEIBEN?

Was meint ihr, wofür ich mich entschieden habe?

Es kristallisierte sich immer klarer heraus: Mein Fernziel ist es, mich irgendwann mit einem Verlag selbständig zu machen. Ich wusste nicht wann, ich wusste nicht wie. Ich wusste nur, DASS.

Dann überlegte ich mir, was mir für mein Ziel fehlte. Schnell war klar: eine Weiterbildung. Denn ich war Chefredaktorin. Was wusste ich schon von Marketing, von Verkaufszahlen, von Buchhaltung? Wieder unterstützte mich mein Mann, sowohl emotional wie auch mit seinem Gehalt. Wir wussten, dass wir irgendwie finanziell über die Runden kommen würden. Aber wenn ich mich mit Gedanken der Selbständigkeit herumschlug, meinte mein Mann: «Das können wir uns nicht leisten.» Ich war frustriert, aber mein Mann half mir, realistisch zu bleiben. Ich hatte zu der Zeit zwei Fehlgeburten und entschied mich, die Weiterbildung mit dem Fernziel Selbständigkeit in Angriff zu nehmen. Ich brauchte einen Anker, einen Lichtblick. Den Rest der Zeit würde ich zuhause bei LadyGaga bleiben. Die Weiterbildung kostete wahnsinnig viel Geld, und wir hatten keine Ahnung, wie wir das bezahlen sollten. Ja, es war ein mieses Jahr. Dann wurde ich quasi über Nacht angeheuert für einen neuen Job als Chefredaktorin. Plötzlich machte ich eine Weiterbildung UND war Chefredaktorin UND war Mutter. Die Finanzen waren geregelt. Und dann BÄMMMMM – war ich schwanger mit Copperfield (wenn schon denn schon). Ich wollte nach der Geburt aussteigen und für ein Jahr zuhause bei den Kindern bleiben (wohlgemerkt, in der Schweiz gibt es keine Elternzeit.)

Und es kam wieder anders.

Da ich in meiner beruflichen Szene sehr stark vernetzt bin, wurde ich von meinen heutigen Geschäftspartnern angefragt, die dritte im Bunde zu sein, um einen neuen Verlag zu gründen. Die Selbständigkeit wurde mit einem Mal real. Ich zögerte und fragte meinen Mann um Rat, so wie wir immer alles besprechen. Es ging nicht einfach um einen Job. Es ging darum, mein eigenes Ideal der Vollzeitmutter auf die Seite zu schieben und das der Karrieremutter zuzulassen. Denn wenn ich das durchziehen würde, war klar, dass es Einfluss auf unser Familienleben haben würde.

Was mein Mann sagte: «Du musst das machen. Das ist es. Genau das.»

Das werde ich nie vergessen. Das ist jetzt drei Jahre her. Die ersten zwei Jahre waren sehr hart, ich habe wirklich zu jeder Tageszeit gearbeitet. Mittlerweile ist es besser geworden, da wir auch mehr Mitarbeiter haben (ja, wir haben Mitarbeiter!). Aber ich arbeite wirklich viel. Und ich liebe es. Der Verlag floriert und die Arbeit macht mir so viel Spass.

Mein Mann tritt zurzeit beruflich kürzer, während ich Vollgas gebe. Ohne ihn wäre das alles gar nicht möglich gewesen. Am Ende entscheidet sich der berufliche Erfolg auch über die Wahl des Partners, egal ob Mann oder Frau. Und natürlich ist es auch matchentscheidend, ob der Partner genug Geld verdient, die Familie für eine gewisse Zeit alleine tragen zu können – oder ob eine andere Geldquelle für Lohnlücken vorhanden ist. Aber wenn dem so ist, dann sind dies

die ersten 6 Lektionen, die ich euch mit auf den Weg geben möchte:

  1. Beruflicher Erfolg ergibt sich selten einfach über Nacht. Die Weichen stellen sich oft schon Jahre vorher.
  2. Um beruflich erfolgreich sein zu können, ist die Wahl des Partners elementar. Nicht nur als Eltern sind Teamplayer gefragt – es muss für beide stimmen! Mein Mann hält mir heute den Rücken frei.
  3. Du willst beruflich etwas verändern? Öffne Dein Herz und notiere einfach mal alles, was Du Dir beruflich vorstellen könntest. Daraus kannst Du dann einiges für Dich ableiten. Vielleicht kommst Du auch auf ganz neue Ideen, oder Du merkst, wofür Dein Herz wirklich brennt?
  4. Kristallisiert sich eine Idee heraus? Dann ist die wichtige Frage: Was fehlt Dir konkret, um dieses Ziel zu erreichen? Kannst Du diese (Wissens-)Lücke irgendwie schliessen?
  5. Man muss nicht immer alles sofort erreichen. Ein Schritt, ein Besenstrich! Ich liebe dieses Zitat aus Momo, auf das ich dank Herz & Buch gestossen bin.
  6. Chancen sind da, um genutzt zu werden. Eine berufliche Chance ergibt sich nicht immer dann, wenn es am besten in Deinen Lebenslauf passt. Habe den Mut, ins kalte Wasser zu springen. Meine Erfahrung: Mut wird eigentlich immer belohnt im Leben. Doch dazu ein andermal mehr.

 

Ich hoffe, diese Tipps inspirieren Dich! Im nächsten Teil der “Erfolgsreihe” erzähle ich euch etwas über Intuition.

3 Gedanken zu „6 Lektionen über den beruflichen Erfolg: die Wahl des Partners

  1. DAnke fürs Mutmachen, das brauchte ich gerade.
    Nach fast 2 Jahren Mobbing bin in in Elternzeit zuhause und weiß nicht (mehr), was ich kann und will, wie es weitergehen soll.
    Aber es wird irgendwie werden.
    Danke!

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