Von Dankbarkeit, Demut, Wehmut….

Wir möchten kein drittes Kind. Aber dann bringt mich mein Sohn wieder zum Lachen mit seinem schelmischen Blick. Er ist ein Schlitzohr geworden! Und er singt voller Inbrunst seine ersten Kinderlieder (Mini Farb und Dini [Rägeboge]). Er schaut mit seiner grossen Schwester Staffel 3 von «Mia and me» im TV und überrascht mich plötzlich damit, dass er die den Elfen eigene Geste des Wasserspritzens macht: Die rechte Hand berührt dabei den linken Unterarm, begleitet von einem theatralischen «Pssss!»-Geräusch. Überhaupt überrascht er mich in letzter Zeit ganz viel, berichtet voller Stolz von seinen Tages-Erlebnissen. Und – man versteht ihn plötzlich! Er kommt zu mir, umarmt mich (sozusagen alles von mir, was grad in Reichweite ist, den Hals, ein Bein…) und sagt: «Mami, ich hab Dich so lieb.»

Ich schmelze.

Und dann ist da plötzlich dieser Gedanke:

Aber wir möchten kein drittes Kind. Wir werden auch kein drittes Kind haben. Und doch: Copperfield ist so verdammt süss. So verdammt wahnsinnig wahnsinnig süss. Ach wäre ich doch noch jünger. Dann würde ich das alles nochmals in Angriff nehmen, nochmals schwanger werden. Nochmals mit allem bei 0 anfangen. Aber ich will das nicht. Die Babymöbel sind alle verkauft, und es war ein gutes Gefühl, das loszulassen. Die Zeit kämpft gegen uns, gegen uns alle. Darum sage ich: Nutzt die Zeit, die da ist. Gestern ist vorbei und morgen wird alles anders. Mit dem Alter werden andere Dinge wichtig. Bei uns zumindest ist das so. Ich bin froh, können wir unsere Urlaube wieder richtig planen – und zwar nicht in babytauglicher Ausführung. Ich bin froh über die Zurückgewinnung meines mir eigenen Territoriums. Ich möchte spontane Ausflüge mit den Kids machen, sie überraschen mit wilden Ideen. Wir sind komplett – und komplett ausgelastet. Aber ja, ich trauere dem dritten Kind, das wir nie haben werden, nach. Und nein, schwanger werden ist keine Option mehr.

Es ist gut so, wie es ist. Aber traurig bin ich schon, dass ich nie wieder eines meiner Kinder die Welt so entdecken sehen werde, wie jetzt gerade Copperfield. Also umarme ich ihn besonders häufig und lasse ihn meine Liebe spüren. Ich bin ganz bei ihm und entdecke mit ihm die Welt. Copperfield, Danke, dass Du mich so zum Lachen bringst jeden Tag! Die Wehmut lehrt mich auch Demut dem Leben gegenüber. Kann es sein, dass ich mit 40 plötzlich zur Helikoptermutter werde? Hach, mein Sohn ist einfach toll.

(c) Fotolia

Nachtrag: Witzigerweise hat parallel hierzu Bella von Familie Berlin heute darüber berichtet, dass sie noch nicht bereit dazu ist, mit der Familienplanung abzuschliessen. Ich finde das eine wunderbare Ergänzung zu meinem Text, schaut doch mal bei ihr vorbei: “ich möchte diesen Text noch nicht schreiben”

5 Gedanken zu „Von Dankbarkeit, Demut, Wehmut….

  1. Ach du… ❤️❤️❤️ Ich versteh dich! Ich glaube, ich habe noch nicht mit dem Wunsch abgeschlossen (und ja, gerade jetzt ist das kleine F einfach zum Knutschen süß! Genau, wie du sagst), aber mein Mann möchte keine weiteren Kinder. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Es hat alles Vor- und Nachteile! Genießt eure neuen alten Freiheiten in vollen Zügen, aber auch jede Minute mit dem noch ein bisschen kleinen Copperfield. Die Zeit kommt nie zurück! Umso wichtiger, dass wir jeden Moment bewusst erleben. Auch die Wutanfälle, die durchwachten Nächte und die ausgeschlagenen Zähne. Irgendwann sitzt ihr zusammen bei einem Glas Wein und dann kannst du ihnen diese Geschichten erzählen. Dann, wenn sie sich anfühlen, als wären sie in einem anderen Leben passiert. Soooo lange her…

  2. Ich werde mit dem Wunsch abschließen, wenn ich 40 bin. Also nächstes Jahr. Im Moment könnte ich mir ein drittes, wunderbares, kleines Wesen so gut vorstellen. Die Rahmenbedingungen passen leider nicht und können auch nicht so einfach passend gemacht werden. Schwanger sein fehlt mir nicht so sehr, aber ich würde gerne den Weg dieses kleinen Wesens nocheinmal mitgehen und sehen wie es ein sich entwickelt. Dazu kommt, das meine große Tochter sooooo gerne noch ein Geschwisterchen haben möchte, dass ich manchmal wirklich traurig bin.
    Wir werden sehen wohin dieses Jahr noch führt. Aber ich vermute, dass es bei uns ebenfalls bei zwei Kindern bleiben wird – auch wenn der Wunsch ganz stark nach mir ruft.
    Ganz liebe Grüße
    Carola

  3. Liebe Séverine

    Vermutlich kommt bei uns allen irgendwann der Moment, in dem wir uns fragen, ob noch ein weiteres Kind dazu kommen soll oder ob es passt, wie es ist. Was nicht ohne das ganze Gefühlschaos geht. Glaube ich.

    Ich habe mir deinen und familieberlin’s tollen Post direkt zum Anlass genommen. Denn bei mir war es auch Zeit für diesen Text.

    Toller Beitrag! Danke dafür!

    Grüsse
    Anita

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