Geschwisterplüsch oder: HÖRT AUF, SO RUMZUBRÜLLEN!!!

Meine Kinder haben einen Altersabstand von viereinhalb Jahren. Copperfield ist mit dreieinhalb jetzt endlich alt genug, aktiv und relativ selbstbestimmt mit seiner grossen Schwester zu spielen. Aber wie geht das? Was spielen die zwei denn zusammen? Seine sagen wir mal privaten Vorlieben sind Autos jeglicher couleur («Katchao!»), Dinosaurier («ROAAAARR!!!») und Drachen. Interessanterweise ist mein zahnloser Sohn – ihr erinnert euch an seinen Zahnunfall – nämlich ein grosser Fan von «Ohnezahn» aus «Drachenzähmen leicht gemacht».

Mit all diesen Dingen kann LadyGaga wenig anfangen. Aber bei den Rollenspielen – da funktioniert das Dreamteam.

LadyGaga war ein «Mia and me»-Fan der ersten Stunde. Sie liebte Einhörner und Elfen, bevor das in der Schule letztes Jahr als uncool gewertet wurde und die geliebte Einhornsammlung im Keller landete. Vor kurzem lief die dritte Staffel der Serie im TV – und Copperfield durfte mit seiner grossen Schwester mitschauen. Nie im Leben hätte ich nach Copperfields Geburt damit gerechnet, plötzlich zwei wiehernde Pferde äh Einhörner zuhause zu haben. Copperfield ist nämlich die beste Fee und das tollste Einhorn, die man sich neben LadyGaga vorstellen kann. Und so wiehern meine Kinder im Akkord oder spielen mit den Schleich-Figuren, die ich wieder aus dem Keller geholt habe.

 

Oder sie spielen Verstecken, Fangen, jagen sich mit den Bobbycars durchs Wohnzimmer (ja, die dürfen das) oder treiben sonst irgendeinen Schabernack zusammen. Das Gekichere und Gejuchze ist immer gross. Wenn ich mit einem der beiden schimpfe, springt das jeweils andere Kind sofort in die Bresche. Hach. Geschwisterplüsch.

 

Das Geschrei ist aber ohrenbetäubend, wenn die zwei sich fetzen, frei nach dem Motto: Der Lautere gewinnt. Und ich entdecke ein neues Phänomen an mir: die Fähigkeit, inwendig die Augen zu verdrehen bzw. runterzuklappen. ES. NERVT. SO. TIERISCH. Die zwei lieben sich so sehr. Ich weiss das. Ich spüre das. Wenn sie nicht zusammen sind, vermissen sie sich. Copperfield sagte letzte Woche nach einem Kitavormittag um 14 Uhr beim Wiedersehen mit seiner Schwester weinerlich: «LadyGaga, ich hab Dich soooo vermisst!» Oder LadyGaga kam nachhause und erzählte, dass es in der Schule wegen eines Geburtstages Gummibärchen gab und sie extra ein Päckchen für Copperfield mitgebracht hatte. DAS ist Geschwisterliebe.

Aber wenn es darum geht, um meine Gunst zu buhlen, flippen die total aus. Als wäre ich eine Trophäe. Oder noch besser: Salomon. Regelmässig kommt eines der Kinder und verlangt von mir «Gerechtigkeit» – als gäbe es die unter Geschwistern! Solange es keine Zwillinge sind, und eigentlich nicht mal dann, können wir die Kinder nicht gleich behandeln. Ihre Bedürfnisse sind unterschiedlich, der Entwicklungsstand auch. Aber erklär das einem Kind…. Dann kommt also zum Beispiel Copperfield zu mir und proklamiert empört: «LadyGaga hat mich grad Baby genannt. Das darf die aber nicht!!!» Oder LadyGaga berichtet: «Der hat mich gehauen!!!» Und dann wird geschaut, wie ich reagiere.

Und ich bin am Arsch.

Wenn ich LadyGaga massregle, ist sie bestärkt darin, dass ich Copperfield mehr liebe als sie – was sie mir immer wieder gerne als Vorwurf unter die Nase reibt, weil sie die unterschiedlichen Regeln missinterpretiert. Wenn ich Copperfield massregle, fängt er an zu weinen und zu kreischen. Meine Augendeckel flattern schon nur, wenn ich das aufschreibe.

Also sage ich das einzig richtige (hoffe ich): «Ich weiss nicht, warum ihr streitet und ich will es eigentlich auch gar nicht wissen. Es ist mir egal, wer angefangen hat und wer an was schuld ist. Ihr habt vermutlich beide nicht so toll reagiert. Wenn ihr euch nicht vertragt, dann trenne ich euch und jeder geht in sein Zimmer. Dann könnt ihr alleine spielen und euch wieder beruhigen.»
BÄMM.

Meistens klappt das. Oft aber auch nicht, und schon nach fünf Minuten wird wieder rumgebrüllt. Oder aber sie verschwören sich gemeinsam gegen mich. Ich glaube, das muss einfach so. Geschwisterplüsch eben. Hachz. Augenroll.

Kommentar verfassen