Seid authentisch – nicht nur bei den Kindern, sondern auch im Beruf!

Bei meiner ersten Führungsposition war ich 31. Ist das früh? Spät? Ich weiss es nicht. Jedenfalls war ich endlich Chefredaktorin, auf dieses Ziel hatte ich jahrelang hingearbeitet. Mein Team war sehr nett und ich sehr eifrig. Ich hatte zig Führungsmanuale gewälzt, wollte alles richtig machen. Vermutlich war ich auch ein wenig übermotiviert.

Dann war da dieser Redaktor, der mir das Leben schwer machte und auch im Team sehr unbeliebt war. Er war Arzt, gute 15 Jahre älter als ich (mindestens!) und sagte mir ins Gesicht: «Von Dir lasse ich mir nichts sagen!» Ich versuchte, mit ihm klar zu kommen. War bestimmt. Beherrscht. Freundlich. Kooperativ. Autoritär. Nichts wirkte.

Zum Vergleich: Das fühlte sich in etwa so an, als würde Dein Kind zu Dir sagen: «Und, was passiert denn, wenn Du auf 3 gezählt hast? HÄH?!?!?!?»

Ich kam ihm nicht bei, es fruchtete kein Versuch. Nach ein paar kurzen, aber langen Monaten sagte ich resigniert zu meiner Chefin: «Der muss weg. Ich kann mit ihm nicht arbeiten.» Sie willigte zähneknirschend ein, ihn zu entlassen. Er war uns aber zuvorgekommen und hatte gekündigt.

Nun war es aber so, dass ich im gleichen Zeitraum bemerkte, dass ich mit LadyGaga schwanger war. Ich wollte nach dem Mutterschaftsurlaub nach drei Monaten zurück in meinen Beruf (remember: keine Elternzeit in der Schweiz!). Und es stellte sich die Frage, wie mein Ausfall, diese drei Monate, überbrückt werden sollten. Für meine Chefin war klar: Der Redaktor, der Arzt, der muss bleiben!

Also schlug sie ihm gegen meinen Willen vor, seinen Vertrag zu verlängern. Ich weiss nicht, was noch alles besprochen wurde, aber ich denke, sie argumentierte ihm gegenüber, dass ich ja vielleicht nach dem Mutterschutz eh nicht zurückkäme – anders kann ich mir seine übertriebene Freundlichkeit danach nicht erklären.

Mir widerstrebte das total. Als ich nach dem Mutterschutz zurück ins Büro kam, wurde ihm von meiner Chefin postwendend gekündigt. Ich war ja wieder da. Und er tobte. Zu Recht.

Warum ich das erzähle? Manchmal denke ich an ihn und ich spüre seine Wut auf mich bis heute auf mir wie ein juckendes Ekzem. Aber solche Situationen haben mich geprägt und zu der Geschäftsfrau gemacht, die ich heute bin.

Deshalb meine 7 persönlichen Ratschläge für ein erfolgreiches Leadership:

  1. Meine Vision des Verlags lebe ich mit jeder Faser vor. Ich habe Werte, Überzeugungen und ein soziales Gewissen, die ich immer in die Arbeit einbringe.
  2. Authentizität. Ich gaukle niemandem Sympathie vor, wo keine vorhanden ist. Mein Gegenüber weiss, wenn ich die Person nicht mag.
  3. Ich spiele mit offenen Karten und behalte wenig für mich. Ein informiertes Team ist ein gutes Team.
  4. Ich mache Fehler, bügle sie selber wieder aus – und erzähle dem Team davon.
  5. Ich lasse meine Mitarbeiter Fehler machen. Wenn nötig, bügle ich sie aus. Eine offene Fehlerkultur finde ich sehr wichtig.
  6. Respekt verdient man sich nicht durch Hierarchie, sondern durch Mitanpacken im Team. Wer kein Know-how über die Materie hat, kann nicht führen.
  7. Wenn die Nerven brach liegen: «Es ist nur Arbeit, es hängt kein Leben davon ab!» Ich finde, man muss die Dinge immer in Relation sehen.

Genau diese Werte lebe ich meinen Kindern tagtäglich vor. Und das Schöne ist: Sie fruchten. Meine Kinder verstellen sich nicht. Sie erzählen mir zerknirscht, wenn sie etwas kaputt gemacht haben. Sie sprechen über ihre Gefühle: LadyGaga kann mit sieben bereits auf einer Metaebene kommunizieren, die mich unglaublich stolz macht, und auch Copperfield formuliert: «Ich bin hässig!» und kann seine Wut dann benennen und kategorisieren. Meine Kinder wissen (in einem vertretbaren Rahmen), wenn es mir nicht gut geht.

Was ich mit meinem Mitarbeiter damals anders gemacht hätte, wenn ich die Entscheidungskompetenz gehabt hätte? Ich hätte ihm gesagt: «OK. Du magst mich nicht, ich mag Dich nicht. Wenn Du willst, kannst Du in meiner Mutterschutzzeit noch 3 Monate arbeiten, danach ist aber Aus die Maus.» Und wenn er dann gegangen wäre, hätte ich eine andere Lösung gesucht. Aber ich hätte ihm nichts anderes vorgegaukelt. Ich bin ich. Ich bin echt. Und wem das nicht passt, der soll bitte gehen.

Seid euch selbst treu! Das Leben ist zu kurz für alles andere.

3 Gedanken zu „Seid authentisch – nicht nur bei den Kindern, sondern auch im Beruf!

  1. Danke! Ich habe genau morgen ein ähnliches Gespräch. Ich bin auch erstmalig in einer Führungsposition und das frisch nach der Elternzeit. Heute habe ich meine Vorgesetzte gefragt, was sie mir für das Gespräch empfiehlt? Sie konnte mir nicht die Antworten geben, die ich in diesem Beitrag gefunden habe.

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