Showdown in der Dominikanischen Republik

Nach zwei Wochen Karibik ist es schwierig, den Anfang für einen ersten Blogpost zu finden. Also beginne ich mit dem Schluss der Reise und wie ich fast wegen Drogenbesitzes in der Dominikanischen Republik inhaftiert wurde.


Die Einreise ins Land war ja schon schwer. Nach einem neunständigen Flug ab Frankfurt landeten wir in Punta Cana, wo wir eine Stunde lang die «Immigrations»-Prozedur à la USA über uns ergehen lassen mussten. Mit kleinen, müden Kindern wirklich ganz supersupertoll. Bei der Abreise zurück nach Europa mussten wir – man staune! – das gleiche Prozedere nochmals absolvieren. Nach der Handgepäckkontrolle ging es nämlich wieder zur «Immigrations» (wir wollten doch RAUS am dem Land?!). Gott sei Dank oder auch nicht hatten wir kleine Kinder dabei. Mit Copperfield (der natürlich genau NICHT dann weinte, wenn wir ihn höflich darum baten) konnten wir jeweils eine Abkürzung bei den Schlangenmassen an Menschen nehmen. Dennoch dauerte es seine Zeit, bis wir endlich im Duty-Free-Bereich des Flughafens ankamen.

Als wir uns zum Gate aufmachen wollten, hörte ich plötzlich über den Lautsprecher: «LadyGaga MamaontheRocks chrchrchrchrchrchrchrchr». Hatten die gerade meine Tochter aufgerufen?!

Keine fünf Minuten später: «Mann von MamaontheRocks chrchrchrchrrchrch…. LadyGaga chrchrchrchr.» WTF?!

Alarmiert wendeten wir uns an das Flughafenpersonal, und man meinte, wir müssten uns am Gate melden. Au weia, waren wir zu spät zum Boarding? Wir rannten zum Gate. Immer toll zu viert. Aber was war denn los?

Man empfing uns mit offenen Armen. «Es gab Probleme mit Ihrem Gepäck. Sie müssen mitkommen, ein Koffer muss durchsucht werden.»

Okaaaaaaayyyyyyyyyy.

In meinem Kopf ratterte es. Nervlich war das definitiv nicht mein Ding. Meine Flugangst könnte nämlich selber einen Blogpost verfassen. Aber ich spreche fliessend Spanisch, mein Mann nicht. Also war es das Beste, wenn ich mitging und mich als Familienmanagerin um das Problem kümmerte. Ich drückte meinem Mann drei Pässe und drei Flugtickets in die Hand und war bereit, mich den Behörden und meinem Schicksal zu stellen.

Nur nicht so.

Während ich einem Uniformierten quer durch den ganzen Flughafen nacheilte, sah ich vor meinem geistigen Auge Szenen aus «Bridget Jones» vorbeifliegen: der Urlaubsflirt, der ihr heimlich Drogen in das Gepäck geschmuggelt hatte. Ihre Inhaftierung in Thailand. Ihre Rettung nach WOCHEN durch den Anwalt und Exfreund Marc Darcy. Hatte ich etwa einen Urlaubsflirt…?! Ich schüttelte den Kopf. Und dass ich keine Drogen gekauft hatte, wusste ich auch.

Szenen aus dem Hinterzimmer

Ich wurde in ein Hinterzimmer bugsiert. Da stand ich nun schwitzend mit drei Männern und einem Koffer. Unserem. Der Pass wurde mir abgenommen und ich wurde doch sehr nervös. Zitternd öffnete ich das Schloss des von mir so sorgfältig gepackten Koffers. Verdammte Scheisse, wie schade um die ganze Mühe! Und ausgerechnet der Koffer, wo eine Flasche Rum gut gepolstert drin lag. Wie sollte ich das je wieder so Doris-Day-mässig adrett hinbekommen mit dem Einpacken?! Und überhaupt: MEIN FLIEGER!!!

Ein Zollbeamter nahm den Koffer in aller Ruhe schichtenweise auseinander. Schmutzwäsche, Geschenke, lose Papiere, saubere Wäsche (abgetrennt von der schmutzigen), yummi Rumflasche… es nahm kein Ende.

«Was suchen Sie denn eigentlich?!», piepste ich nervös.

«Treten! Sie! Zurück!»

….

«Kann ich Ihnen vielleicht nicht doch helfen?»

«Bleiben! Sie! Da! Stehen!»

Ich drehte mich immer wieder fahrig um, um meinen Pass nicht aus den Augen zu verlieren. Der lag nämlich zusammen mit meinem Flugticket in den Händen eines sitzenden Zollbeamten, der uns beobachtete und am Computer meine Daten aus dem Pass eingab. Wahhh!

Der dritte Uniformierte verbarrikadierte hinter mir die Tür.

Der Pass, der Pass, wo ist der Pass.

«Ich bin so nervös», dachte ich. Laut. «Meine Familie wartet auf mich am Gate. Zwei kleine Kinder. Ich darf den Flug nicht verpassen.»

«Nervös…?», wurde ich gefragt. Drei Augenpaare musterten mich.

Herrgottnochmal.

Innerlich machte ich einen Facepalm. Halt. Endlich. Die Klappe. !!!

Mir war klar, dass nach Drogen gesucht wurde. Und mir war auch klar, dass ich keine Drogen dabei hatte. Aber in einem fremden Land mit anderer Gesetzesgrundlage und meinen idiotischen Äusserungen sah ich die Boeing 767 schon ohne mich losfliegen. Bye bye la familia!

Der Zollbeamte Nr. 1 nickte mir endlich knapp zu. Ich durfte helfen, den Koffer notdürftig wieder zu füllen. Bye bye Rum!

Ich musste ein Papier unterschreiben, das ich in meiner Panik nicht einmal las. Wäre ich Bridget Jones, hätte ich jetzt eine Zigarette rauchen müssen. So aber rannte ich röchelnd und ohne zurückzublicken wieder quer durch den ganzen Flughafen zur Familie zurück. Das Boarding hatte bereits begonnen und wir stiegen hastig ein.

Das Gute: Der Rum ist heil angekommen. Ich schätze mal, in die Dominikanische Republik kann ich aber die nächsten 10 Jahre nicht mehr einreisen. Zumindest nicht ohne Zigaretten und Anwalt.

Ach, und warum sich so eine Reise trotzdem lohnt? Deshalb:

Barbados. Weitere Bilder folgen demnächst 🙂

2 Gedanken zu „Showdown in der Dominikanischen Republik

  1. Ich glaube ich hätte mit am Ende eine Hose aus dem Koffer anziehen müssen, weil ich mir vor Angst die andere nassgemacht hätte… WTF. Aber ich wüsste gern, was dein Mann dazu gesagt hat…?

  2. Ich werde mal darüber bloggen müssen wie mir an Auffahrt 2009 von der Provence her kommend am Schweizer Zoll in Genf das Auto auseinander genommen wurde, weil ich dem Zöllner bei der Personenkontrolle fast auf die Füsse gekotzt hätte und wie wir dann über 3 Stunden dort in der Sonne festhingen, weil der gute Mann nicht wusste, was ein Ultraschallbild war und meinte, das hätte was mit den Drogen zu tun, die mich reihern machten. Hatte es ja irgendwie auch…

Kommentar verfassen