Blogparade: Meine Tochter, das Trotzkind. Äh Schmollkind. Äh Wutkind. Äh Heulkind.

1. Akt

Heute Morgen ist es wieder passiert. LadyGaga soll sich bereit machen für die Kita. Sie hat die Kleider ausgesucht und ich soll ihr beim Anziehen helfen. Die Socken sind zu eng, ihre Füsse offensichtlich gewachsen. Sie mault. Ich beginne, mantramässig vor mich hinzusingen, weil ich genau weiss, was gleich kommen wird. LadyGaga raunzt mich an, ich soll nicht singen. Ich entgegne freundlich: «Ich höre auf zu singen, wenn Du dafür keine schlechte Laune verbreitest.» Sie nickt, dampft ab und holt neue Socken. Ich atme auf.

2. Akt

LadyGaga kommt zurück mit neuen Socken, ich ziehe sie ihr an, sie passen. Tochterkind mault trotzdem. Meine Nerven fangen an, verdächtig zu spannen im Nacken. Ich ignoriere sie und helfe weiter beim Anziehen. Geschafft mit Ach und Krach und viel Genöle und Schimpfen ihrerseits. Die Zeit drängt. «Wie willst Du die Haare? Pferdeschwanz oder Pippi Langstrumpf?» Maulen. Irgendwo in mir macht es TING.

3. Akt

Ich entferne mich zur Deeskalation. Sage aber noch: «Dann gehst Du halt mit offenen Haaren. Immer dieses Genöle am Morgen, ich kann es nicht mehr hören.» Big mistake. Mein Mann steht bei der Kleinen und wartet darauf, dass sie die Schuhe anzieht. Sie tut es nicht, sie stampft wütend mit dem Fuss.

4. Akt

Stille. Dann fängt LadyGaga an zu heulen. Sie heult Rotz und Wasser und schluchzt und heult und verlangt theatralisch nach einem Taschentuch. Die Uhr tickt.

5. Akt

Immer noch heulend wirft sich meine Tochter in meine Arme. «Es tut mir so leid. Ich weiss auch nicht, warum ich mich immer so aufrege!» Sie umarmt mich, verlangt nach Knuddeln und Umarmen. Sie küsst mich und heult und heult. Die Uhr tickt weiter, ich tröste mein Kind, obwohl ich es nicht verstehe. Ich bin ruhig, für meine Tochter. Viel zu spät gehen Mann und Kind zum Haus raus.
Sieht ja für Euch vielleicht alles nicht so schlimm aus. Gestern aber war genau das gleiche Drama. Wir machten uns bereit für den Aufbruch zur Ballettstunde. Irgendetwas, was ich gesagt hatte, passte LadyGaga nicht und sie verzog sich schmollend aufs Sofa. Da dieses Schmollen mittlerweile zum Programm gehört, habe ich sie angepampt, dass wir dann halt nicht gehen und zuhause bleiben, dass ich keine Lust auf dieses Maulen und Beleidigt sein die ganze Zeit habe. Es ist JEDEN Tag dasselbe Theater. Und wieder folgte in etwa Akt 1-5. Und wieder sagte sie zum Schluss heulend: «Ich weiss auch nicht, warum ich mich immer so aufrege!»

Eine neue Generation?

Irgendwie scheint LadyGaga Hilfe von mir zu benötigen. Warum regt sie sich denn so dolle auf? Ich kriege es nicht auf die Reihe. Ich habe es mit Engelszungen versucht, alles perlt an mir ab. Ommmm. Ich habe es mit Strenge versucht. Mit Zuhören. Mit Ignorieren. Mit Ablenkung. Mit Aussicht auf Belohnung. Mit mit mit. Aber wenn der Zug einmal losgefahren ist, gibt es irgendwie kein Zurück mehr. Ich kann tun und lassen, was ich will. Das Ende der Story ist immer das Gleiche. Ich bin (wieder einmal) ratlos.

LadyGaga ist jetzt vier Jahre und neun Monate alt. Eine Frage des Alters? Meine Mutter sagt, ICH sei in dem Alter nicht so gewesen. Es kommt mir vor, als hätte ich eine Pubertierende zuhause. Wird das besser? Wird es schlechter? Vielleicht verwächst sich das ja mit dem Alter, ähnlich wie die obstruktive Bronchitis, die sie bis ins dritte Lebensjahr hatte? Nächsten Montag beginnt der Kindergarten, vielleicht hilft ja das? Ich habe wirklich das liebste, süsseste Mädchen dieser Welt zur Tochter, aber ihre Stimmungen sind soooo anstrengend. Und nervtötend.

Auf Twitter habe ich nachgefragt, wie das den anderen so ergeht. Fazit: Wir sind nicht alleine. Deshalb bin ich auf die Idee gekommen, eine Blogparade ins Leben zu rufen. Was für Tipps habt ihr, um mit schlechtgelaunten, schmollenden Kindern umzugehen? Wie managt ihr das so, was sind eure Erfahrungen? Oder wollt ihr euch, so wie ich, einfach nur Luft machen? Dann tut es! Ihr könnt gerne verlinken oder auch einfach in der Kommentarfunktion antworten. Eure Tipps werde ich dann ausprobieren und hier im Blog über Erfolg oder Misserfolg berichten. Schon jetzt 1000 Dank!

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

16 Gedanken zu „Blogparade: Meine Tochter, das Trotzkind. Äh Schmollkind. Äh Wutkind. Äh Heulkind.

  1. Oh das kenne ich, genau das Gleiche hier. Heult wegen Kleinigkeiten, die ihn früher nie gestört hätten. Bin auch grad phasenweise am verzweifeln. Er mag sich glaub grad selber nicht. Tipps und Tricks nehme ich gerne. Habe Dienstag auch schon drüber geschrieben: http://tafjora.blogspot.fr/2014/08/plotzlich-vorschulkind-hilfe-5-ist-ein.html?m=1
    Hilft Dir vielleicht, dass es nicht nur Dir so geht. Ich bin froh, wenn im September dann wieder Kiga ist. 2 Monate Ferien sind halt heftig. Ich brauche grad extra Portionen Kaffee und Schokolade 🙂

  2. Früher habe ich immer wenn der Bub zu toben begonnen hat, zu flüstern begonnen. Die Neugier zu verstehen, was ich sage, war dann meist größer 😉 …

  3. Gerade habe ich bei Twitter nachgefragt und bin auf deinen (alten) Beitrag gestoßen. Es muss wohl wirklich am Alter liegen. Meiner wird im nächsten Monat 5 Jahre alt und ich habe manchmal das Gefühl, dass vor mir ein anderes Kind sitzt. Schreianfälle von teilweise 20 Minuten, genauso wie bei seiner 1 1/2 Jahre alte Schwester. Meine Nerven….
    Liebe Grüße,
    Sarah

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