Biologie und Gesellschaft à la Fünfjährig

Wer mir auf Twitter folgt, weiss, dass LadyGaga und ich es gestern nicht so lustig hatten. Den ganzen Tag war die Kleine auf Krawall gebürstet, meine Nerven lagen blank. Sie ist zurzeit sehr frech, äfft mich nach, ist wütend und rebellisch ohne Ende. Kein Satz von ihr gestern, der NICHT aggressiv geäussert worden wäre. Ja, es ist anstrengend. Ich möchte mich aber heute nicht in meinem Frust suhlen, sondern etwas Schönes erzählen.

Wieder mal Aufklärungsunterricht
Begonnen hatte LadyGaga den Tag gestern nämlich gutgelaunt und philosophisch. Ich stand nackt im Bad und wollte gerade duschen. LadyGaga: «Ieeeeeeeeeeeeeeeeehhhh!!!!!!»
Sie zeigte auf mich. Nicht gerade sehr schmeichelhaft. Ich fragte nach: «Wie, ieeeh?!»
Sie zeigte auf meine Brüste. «Da!»

?!?!?!

«Wieso ist Deine Brust da so rot? Und so schrumpelig?»

Ehrlich gesagt ist mir keine Frage meiner Tochter zu peinlich. Naja bisher zumindest, das kann sich ja noch ändern. Schwierig finde ich es, kein gefährliches Halbwissen zu transportieren. Ich erklärte also, dass der Brustwarzenhof rot und schrumpelig ist, damit das Baby die Brustwarze besser sieht (stimmt das überhaupt?), quasi wie eine Landebahn. Ausserdem wird die Haut schrumpelig, wenn man kalt hat, und ich war ja gerade nackt.
Dann fragte mich LadyGaga nachdenklich, warum sie eigentlich nicht ihre Cousins heiraten dürfe. Meine Erklärung (zusammengefasst): «Du hast ja zum Beispiel meine Nase und Papis Augenbrauen. Du bist so eine Mischung aus uns. Und auch Dein Blut ist eine Mischung. Aber Mami und Dein Onkel, die haben das gleiche Blut, so wie Du und Dein Bruder, weil wir eben die gleichen Eltern haben. Und das Blut Deiner Cousins ist wie das Blut Deines Onkels und somit auch wie das von mir. Wenn Du also Deine Cousins heiratest, habt ihr das gleiche Blut, und das ist nicht gut für eure Babys, dann können sie krank sein, weil das Blut nicht richtig gemischt wurde, weil ihr die gleiche Familie seid. Verstehst Du das?»

Sie nickte. Fünf Minuten später kam folgende Frage (bitte dazu eine kindliche, hochgezogene Augenbraue vorstellen): «Du Mami…?! Warum haben der Papi und Du denn überhaupt das Blut gemischelt?»

Gesellschaftliches
Heute Abend wollte LadyGaga mit mir Barbie spielen. Ich freute mich, denn es sind vor allem MEINE Barbies und Kleidchen aus den 1980er Jahren, die ich ihr zum Spielen überlassen habe.
Beim Ankleiden der Puppen hatte ich aber Mühe. Meine alten Barbiekleider mit den Dolly-Buster-Möpsen und der Wespentaille passen nicht auf LadyGagas neue Puppen, die neuen Kleider nicht auf die alten Barbies. Barbies Masse haben sich geändert, sie ist nun mehr aus dem Leben gegriffen. LadyGaga kümmerte das alles nicht. Sie wollte mit mir Rollenspiele spielen. Meine Popstars-Barbie (wirklich!) von ca. 1986 (man beachte die grelle Schminke) ist gekleidet in einem romantischen, altbackenen Blümchenkleid. 

Das männliche Pendant (ein Popstar-Ken) sieht aus wie Vincent Raven, der Schweizer Mentalist, der es in das Dschungelcamp Staffel X schaffte:

Ich spielte Ken, LadyGaga «Sissi». LadyGagas Script: Ken soll Sissi küssen wollen, aber die will nicht. Sie fliegt lieber auf ihrem Bettsofa davon. Ken bietet ihr Schmuck, eine Haarbürste, ein Stück Kaninchenfell an, aber Sissi will einfach nicht. Ken bettelt um einen Kuss, er wird ihm von der kichernden LadyGaga nicht gewährt. Ken fragt Sissi Mami fragt LadyGaga, was Ken denn tun muss, damit Sissi ihn heiratet. Sissi sagt: «Ken, das musst Du also schon selber rausfinden.» LadyGaga flüstert mir ins Ohr, dass er halt mit Sissi mitfliegen muss auf dem Bettsofa. Ken bettelt. Sissi küsst stattdessen Fauna, eine andere Barbie. Ken ist empört. LadyGaga kichert. Ken fragt nochmals, ob Sissi ihn denn nicht heiraten will. Sissi: «Nein, nur wenn ich das will.»

Solche Momente machen Horrortage wie gestern wieder wett. Mein kleines tolles Mädchen.




Nachtrag: Ich bin bei Twitter darauf hingewiesen worden, dass die Ehe zwischen Cousin und Cousine durchaus möglich und gesetzlich legitim ist. Es handelt sich nicht um eine direkte Blutlinie wie bei Geschwistern. Soviel zum Thema gefährliche Halbwahrheiten. Bitte entschuldigt die Ungenauigkeit!



Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

6 thoughts on “Biologie und Gesellschaft à la Fünfjährig

  1. Diese Artikel mag ich immer sehr- wenn Du davon berichtest, wie sich Lady Gaga die Welt erfragt und ihre Sichtweise äußert. Wie klug Kinder sind, oder? Und wie überraschend, welche Dinge sie interessieren – bereits mit 5! Ich bin gespannt, was unsere Maus da so raushaut, wenn sie noch ein bißchen älter ist. Gerade ist die "Warum"-Phase sehr ausgeprägt ��

  2. Hallo Severine.. was soll ich dir sagen? – Mein 4J interessiert sich momentan sehr für weibliche Brüste.. er hat sich bald weggeschmissen, als ich ihm den Begriff "Busen" erklärte.. jetzt versuche ich ihm gerade beizubringen, was Privatsphäre bedeutet, nämlich nicht, Mama bei jeder Gelegenheit an den Busen zu fassen.. unfassbar, oder?
    Liebste Grüße – Linda

  3. Habe auch vor kurzen meine alten Barbies mitgebracht mit einem klitzekleinen schlechten Gewissen & finde es immer großartig wenn Kinder sich gar nicht um unsere Sorgen scheren (Sollen Mädchen mit solchen Puppen spielen?), sondern einfach ihre eigenen Geschichten draus machen.

  4. Boah, so um den fünften Geburtstag hatten wir auch eine wirklich fiese Phase, wo es praktisch jeden Tag Streit und Gebrüll gab. Aber wenn die mal durch ist, sind die Kurzen wieder reinster Zucker!

    Mein Sohn hat es momentan mit den Eiern und Sämchen, die durch das Loch ins Ei wollen um ein Baby wachsen zu lassen… ausserdem ist "Spermatozoïde" ein soooo schwieriges Wort, dass er alle und jeden fragen muss, wie man das schon wieder ausspricht (auch Fremde im Bus, die Bäckerin,…. ).

  5. Wunderbar! Diese Fragereien sind manchmal echt verblüffend. Aber toll beantwortet 🙂
    Bei unseren beiden Älteren halten sich diese ganzen Fragen rund um Geschlechter noch sehr in Grenzen..mal sehen ob da bei der kleinen Madame mehr kommt 😉

    Liebe Grüße
    Stephi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.