Das Geburtstrauma, von dem ich nichts wusste

Ich bin zurzeit im Urlaub im Allgäu – sechs Tage Skiferien zusammen mit meinem Mann, den Kindern und meinen Schwiegereltern. Das Wetter ist traumhaft. LadyGaga geht zum ersten Mal in die Skischule und ist begeistert. Bereits fährt sie die blaue Piste hinunter, immer brav ihrer Skilehrerin Johanna im Stemmbogen hinterher. Ich bin so stolz auf sie. Stolz auch, weil ich selber so was von gar nicht Ski fahren kann. Ist nicht mein Ding, nie gewesen. Also nutze ich die Familienzeit und fröne dem Spa.

Am Montag hatte ich eine «Sensitive Reflex»-Behandlung: eine Rückenmassage verbunden mit einer Fussreflexzonenmassage. Denn mein Rücken ist von der Arbeit am PC und mit zwei Kindern im Haushalt soooo verspannt. Mein Nacken! AUA! Bei der Behandlung dann aber Verwirrung: Was unter dem Druck der Massage (oder wie LadyGaga sagt: Massarsch) weh tat, war nicht der Nacken, sondern mein Steissbein. Menno, waren DAS Schmerzen bei der Massage! Die Therapeutin war ganz entsetzt und fragte mich, ob ich bei DEM Steissbein noch nie einen Hexenschuss gehabt hätte. Neiiinnnnnnnn?!?!?! Snüff.

Da bei mir Ayurveda immer sehr gut funktioniert, habe ich ausserdem für heute Mittwoch noch eine Ganzkörper-Abhyanga, eine ayurvedische Ganzkörpermassage gebucht. Ich wollte aber noch mehr Behandlungen einplanen, um es mir mal richtig gut gehen zu lassen. Die Therapeutin am Empfang empfahl mir eine Vegetodynamik-Behandlung nach Margot Esser. Noch nie gehört. Bin ja absolut gegen so Guru-Zeugs, und das klang so Klangschallen-Ommm-mässig (nichts gegen MEIN Ommm!). Aber die Therapeutin war mir sehr sympathisch. Sie meinte, ich solle es doch mal für eine halbe Stunde ausprobieren. Mein Gefühl sagte mir: Ja. Also war ich Dienstag früh bei dieser laut Prospekt «ganzheitlichen Körperbehandlungsmethode, die den Menschen tief zu sich selbst führt und ihn in ein neues Gleichgewicht bringt.» Auf so was stehe ich ja.

Bei der Behandlung war ich bekleidet und die Therapeutin (diesmal die nette von der Rezeption) führte eine Art sanfter Druckmassage mit streichenden Bewegungen aus. Sehr angenehm, sehr entspannend.

Am Steissbein wieder diese unerträglichen Schmerzen.

Es fühlte sich an, als würde mir jemand ein Messer in den Rücken rammen. Und plötzlich dieser Backflash, dieser Lichtblitz in meinem Kopf. Wie man mir die Spinalanästhesie bei Copperfields Geburt mittels Kaiserschnitt setzte. Wie ich erst vor einer Woche beim Autofahren aus dem Nichts heraus dieses unerträgliche Gefühl im Rücken gespürt hatte, als wolle mir hinten jemand eine Kanüle hineinbohren. Eine Emotionsexplosion in meinem Kopf.

Bei der Vorbereitung für den Kaiserschnitt wurde zuerst die Stelle am Rücken betäubt, in die die Kanüle für die Anästhesie eingesetzt wurde. Vermutlich hat die erste Betäubung nicht gewirkt, denn ich spürte ganz genau, wie die Kanüle in mein Rückenmark eingeführt wurde. Es tat nicht weh im Sinn von Schmerz. Aber es war das grässlichste Körpergefühl meines Lebens. Es fühlte sich an, als würde ich aufgespiesst werden, als wäre ich Opfer eines Serienkillers bei Criminal Minds. Die Therapeutin massierte mich weiter. Ich begann zu weinen. Die halbe Stunde war vorbei. Irgendetwas hatte sich tatsächlich gelöst in mir und liess mich aufgelöst zurück. Und die Erkenntnis war da: Etwas ist noch unverarbeitet von meinem Kaiserschnitt, von meinen beiden Kaiserschnitten. Und das muss raus.

Heute hatte ich die Abhyanga, eine ayurvedische Ganzkörpermassage, bei der die Körperenergien ins Fliessen gebracht werden sollen. Körper und Geist werden gereinigt. Die Behandlung – wiederum bei einer anderen Therapeutin – war wunderbar und ich ganz entspannt. Wie bei Vegeto-Dynamik liegt man die ganze Zeit auf den Rücken, das viele Öl ermöglicht der Therapeutin aber problemlos, in fliessenden Bewegungen unter den Körper zu greifen und ihn zu massieren.

Als sich die Therapeutin meinem Steissbein näherte, schrie ich vor Schmerz auf. Wieso war mir das noch nie aufgefallen, dass mein Becken trotz Rückbildungsgymnastik total hinüber ist? Die Therapeutin übte nun Druck auf meine Schmerzpunkte aus und bat mich, den Schmerz auszuatmen. Ich probierte es, aber irgendetwas blockierte in mir, das spürte ich genau.

Als die Frau meine Kaiserschnittnarbe sah, fragte sie, wie lang es her ist. «Zehn Monate», sagte ich. Sie nickte wissend. Ich versuchte loszulassen. Sie massierte sanft die Narbe. Ich stöhnte wieder vor Schmerz auf. «Die Drainage!», schoss es mir durch den Kopf. Genau an der Stelle hatte der Arzt die Drainage einige Tage nach der Geburt aus meinem wunden Körper gezogen. Ich hatte stark geblutet, und es war nötig gewesen, diese Drainage zu setzen, damit das viele Blut aus dem nun leeren Bauch abfliessen konnte. Das Ziehen der Kanüle tat höllisch weh und kam völlig unvermittelt. Ich fühlte mich diesbezüglich nicht richtig aufgeklärt von meinem Arzt. Die Therapeutin berührte die Narbe, ich weinte. Alles kam hoch, der ganze Schmerz, der Ekel, die Ohnmacht. Sie erklärte mir, dass die Kaiserschnittnarbe und das Steissbein sehr wohl zusammenhängen, und auch die Spinalanästhesie habe einiges kaputt gemacht. Sie fragte mich, warum ich denn einen Kaiserschnitt gehabt hatte. Und ich erzählte in abgehackten Sätzen, dass die Angst nach zwei Fehlgeburten einfach zu gross gewesen war, auch dieses Baby zu verlieren. Die Fehlgeburten! Ich weinte wieder. Die Therapeutin nickte und tröstete mich. Sie sagte, dass die Wunden meines Körpers nach der Geburt noch nicht geheilt sind und dass da vieles kaputt gemacht wurde. Dass ich die Gefühle zulassen muss, das Weinen, um besser zu heilen.

Achtsamkeit dem Körper gegenüber leben

10 Monate lang bin ich davon ausgegangen, dass alles gut ist, so wie es ist. Den Kaiserschnitt hatte ich ja gewünscht, warum sollte ich mich also beklagen? Dass ein Kaiserschnitt auch emotionale Narben hinterlassen kann, war mir immer klar. Dass es aber doch Sachen gibt, die mir mein Körper übel nimmt und die ich bisher absolut verdrängt habe, wird mir erst jetzt bewusst.

Ich habe hier nie über den Kaiserschnitt berichtet, weil mir das zu persönlich war. Aber irgendwie hat sich genau dadurch das alles in meinen Körper eingebrannt. Weil ich eben nicht darüber gesprochen habe. Nicht darüber gebloggt habe. Denn das brauche ich zum Verarbeiten. Ich wollte es ausserdem bisher nicht aufschreiben, weil ich niemanden verschrecken wollte, der einen Kaiserschnitt noch vor sich hat. Aber eigentlich ist kein Kaiserschnitt wie der andere. Auch hier ist jedes Geburtserlebnis anders. Ich schreibe das hier auch auf, weil es vielleicht der einen oder anderen Leserin hilft, sich verstanden zu fühlen. Vielleicht bewege ich ja bei euch auch etwas?

Ja, die Ayurveda-Spa-Behandlung hat bei mir einiges in Gang gesetzt. Morgen habe ich nochmals eine Ayurveda-Behandlung, zum Abschluss. Ich möchte Frieden mit meinem mir bisher unbekannten Geburtstrauma schliessen. Zehn Monate lang habe ich einfach funktioniert und die erwähnten Aspekte der Geburt verdrängt, so wie wir alle als Eltern einfach funktionieren müssen, um das Getriebe Familie überhaupt in Gang zu behalten. Deshalb: Vergesst euch nicht! Achtet auf euch und eure Körper! Schdrückeuch aus dem Allgäu!

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20 thoughts on “Das Geburtstrauma, von dem ich nichts wusste

  1. Liebe Mama on the Rocks,

    ein Kaiserschnitt ist eben auch kein Waldspaziergang. Auch ein Wunschkaiserschnitt nicht.
    Es ist aber schon faszinierend, was das Gehirn alles verdrängen kann, wenn es gerade nicht dazu in der Lage ist es zu verarbeiten.
    Ich wünsche dir, dass du schnell Frieden mit deinem Trauma schließen kannst…

    LG
    Daniela

  2. Hey,es wäre schön wenn du noch mehr schreiben magst,wie sich das mit deinem Rücken etc.entwickelt.
    Habe da selbst einiges durch und höre immer nur bullshit zu den Schmerzbehandlungen.
    LG
    Chaoskatze

  3. Liebe Mama on the rocks, ich fühle mit dir, auch wenn ich sicherlich nicht wirklich nachempfinden kann, wie sich das alles für dich anfühlen mag. Auch wenn es unangenehm war, ist es toll, dass das jetzt alles hochgekommen ist und du die Chance hast, nun zu verarbeiten. Unser Körper ist doch ein unheimliches Ding manchmal … alles Gute für dich!!!

  4. Ich finde es mutig und bewundernswert von dir, hier so offen zu berichten. Ich bin mir sicher, dass dies einigen anderen Mamis helfen kann. Und für dich scheint es auch heilsam zu sein, dich hier mit diesen Dingen auseinander zu setzen.

    Ich war schon immer davon überzeugt, dass Körper und Seele eine Einheit bilden und daß sich Probleme im einen Bereich auf den anderen auswirken können.
    Das merke ich auch oft,im kleinen, an mir. Wenn die Wochen wieder anstrengend sind (hier kommen gerade die ersten Zähne) und ich keine Zeit für mich habe, werde ich ziemlich unausgeglichen, bin schnell gereizt und habe gleichzeitig auch immer schlimme Verspannungen im Nacken und in den Schultern…manchmal brauche ich ein ThermaCare, manchmal auch nur Zeit für mich und mein Hobby…

    Ich wünsche dir, dass du jetzt, wo die Schutzhülle einmal aufgebrochen ist, alles zulassen und aufarbeiten kannst.

    Herzensgrüße
    Lilly

  5. Wie heftig, was der Körper verdrängen kann und wie es dann plötzlich wieder auftaucht! Ich wünsche dir, dass es für dich in irgendeiner Art hilfreich und heilsam war. So eine Ausgeliefertheit den Ärzten gegenüber kann wirklich krass sein.
    Allerliebste Grüße und alles alles alles gute! Genießt euren Urlaub :-*

  6. Ich hatte Gänsehaut beim Lesen! Die verschiedenen fernöstlichen Methoden sind so wunderbar, weil sie ganzheitlich ansetzen. Körper & Geist sind eine Einheit, das eine beeinflusst das andere.
    Ich habe auch schon auf der Yogamatte geheult, weil plötzlich Emotionen frei wurden und rausflossen. Dass du bisher nicht darüber gebloggt hast, verstehe ich total, sind auch sehr private Erlebnisse – ich habe bisher auch kaum etwas über die Geburten meiner Töchter im Blog preisgegeben. Wichtig ist nur, dies privat für dich irgendwie raus zu lassen, zuzulassen und nicht runterzuschlucken oder wegzuschieben. Denn so etwas bricht sich irgendwann immer Bahn! Meist durch körperliche Beschwerden oder Krankheiten. Ich finde es toll, dass du dir so eine intensive Behandlung gönnst – recht hast d!. Und lass alles raus – kennt dich da ja keiner 😉 Vielleicht magst du ja auch zu Hause weitermachen – mit Massagen oder Ostheopatie oder sonstwie. Ich wünsche gutes Verarbeiten! Liebe Grüße!

  7. Ich erinnere mich genau wie du an dieses einschieben der Kanüle bei der PDA, die ich bei der Großen bekommen habe (JA: Ich habe sogar dringend darum gebeten). Ich fand das mega unangenehm und dein Vergleich, aufgespießt zu werden, traf auch bei mir zu. Aber das empfindet auch sicher jeder anders.

    Ich hatte noch wochenlang ein Kribbeln in den Fingerspitzen, was sicherlich auch eine Auswirkung der PDA war. Auch wenn sie mir in der Situation sehr geholfen hat, wollte ich bei der Geburt der Kleinen möglichst darauf verzichten. Habe mich daher auch für ein anthroposophisches Krankenhaus entschieden und hatte eine genau so schmerzhafte, aber bis auf Quarz "für die Struktur":-) eine völlig natürliche Geburt, auf die ich auch stolz bin.

    Liebe Grüße und noch schöne restliche Urlaubstage!

  8. Liebe Mama on the Rocks, wow, das sitzt, und erschreckt. Und automatisch muss ich an meine Kaiserschnittgeschichte denken, die ich nach einem halben Jahr verbloggt hatte, aber erst nach 1,5 Jahren hab ich wirklich auf meinen Körper gehört und bin zum richtigen Arzt wegen meiner dem Zyklus folgenden Bindehautentzündung, die mich seit der Geburt monatlich gequält hat. Vorher bin ich zu allen möglichen ÄrztInnen aus allen möglichen Fachrichtungen, mein halber Schädl ist mir jedes Monat fast explodiert. Anfangs habe ich alle noch gefragt, ob das vom Kaiserschnitt sein kann. Nein haben sie alle gemeint.
    Nach einem Jahr hab ichs dann auch selber bemerkt, dass die Bindehautentzündung wirklich punktgenau dem Zyklus folgt. So lange hab ichs nicht bemerkt, solange hab ich nicht auf mich geschaut. Geholfen hat kein einziges Medikament. Oft war ich in Krankenstand, weil ich nichts mehr sehen konnte, weils so geschmerzt hat.
    Dann endlich zu meinem antroposophischen Gyn. Der bestätigt mir, dass es zyklusabhängige Krankheiten/Störungen/was auch immer gibt und schreibt mir was auf, was grade nicht nach Ö versendet wird. Die Entzündung kommt mit voller Wucht wieder (nehm ja auch nix) und ich wende mich an meiner Schwiegermutter die pendelt. Erstmals sag ich ihr, es ist hormonell bedingt und seit der Geburt. Sie ruft mich später zurück und sagt mir es ist die Kaiserschnittnarbe, die da so stört, pendelt eine Weile und es wird gut. Schlagartig. Seither winkt die Bindehautentzündung noch ein bisschen unregelmäßig aus der Ferne vertschüßt sich aber immer recht schnell wieder und das wars. Ich bin gespannt was sich da noch entwickelt.

    Aber es ist echt arg, was so eine Operation alles machen kann.

    Notfalls kannst du auch traumatherapeutisch was machen, weil das auch stark am Körper ansetzt. Und was mir noch einfällt ist ein Buch von Jorgos Canacakis: Ich sehe deine Tränen. Da geht's um Traueraufarbeitung. Hat mir eine Hebamme empfohlen, auch so zu Thema "Trauerbauch" (bzgl. Fehlgeburten).

    Ich wünsch dir alles alles Gute und eine heilsame Zeit. Nimm dir so viel dafür wie du brauchst. Alles Liebe, Katja

  9. Das mit der Spritze im Rückenmark kenne ich auch und es war für mich auch ein absolut schreckliches Gefühl. Beim ersten wie beim zweiten Mal. Das erste Kind sollte normal auf die Welt kommen, mußte aber mit der Zange geholt werden (hier wurde die Rückenmarksspritze nicht richtig gesetzt). Ein Dammschnitt war nötig und der wurde so schlampig ausgeführt, und verheilte so schlecht, dass ich danach 3mal neu geschnitten und genäht werden mußte. Das war für mich so traumatisch, dass ich mich bei der zweiten Geburt für einen Wunschkaiserschnitt entschieden habe, welcher prima verheilte. Aber auch hier habe ich die Spinalanästhesie gespürt und fand dieses Gefühl schlimmer als alles danach….

  10. Wir hatten uns ja schon drüber unterhalten. Ich habe zu meinem Mann von Anfang an gesagt: ICH WILL KEINEN KAISERSCHNITT.. NIEMALS.. Zum einen vor Panik, das ich während des Eingriffs kollabiere oder so und das im Nachhinein nicht verkrafte und daran knabbere.

    Dann stand die Entscheidung an (nachdem ich einen Wehensturm durch Einleitung überstanden habe)..ich lag eine Stunde unter PDA und konnte mich erholen, aber das Mini-Göörl meinte, mit den Herztönen runter zu gehen.. Als die Ärztin und die Hebamme dann erörterten, was auf mich zukommt, haben meine Beine gezittert ohne Ende. Und dann kam der Satz: In einer halben Stunde ist sie da. In dem Moment ist alles von mir abgefallen und ich hab mich gefreut.

    Alle Befürchtungen waren hinfällig (und ich bin Meisterin in der Kategorie Gedankenkarussel). Zwar hatte ich hinterher Schmerzen wie Teufel und damit zwei Wochen zu kämpfen, aber mir ging es Mental richtig super (auch immer noch). Der Gedanke hingegen an den Wehensturm treibt mir immer noch den Schweiß auf die Stirn.

    Das habe ich gemerkt, als ich dann nach der Geburt mit meiner Gallenblase zu tun hatte und dann über Monate immer wieder wehenartige Schmerzen hatte. Und dann der Notfall-Eingriff, der mir vorher 4 Tage Schmerzen am Stück bescherte.

    Daher steht für mich fest, das ich im Juni wieder einen Kaiserschnitt machen lasse.

    Ich hoffe für Dich, dass das Thema bald komplett hinter dir liegt.

    Und ich beneide Dich um Deine diversen Anwendungen – mein Rücken hat schon geweint 🙂 – aber ich werde mir jetzt dann demnächst mal ne Cranio-Sacral Behandlung gönnen.. da kann man auf dem Rücken liegen.. Beim aktuellen Wampenstatus nämlich wichtig 🙂

    LG Nicola

  11. Nicht nur bei dir hat der KS Spuren hinterlassen, evtl auch bei deinem Kind. Ich würde nie einen Wunschkaiserschnitt machen, bei mir war es ein Notkaiserschnitt da die Herztöne weg waren, und ich hatte keine andere Wahl,  aber ich verurteile auch die Leute mit WunschKS nicht. Die meisten kriegen ja auch suggeriert ist alles halb so schlimm bei dem heutigen Stand der Medizin. Das kleinste Übel ist das bei Wetterumschwung die Narbe juckt wie Hölle 😉 und das nach 17 Jahren noch ! 
    Bei meiner Tochter aber hat er viel mehr angerichtet. Sie hat eine sensorische Störung durch den fehlenden Geburtsweg. Weiß jetzt nicht ob es richtig ausgedrückt ist, aber das wurde mir erst Jahre später von einer Kinesiologin erklärt. Bis dahin habe ich immer gedacht sie ist halt ein anstrengendes Kind mit ein paar "Macken" 
    Sie lief am liebsten nackt durch die Wohnung, Anziehen war ein Drama, sie war mit etwas über einem Jahr ausser nachts trocken, ok das fand ich ja super, aber sie konnte einfach das Gefühl einer nassen Windel auf der Haut nicht ertragen, das wußte ich aber zu dem Zeitpunkt nicht. Schuhe kaufen war der blanke Horror, das ging soweit das sie extra die Füsse so stellte das wir dachten der Schuh passt und stellten hinterher fest der ist mindestens eine Nummer zu groß. Wie gesagt bestimmte Sachen wie zB barfuss über Gras laufen war für sie der Horror. Sie konnte mit neun Monaten laufen, auch das weil sie das krabbeln und Liegen nicht mochte. Sie hat angefangen auf Zehenspitzen zu laufen, weil es an den Fußsohlen besonders schlimm für sie war. Und noch einiges mehr. All dies hab ich erst durch die Kinesiologin erfahren. Wenn ich mir überlege wie oft ich ihr  Unrecht getan habe… Man ist irgendwann genervt wenn sie sich mal wieder komplett ausgezogen hatte obwohl man doch weg wollte oder beim Schuhekauf … 
    Ich war ja schon verblüfft das die Kinesiologin ohne es zu wissen mir gesagt hat das sie per KS zur Welt kam. Es ist tatsächlich so das vieles mit dem KS zusammenhängt, aber das einem niemand sagt… Ich wäre froh gewesen wenn man das als Möglichkeit, hätte in Betracht ziehen können… Eine Freundin von mir war mit ihrer Tochter auch beim Mutter Kind Turnen und die sagte ihr auf den Kopf zu das es ein Kaiserschnittkind ist. 
    Sorry für das Anonym posten aber ich hab weder ein google Konto noch die anderen Dinge 😉

  12. Ja das liebe Thema Kaiserschnitt und endlich wirds ausgesprochen, das ein kaiserschnitt (ob Wunsch oder nicht) ein Trauma ist und sich nicht, wie von normal gebärenden Frauen beschriebener schönster Moment im Leben war. Wir haben das über uns ergehen lassen unsrren Kindern zu Liebe.
    Ich habe selber zwei Kaiserschnitte gehabt, meine Kids sind 6 und 3, die Option die Erfahrung einer ganz normalen Geburt zu erleben ist weg und das mit seinem Geist und seinem Körper aufzuarbeiten dauert wahrscheinlich fur immer .
    Danke für diese offenen Worte

  13. Ich bin Mama von 7 Kindern und sechs kamen per Sectio. Ich könnte quasi ein Buch füllen mit meinen Erlebnissen. Mein Körper reagiert immer auch. Rücken kenne ich, Magen Darm genauso, hormonell etc. Es ist quasi immer etwas anderes mit gleichem Auslöser. Immer war ich auf der Suche nach einem Ausweg nach diesem einen so unnötigen Kaiserschnitt. Aber das ist in Deutschland so schwer und wenn man dann noch ländlich wohnt und privat versichert ist, wird es quasi unmöglich.
    In der letzten Schwangerschaft und jetzt nach dem letzten Kaiserschnitt habe ich viel über eben diesen gelesen und gelernt und erkenne, das es Alternativen gäbe. Jetzt werde ich friedvoller, komme mehr in Reine mit mir. Aber es gibt immer wieder Momente, die mich umhauen. Wenn der Papst z. B. Eine Kaiserschnittmutter unverantwortlich nennt. Dann kommt alles mit voller Wucht zurück. Wut und Verzweiflung und Bitterkeit, denn ich habe mir das ja so gar nicht ausgesucht. Auf mich hat kein Arzt gehört.
    Aber oft gegt es mir langsam besser und ich bin stolz auf meinen Körper, welcher mir trotz aller Widrigkeiten den Traum der großen Familie erfüllt.

    Liebe mitfühlende Grüße
    Andrea

  14. Ohje, mein Mitgefühl. Ich hatte das Glück zweier spontaner Geburten. Ich wollte nicht einmal eine PDA, weil ich ein tiefes Angstgefühl vor der Kanüle in meinem Rückenmark hatte.
    Wenn ich bedenke, daß der Körper (und immer ein Stück Seele) selbst nach einer normalen Schwangerschaft und Geburt 2 Jahre (!!!!) braucht, sich zu regenerieren….

  15. Sehr spannend. Ich könnte dazu auch ziemlich viel schreiben, hatte bei Kind 2 einen Notkaiserschnitt, und danach monatelang das Gefühl, der Körper sei irgendwie entzwei. Es hat sehr lange gedauert, bis das "wieder gut" war.

    Du hast da eine super Masseurin erwischt, ich freue mich für dich! Lass dich weiter verwöhnen und erhole dich gut. Alles Liebe, Christine

  16. Wow … heute wollte ich mir einen "freien Abend" mit etwas surfen gönnen … und dann bin ich bei FB über die Verlinkung zu deinem Artikel gestolpert… und jetzt sitze ich da mit Gänsehaut.

    Du hast eigentlich alles wichtige gesagt – inclusive dem, dass jede Geburt individuell ist. Das ist ok und gut so.

    Leider passieren dabei zu oft Sachen, wie du sie erlebt hast – ich finde es kommt sehr gut zum Ausdruck als du schreibst, wie du das Ziehen der Drainage empfunden hast. So wie das ablief war es einfach wirklich übergriffig – und sicher wäre es auch sanfter und mit Vorbereitung gegangen.

    Es ist nicht ok, wenn übergriffig über unseren Körper und unsere Selbstbestimmung hinweg gegangen wird. Dazu habe ich heute gebloggt. Ich wusste nichts von deinem Artikel, auch wenn er schon ein paar Tage hier steht…. aber er bestätigt mich darin, dass es wichtig ist, dass wir uns bewusst machen, dass wir unser Selbstbestimmungsrecht nicht an der Kliniktüre abgeben.

    Alles Gute wünsche ich dir auf deinem Weg der da angefangen hat… ~Tabea

  17. Mein Großer ist auch per NotKS geboren und hatte auch eine sensomotorische Störung. Ich habe viel darüber gelesen und auch, dass das durch den KS bedingt ist. Du könntest von meinem Sohn geschrieben haben.

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