The best is yet to come

215066_080

Ich bin 38. Und so, so glücklich.

Wenn ich auf die vergangenen 38 Jahre zurückblicke, stelle ich fest:

  • 0-10: die unbeschwerten Jahre
  • 10-20: die ätzende Pubertät mit allen sozialen Stressoren (Freundinnen, Gruppendynamik, erste Liebe)
  • 20-30: lernen, auf eigenen Beinen zu stehen: eigene Wohnung, Studium, erster Job, Beziehungen
  • 30-40: Ehe, Kinder, Haus

Natürlich sieht das bei anderen ganz anders aus. Da kommen die Kinder zum Beispiel mit Mitte 25, die Arbeit startet mit 20, mit 30 kommt dann die Midlife-Crisis und und und.

Bei mir aber sieht es so aus. Ich fühle mich heute gefestigt. Und ich habe festgestellt, dass es bei allen Hochs und Tiefs doch stetig aufwärts geht. Ich stehe an der Schwelle zur 40 und denke: Yeah, the best is yet to come! Ich bin von einer tiefen Zuversicht erfüllt, dass ich noch ganz viel Tolles erleben werde. Da ist irgendwie keine Unsicherheit mehr, sondern einfach nur Zufriedenheit und Kraft – auch wenn es immer wieder mal Rückschläge gibt. Und das alles empfinde ich mit einer Leichtigkeit, die ich mir dank der vergangenen 38 Jahre hart erarbeitet habe.

Wenn Dir das Leben Limetten gibt, mach Mojito draus!

Heute weiss ich, was ich will vom Leben. Und wenn ich es mal nicht weiss, dann ist das auch OK. Dann entscheide ich intuitiv. Ich spüre mich. Ich spüre die Richtung. Ich weiss, was ich bereit bin zu akzeptieren und was ein NO GO ist, über das ich nicht verhandle. Ich bin ich. Ich kenne meine Grenzen und muss mir nichts mehr beweisen. Ich mache Fehler, ich bin auch mal unsicher. Ich bin nachtragend, aufbrausend, impulsiv. Aber das bin ich. Ich lebe!

Natürlich ist der Alltag keineswegs Friede, Freude, Eierkuchen. Es ist hart. Selbständig im Home office zu arbeiten und gleichzeitig als Mutter den Bedürfnissen beider Kinder gerecht zu werden, zehrt an der Substanz, und es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich mich nicht wie Sisyphus auf dem Berg fühle. Jeden Tag ist der gleiche Berg zu erklimmen – und es nimmt und nimmt kein Ende. Aber dieses Konzept gehört zu mir. Stillstand ist der Tod, um es mit Herbert Grönemeyer zu sagen. Ich liebe es zu arbeiten. Ich liebe meine Kinder. Das bin ich. Ich bin ein Karrieremensch, aber auch liebende Mutter. That‘s a fact. Und ich bin bald 40.

Was passiert danach?

Ich bin gerade beruflich sehr erfolgreich. Gleichzeitig habe ich aber zwei kleine Kinder zuhause und arbeite meistens mit der angezogenen Handbremse. Manchmal bin ich deswegen schlecht gelaunt und wohl auch unfair den Kindern gegenüber. Dann bin ich pampig, gereizt, wie auf Nadeln. Immer zwischen Stuhl und Bank. Oft aber denke ich: Wow, wie wird das erst sein, wenn die Kinder grösser sind und ich wieder voll arbeite? Wie gross wird der Erfolg, wenn ich wirklich loslegen kann? Mein Geist ist so wach (wenn ich nicht grad ne Freinacht dank der Kinder hatte). Ich liebe meinen Job. Und ich bin dankbar für mein Leben und die Möglichkeiten, die ich habe. Ich bin gesund.

«Das Gras wächst nicht schneller, wenn Du daran ziehst» (afrikanisches Sprichwort)

Ich geniesse es, mit Copperfield und LadyGaga die Welt zu entdecken. Gestern ist Copperfield zum ersten Mal im Regen (jaja, Regen im Juni!) gelaufen. Er spielt jetzt Ball und wirft ihn in die Luft. Er brabbelt ein «Jä!», krabbelt alleine aufs Sofa (Help!), trinkt gierig seine geliebte Kuhmilch (mein Gott, kann der Junge ein Glas exen!!!). Er liebt es, in meinem Schoss sitzend Bilderbücher anzuschauen. Er blättert dann wild herum. Eine Geschichte hört sich dann so an: «Nachts auf einem Blatt lag ein Ei und als die Sonne plopp ass die Raupe zwei Birnen danach vier fünf Apfelsinen und dann sie ass am Samstag einen Kuchen!Gurke!Käse!Wurst!Wassermelone! und dann ass sie ein Blatt und war jetzt ist sie ganz dick und dann siehst Du den Kokon? und wuauw ein wunderschöner Schmetterling!» LadyGaga haut sich weg vor Lachen, wenn ich so vorlese, wie Copperfield die Seiten umblättert.

«Ein rollender Stein setzt kein Moos an»

Ich bin froh, habe ich immer gearbeitet. Für mich passt das so. Aber als ich noch angestellt war, war ich oft müde. Sehr müde. Anders müde als heute. Und ich wusste nicht, wie ich die nächsten 20 Jahre überstehen sollte.

Heute habe ich zwei tolle Kinder und darf zugleich als Selbständige einen Beruf ausüben, den ich über alles liebe. Und bei allem Frust über die «Pseudo-Vereinbarkeit» von Kind und Job, gerade auch in der Schweiz: Ich bin mein eigener Chef, das soll sich nie mehr ändern. Ich bin glücklich, ich bin gesund. Und ich habe noch so viel vor, mit der Familie, dem Job, dem Blog.

Ich bin 38, eine Frau mitten im Leben. Ich fühle mich nicht alt. Ich fühle mich genau richtig.

215066_073

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

18 thoughts on “The best is yet to come

  1. Also, wow! Wenn diesem Beitrag keine überschäumende Energie aus den Nähten quillt, dann weiß ich auch nicht. Beneidenswert!

    Was machst Du denn in Deinem Beruf eigentlich? Ich kann mir ja nie so richtig was drunter vorstellen – verrätst Du's mir?

  2. Séverine! Das klingt unglaublich toll!!! Und bis auf das "beruflich total erfolgreich" kann ich mich sehr gut wiederfinden.
    Und die neuen Fotos sind wunder wunder schön geworden! Du scheinst überzulaufen vor Lebensenergie!!!
    Liebe Grüße
    Suse

  3. Wow! Dein Text ist eine wunderbare Hommage an das Alter und Dein Leben!
    Einfach weiter so!

    Und ich habe mich über "Stillstand ist der Tod" als Erwähnung sehr gefreut! Der Songa hat mir in der Endlosschleife mal echt über was hinweggeholfen (leider weiss ich nicht mehr was, aber damals war es schlimm :-).

    Lg, Gordana

  4. Das ist schön zu hören 🙂 Diese grundlegende Zuversicht und den Optimismus musst du mir mal ein wenig rüberschicken, ist mir gerade abhanden gekommen. Aber ich arbeite dran und bei mir sind es vor allem die Kinder, die mich immer wieder rausreißen aus all den Grübeleien über den Sinn des Lebens.

    Du hast mich aufgemuntert! Und du siehst auf deinen Fotos so schön aus!
    Liebe Grüße
    Stephi

  5. Liebe Liz, ich bringe eine Fachzeitschrift heraus, bin Chefredakteurin, Journalistin, Publizistin und im Endeffekt auch Marketingtante bzw. für die Kundenakquise zuständig. Ich bin das Gesicht der Zeitschrift nach aussen in allen Belangen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.