Ich als Medienvorbild? Au weia. Aufruf zur Blogparade

LadyGaga hat uns bereits mehrfach dezent darauf hingewiesen, dass sie doch auch ein Handy…? Oder gar einen PC…? Mit beinahe sechs Jahren ist sie meiner Meinung nach definitiv noch zu jung für ein Handy, einen PC, ein iPad oder was auch immer. Das führt aber automatisch zu einem deutlichen Ungleichgewicht in der Mediennutzung in der Familie, denn natürlich sieht sie, dass ich viel am PC arbeite. Und, genau wie mein Mann, immer wieder das Handy in der Hand habe. Wenn ich mit hektischem, rotem Kopf im Haus herumrenne, ruft sie mir nach: «Warte Mami, Dein Handy habe ich dort und dort gesehen, ich hole es Dir.» Ups.

Steht es so schlimm um mich?

Vor kurzem habe ich beruflich ein Interview mit einem Suchtexperten geführt. Ich fragte ihn: «Ich selber bin ständig mit dem Smartphone unterwegs, checke meine Mails, bin auf Twitter… bin ich süchtig?»
Er antwortete: «Diese Frage wird mir häufig gestellt. Ich antworte dann immer: Es gibt nicht nur Abhängigkeiten, sondern auch schlechte Angewohnheiten oder Leidenschaften. Nicht jedes lustgebundene repetitive Handeln ist bereits süchtiges Verhalten. Es wird dann problematisch, wenn dadurch anderen oder sich selbst Schaden zugefügt und dieses schädigende Verhalten dennoch fortgeführt wird.»

Aha. So lange ich also das Handy nicht zücke, wenn das Kind gerade hingefallen ist, ist alles noch im grünen Bereich. Das beruhigt nicht wirklich.

Scoyo, wo ich im Elternbeirat bin, hat mich nämlich nach meiner Vorbildfunktion bezüglich Mediennutzung gefragt. Und ich komme ins Grübeln. Verhalte ich mich vorbildlich? Ähm. Öhm. Chrchchrchhüstel. Lassen wir das vorerst. Es gibt da nämlich eine spannende FACT-Umfrage, die im Auftrag von scoyo bei über 1000 Kindern und Jugendlichen durchgeführt wurde, die der Frage nachgeht, was unsere Kinder eigentlich über Regeln für Internet, Computer, Handy & Co. denken. Hier die Quintessenz als Infografik:

Infografik_Internet
Infografik_Internet

Beim Lesen der Ergebnisse komme ich etwas ins Schwitzen und stelle den Ventilator an, der neben meinem PC steht. LadyGaga weiss, dass ich im Homeoffice arbeite, dass ich in jeder «freien» (was für ein Widerspruch!) Minute am PC sitze, um zu arbeiten. Wenn Copperfield mal schläft und sie dann nicht in der Vorschule ist, darf sie in dieser Zeit fernsehen, damit ich arbeiten kann. Mittlerweile kommt sie mittags nachhause und fragt als erstes: «Hat er schon geschlafen?!» Und wenn er schon geschlafen hat, ist sie wütend. Bad bad mama. Egoistische Regeln rächen sich über kurz oder lang. Also haben wir das wieder abgeschafft. Wir haben keine fixen TV-Zeiten. Wenn es die Zeit zulässt, darf sie aber eine halbe oder eine ganze Stunde Netflix schauen. Das Handy interessiert sie nicht. Viel lieber hätte sie einen PC. Ich sage dann immer grinsend: «Lern erst mal lesen und schreiben, dann verhandeln wir neu.» Naja, wenigstens ein, zwei Jahre habe ich so vielleicht noch Ruhe.

Copperfield hingegen ist total gespickt auf das Smartphone meines Mannes. Der hat nämlich eine App mit den Chuggingtons heruntergeladen, wo Copperfield selber auf dem Smartphone scrollen, klicken, Zug fahren kann. Ja, er ist noch nicht mal 2, ich weiss. Scheiss intuitive Handyführung! Und sobald der Junge sieht, dass sein Papa am Smartphone ist (um selber zu gamen…) fängt er an zu jauchzen, rennt zu meinem Mann und will jetzt bitte SOFORT Chuggington spielen, Widerstand zwecklos.

Nun könnte ich klagen und jammern und mir Sorgen um den Jungen machen. Aber sein Papa ist ein Informatiker, der gerne gamed. Wem will ich da was vormachen? Er wächst in diesem Umfeld auf, genau wie LadyGaga, und das ist okay so.

Und wenn es dann darum geht, Regeln aufzustellen?

Tja, die Sache mit den Regeln. Ich weiss heute schon, dass ich nicht möchte, dass die Kinder nur an ihren Devices hängen, ich selber checke aber auch häufig meine E-Mails, die Twitter-Timeline, Facebook…. Hm.
Dabei ist ganz klar, dass Regeln in der Mediennutzung nur von Vorteil sind. Oder? Ich möchte nämlich keine Internet-süchtigen Nerds grossziehen. Aber was bin denn eigentlich ich?!

Ja, was bin ich denn?!

Ich sehe sowohl bei meinem Mann als auch bei mir eine gewisse Tendenz zum Suchtverhalten bezüglich unserer Devices. Die Kinder wachsen damit auf. Irgendwann werden sie selber ein Handy besitzen, Selfies posten, twittern, gamen, bloggen?! Ja was für ein Vorbild bin ich denn? Immer das Handy vor der Nase, weil es eh «keiner» mitkriegt? Aber: Was kriegen meine Kinder eben doch mit? Kann ich zufrieden sein mit meinem Medienverhalten? Ich fürchte: nein.

Aufruf zur Blogparade

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, rufe ich zusammen mit scoyo, die mich zu diesem Blogpost inspiriert haben, zur Blogparade auf. Ich werde in der kommenden Woche meinen digitalen Alltag aufschreiben und am Montag, 21. September veröffentlichen. Der Hashtag lautet #mydigitalday. Ich mache mir ein 7-Tagebuch zu meinem Mediennutzungsverhalten, um mir selber den Spiegel vorzuhalten. Macht mit, erzählt auch ihr von eurem digitalen Alltag, sei es über 24 Stunden oder eine ganze Woche. Vielleicht lernen wir ja alle etwas daraus? Oder sind wir schon fast perfekt bzw. as good as it gets? Wie geht ihr zudem mit Regeln für die Mediennutzung in eurer Familie um?

Die Blogparade #mydigitalday läuft bis am 1. November 2015. Unter allen Teilnehmer verlosen wir eine scoyo-Lernmitgliedschaft (Laufzeit: 6 Monate) im Wert von 150 Euro. Schreibt dafür einfach einen Artikel auf eurem Blog, verlinkt zur Blogparade und scoyo.de und nutzt den Hashtag #mydigitalday. Dann tragt euren Link in den INLINKZ unter diesem Artikel ein. Nach Ende der Laufzeit lose ich gemeinsam mit scoyo einen Gewinner aus. Ausserdem stellen wir alle Beiträge als Zusammenfassung auf Mama on the rocks und im scoyo ELTERN!-Magazin vor.

Online Elternabend

Zudem sicher interessant: Am 24. September, 20-21 Uhr, findet hier der 5. Digitale scoyo-Elternabend statt. Experten diskutieren online und interaktiv, wie der Umgang mit Medien in der Familie vielleicht optimiert werden kann. Welche Regeln funktionieren wirklich, und wie setzt man sie durch?

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

8 Gedanken zu „Ich als Medienvorbild? Au weia. Aufruf zur Blogparade

  1. Hallo,

    dein Artikel hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich glaube mir ist gar nicht bewusst, wie oft ich doch das Handy in der Hand habe. Wenn es piept, rufen die Kinder schon "Dein handy hat gepiept" und oft bringen sie es mir. Und beide wollen sie auch selbst gern Tablet spielen oder am PC.
    Ich denke ich werde es mal genauer beobachten und einen Beitrag zu der Blogparade schreiben.

    Liebe Grüße, Heike

  2. Autschn! Was machen, wenn einem das so bekannt vorkommt. Schluck.
    Ja, mit der Frage setzen wir uns auch sehr häufig auseinander. Danke für die Blogparade. Ich bin gespannt auf die Links!

  3. Hi meine Liebe – ich musste mich schon mit dem Thema "das eigene Kind hat ein Smartphone" beschäftigen, denn sie hat eines. Wie wir das gelöst haben, hab ich hier berichtet. Passt nicht so ganz zur Blogparade, das es nicht unseren digitalen Alltag getaktet zeigt. Aber ist vielleicht eine Hilfestellung, wenn das Thema ansteht, dass das Kind ein Smartphone besitzt: http://www.minimenschlein.de/gedanken/iphone-bei-kindern-ab-wann-und-wie-und-wieso-uberhaupt
    Viele Grüße und bis bald in Wuppertal – Leonie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.