Kulturwochenende mit Kleinkind in Paris – geht das?

Einmal schnell übers Wochenende nach Paris? Bitte gerne. Man nehme

2 Erwachsene
1 Mädchen
1 Kleinkind
1 SUV
10 kg Quetschfrüchte, Kekse, Trauben, Sandwiches
1 portables DVD-Gerät
5 DVDs und 3 Hörspiele
1 Tasche voller Spielsachen
1 Reisebett
1 Kinderwagen
Diverse Kleidungsstücke
1 Paket Windeln
Schnuller
Lieblingskissen (Mama)
Lieblingskissen (Tochter)
Zig Ersatzkleider für das Kleinkind
1 Million Jacken

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Wir haben letztes Wochenende Copperfields Patentante in der Nähe von Paris besucht. Und das Programm war mehr denn anspruchsvoll. Am Freitag sechs Stunden Hinfahrt + insgesamt 3 Stunden Pausen, danach die Freunde treffen. Am Samstag Walt Disney Land, abends die Freunde treffen. Am Sonntagmorgen Versailles, danach die Freunde treffen. Am Montag Rückfahrt. Ja, es war anstrengend. Aber toll.

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Wenn ich die Quintessenz rausziehen soll, dann ist es diese:

Walt Disney Land mit Kleinkind ist Scheisse etwas anstrengend. Copperfield war das alles zu viel, er hat sehr viel gebrüllt und getrotzt und liess sich kaum bändigen. Eigentlich ist er mittlerweile ganz umgänglich und schreit auch nicht mehr so viel wie früher. Aber er wollte unbedingt alles selber laufen. Das ist ja vorbildlich, aber bei dieser Menschenansammlung war das einfach ein Ding der Unmöglichkeit, zumal er ja gerne im Zickzack läuft. Wutanfall also vorprogrammiert. Ansonsten war Disneyland aber toll und wir haben uns sehr amüsiert. Der schönste Moment: als wir zu viert auf dem grossen Karussell mit den grossen Pferden sassen, alle vier mit einem glückseligen Strahlen auf dem Gesicht. Was für ein Familien-Moment!

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Versailles mit Kleinkind ist Scheisse etwas anstrengender. Naja, nicht so ganz, immerhin ist das Versailles! (Wer es noch nicht weiss: Ich bin absolute Versailles-Fanatikerin und habe mich während des Geschichtsstudiums auch auf Ludwig XIV. und den Absolutismus spezialisiert). Zum letzten Mal war ich vor zehn Jahren dort, mittlerweile hat sich einiges verändert. Mehr als die Hälfte des (immensen!) Besucherstroms setzt sich aus Japanern und/oder Chinesen zusammen. Als ich unsere Tickets gekauft hatte, hiess es, wir müssten im Hof Schlange stehen. Mich traf der Schlag, denn die Schlange schlängelte sich um mehrere Runden über den ganzen Platz. Es war eine Monsterschlange, sicher eine Stunde Anstehen! (Tipp: Im Winter hat es weniger Touristen, beste Tage: Mittwoch bis Freitag). Also standen wir an, mit der tickenden Zeitbombe Copperfield im Kinderwagen. Und was passierte? Nach einer Viertelstunde kam ein Versailles-Mitarbeiter auf uns zu, zeigte auf den Jungen und fragte mich nach seinem Alter. «Äh… anderthalb?», haspelte ich. Und dachte: Jetzt schmeisst der uns gleich hochkant raus, total unverantwortlich von uns, so mit Kleinkind. Aber nein. Stattdessen sagte er, dass wir mit dem Kind nicht anstehen müssen und direkt zum Eingang gehen sollen. Wir schauten uns alle fassungslos an und LadyGaga sagte, was wir alle dachten: «Juhu, endlich ist es einmal nützlich, dass Copperfield dabei ist!»

Wir liefen also sofort zum Eingang, wo wir anstandslos durchgelassen wurden. Den Kinderwagen mussten wir deponieren. Dann standen wir im inneren Innenhof nochmals an, bis ich merkte, dass diese Schlange für die Audioguides war. Aber was sollten wir denn auch mit Audioguides anfangen? Es war klar, dass wir froh sein konnten, ohne Geschrei seitens Copperfield durch die Massen zu kommen.

Marmorhof des Palastes. Mit ungefragter Japanerin auf dem Bild. Aus Rache.
Marmorhof des Palastes. Mit ungefragter Japanerin auf dem Bild. Aus Rache.

Wieder wollte Copperfield alles selbst erklimmen. Horden von begeisterten Japanern fotografierten ungefragt (!!!!) unseren Sohn, wie er die grossen Treppen von Versailles heraufstieg. Kaum waren wir in den Grands Appartements des Königs angelangt, fing Copperfields Geschrei wieder an. Ich kann es ihm nicht verübeln, die Menschenmassen waren enorm. Nicht die beste Idee, mit einem Kleinkind ins Schloss zu gehen. Und doch schafften wir es, den Spiegelsaal zu geniessen und sogar ein paar (hektische) Fotos zu schiessen.

Spiegelsaal in Versailles
Spiegelsaal in Versailles

Aufenthalt insgesamt: 2 Stunden. Mehr wäre mit Copperfield nicht drin gelegen. Das war uns aber schon im Vorfeld bewusst, so dass es am Ende dennoch nur zufriedene Gesichter gab, was auch dem ausgiebigen Frust-Shopping in der Schlossboutique zu verdanken ist. O-Ton mein Mann: «Kauf ruhig ein, was Dir gefällt.» Nein, wir sind nicht reich. Aber mein Mann weiss, was mir dieser Ort bedeutet.

Auf dem Weg nach Paris haben wir uns übrigens noch die Kathedrale von Sens angeschaut, die älteste gotische Kirche Frankreichs. Ohne Geschrei.

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Die Moral von der Geschicht: Kunst und Kultur (und Disney Land) sind auch mit Kleinkind möglich, man darf nur nicht zu viel erwarten, sondern muss sich einfach seinem Schicksal als Sklave der Kinder ergeben. Und im Falle von Copperfield immer genug zu essen dabei haben. LadyGaga fand es toll. Prädikat: empfehlenswert!

Copperfield - happy. Oh, Popcorn!
Copperfield – happy. Oh, Popcorn!
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