Warum wir kein Familienbett haben

Heutzutage ist das Modell «Familienbett» ja wieder modern. Schliesslich schliefen schon im Mittelalter die Familien eng aneinander gekuschelt, um sich gegenseitig zu wärmen. Heute haben wir zwar alle Zentralheizung, das Kuschelbedürfnis aber ist geblieben. Ich mag das Prinzip ja. Ich kuschle mich gern an die Kinder.

Nur: Ich kann so nicht schlafen. Schon als die Kinder noch Babys waren, habe ich nach einigen Wochen den Stubenwagen freiwillig auslogiert. Ich mag mich noch gut daran erinnern, wie sehr Copperfield den Wagen, in dem schon ich 1977 gelegen hatte, zum Knarren gebracht hat, wenn er sich darin bewegte. Ich wachte beim kleinsten Geräusch auf, meine Ohren auf Mamaempfang, aus Panik vor dem plötzlichen Kindstod. Hätte das Kind aber bei uns im Bett gelegen, wäre mein Panik gewesen, dass entweder ich oder mein Mann das Baby im Tiefschlaf zerquetscht. So oder so kam ich also nicht zum Schlafen.

Mein Schlaf ist mir heilig.

Ohne genügend Schlaf bin ich unausstehlich. Also in echt jetzt. Nicht nur so ein bisschen, ich_bin_dann_total_ungeniessbar und verhalte mich wie ein Grizzly, den man beim Winterschlaf gestört hat. Also schaut mir in so einem Fall bitte nicht in die Augen, sondern wiederholt mit mir: Schlaf ist mir wichtig. Schlaf ist mir wichtig.

Die Kinder wurden früh ausquartiert. LadyGaga schlief mit acht Wochen im eigenen Zimmer. Copperfield mit zwölf. Die Diskussion, ob die Kinder nun durchschliefen, weil sie im eigenen Bett lagen oder ob sie im eigenen Bett lagen, weil sie durchschliefen, ob es gut oder schlecht ist, die Kinder im oder ausserhalb des Elternbettes zu haben oder ob das alles eh nicht zusammenhängt, ist müssig. Jedes Kind ist anders und hat andere Macken. Unsere haben von Anfang an das eigene Bett gut akzeptiert – und Mama konnte wieder schlafen. Nur das zählt für mich. Dass der Ehemann das seither mit Schnarchen zu verhindern versucht, ist ein anderes Thema.

Immer ohne Kind?

Wenn LadyGaga krank war, nahm ich sie immer zu uns ins Bett. Egal, wenn ich dann nicht schlafen konnte – ich wurde gebraucht. Auch heute noch kommt sie zu uns ins Bett gekrabbelt, wenn sie einen Alptraum hatte oder nicht mehr einschlafen kann. Und auch wenn sie krank ist, liegt sie bei mir. Ich finde das schön, wenn es nicht die Regel ist – und wenn sie nicht wild um sich schlägt, was auch schon vorgekommen ist.

Copperfield aber ist ein Fall für sich. Schon als er zahnte, war er am liebsten alleine in seinem Bettchen und chillte im Halbdunkel. Wenn er krank war, holte ich ihn zwar wie LadyGaga zu uns ins Bett. Nur konnte er in unserem Wasserbett nicht schlafen. Also lagen wir zu dritt wach, mein Mann und ich gerädert, Copperfield aufgeregt an seinem Schnuller nuckelnd. Meistens fragte ich dann irgendwann vorsichtig: «Copperfield, möchtest Du zurück in Dein Bett?» Dann nickte er, und meistens wirkte er beinahe erleichtert. Alles falsch gemacht also, das Kind hasst uns und will lieber alleine sein. Buähäää!

Der Wandel

Letzte Woche hatte Copperfield wieder (!) eine Bindehautentzündung, meine persönliche Achillesferse. Dazu kommt, dass er wohl durch das Absetzen des Schilddrüsenmedikaments momentan schlechter und unruhiger schläft. Er haut uns also wieder mal die Nächte um die Ohren. Schwierig, wenn er sich weigert, bei uns zu schlafen.

Als er fieberte, nahmen wir ihn wieder zu uns ins Bett. Er warf sich Wrestling-gleich kreuz und quer durch unser elterliches Ehebett und mit Schmackes auf unsere Rücken. Gerade als ich überlegte, ihn wieder in sein eigenes Bett zu legen, betrat die schlaftrunkene LadyGaga das Zimmer. «Wenn mein Bruder da ist, darf ich auch bei euch sein.» Es gab kein Entrinnen, der Moment war da.

Wir lagen zu viert im Bett. Das Familienbett.

Zwei Kinder, ein Wasserbett und null Schlaf für mich. Das Bild ist extra so dunkel gehalten: Kinder und Bett vermischen sich so zu einer einheitlichen Masse. Ausserdem habe ich mich gehütet zu blitzen und sie damit aufzuwecken.
Zwei Kinder, ein Wasserbett und null Schlaf für mich. Das Bild ist extra so dunkel gehalten: Kinder und Bett vermischen sich so zu einer einheitlichen Masse. Ausserdem habe ich mich gehütet zu blitzen und sie damit aufzuwecken.

Und wie war es so? Mein Mann machte es sich auf seinen 30 Zentimetern auf seiner Seite des Zwei(!)-Meter-Bettes «bequem». Copperfield und LadyGaga kämpften im Halbschlaf stundenlang gegenseitig um den Platz in der Mitte, bis ich am Ende die unruhige und um sich schlagende LadyGaga entnervt ans Bettende schickte. Copperfield hüpfte still und leise jeweils wie die Springerfigur auf einem Schachbrett von einer Stelle des Bettes zur anderen: zwei Bewegungen vorwärts, eine seitwärts. Alles im Tiefschlaf. Ich war auf meinen 30 Zentimetern liegend in völlig verdrehter Position die ganze Zeit in Alarmbereitschaft, dass mein Sohn nicht plötzlich einem Lemming gleich über eine der Bettkanten fiel. Aber HEY: Er schlief! LadyGaga schlief. Mein Mann schlief. Hm. Fehlt da nicht etwas?

Schaut mir bloss nicht in die Augen.

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16 Gedanken zu „Warum wir kein Familienbett haben

  1. Ein wunderbarer Text!
    Mir geht es ähnlich, ich hab auch einfach zu viel Panik vor dem plötzlichen Kindstod, wenn das Baby mit im Bett schläft – besonders, seitdem es im Bekanntenkreis so einen dramatischen Fall gab. 🙁

    Mein Kleiner hat nach ein, zwei Wochen im Stubenwagen neben meinem Bett geschlafen, mittlerweile schläft er im Kinderbett, das aber auch im Schlafzimmer steht (und weniger knarzt und knackt als der Stubenwagen, hihi). Neuster Trend ist, dass er morgens gegen 5 Uhr aufwacht und dann zu uns ins Bett genommen wird und da bis etwa 8 Uhr weiterschläft, während ich völlig unbequem und höchstens im Halbschlaf daneben liege. Familienbett ist einfach nichts für mich. 🙂

  2. Also ich bin ja total für das familienbett, für uns war es genau das richtige & ich habe es sehr genossen. Aber ich kann es gut verstehen wen es für andere nicht so ist. & wenn ich dein Text so lese, dann habt ihr für euch sicherlich alles richtig gemacht.

    LG Nicky

  3. Liebe Séverine,
    jaja, das kenne ich nur zu gut: Bei Schlafmangel werde auch ich zum Tier (und zwar nicht zur flauschigen, schnurrenden Miezekatze). Ich selbst habe vor einiger Zeit über das Familienbett gebloggt und in meinen ElternRat andere BloggerInnen dazu aufgerufen, von ihrer nächtlichen (Schlaf- oder auch nicht-)Lage zu berichten. Ich würde mich sehr freuen, wenn du deinen herrlichen Beitrag dort auch noch verlinken würdest http://villa-schaukelpferd.de/mamazimmer/elternrat-familienbett-ja-oder-nein/ .
    Liebe Grüße und ganz viel Schlaf sendet
    Christine

  4. 😀 Mir geht es ähnlich. Ich hatte immer Angst, die Kinder zu erdrücken. Aber der Sonnenschein hat trotzdem viel bei uns im Bett geschlafen. Seine Zwillingsschwester mag das bis heute nicht und will in ihr eigenes. Der Krümel schläft aktuell auch im eigenen Zimmer. Der wurde ausquartiert, als er nicht mehr in das Babybay passte.

  5. Also ich mag unser Familienbett ja sehr gern.- Und ich kann in der Tat besser schlafen wenn wir alle zusammen kuscheln. Aber so verschieden sind die Menschen halt. Ich bin auf jeden Fall gespannt wie es mit noch einem kleinen Menschen wird. Vielleicht ändert sich unsere Schlafsituation dann ja auch. Oder nicht.
    Dir auf jeden Fall, mal mitten am Tag: Schlaf gut. <3

  6. Ich gehöre auch zur Fraktion Familienbett bringt mich um den Schlaf. Nach einer solchen Nacht bin ich total fertig. Das war wirklich schon immer so. Als sie noch ein Baby war, bekam ich fürchterliche Nackenschmerzen, seit sie alleine schlafen kann, ist sie in ihr eigenes Bettchen ins Kinderzimmer umgezogen und wir sind sehr dankbar, dass das alles so problemlos funktioniert. Ich kuschle gerne mit ihr und ab und an habe ich sie auch zu uns gelegt, aber das änderte leider nichts an meinem schlechten Schlaf. Jetzt darf sie immer zu uns, wenn sie kränkelt und später wenn sie selbst mal den Wunsch verspüren wird. Aber zur Gewohnheit soll das nicht werden, sonst geh ich am Stock. Ich habe über Tag null Erolungsphasen, deshalb ist die Nachtruhe unglaublich wichtig zur Regeneration. Überdies schläft sie ohne Probleme alleine und ist morgens immer bester Laune. Wenn bei anderen das Familienbett funktioniert ist das prima, bei uns funktioniert eben unsere Methode auch ganz gut. Ich denke, das ist die Hauptsache, dass jeder glücklich mit seiner Situation ist :-). Eine Gute Nacht wünsche ich 🙂 LG Anna

  7. Also wir schlafen ja alle im Familiebett, kann dich aber gut verstehen! Wir haben uns deshalb ein 3m Bett gebaut 😛 Aber seit der Große ab und zu in seinem Zimmer schläft muss ich doch zugeben, dass ich besser schlafe! Trotz 16 Monate altem Mausi neben mir 😀

  8. Wir hatten den Kurzen mal für eine halbe Nacht ausquartiert, weil ich ebenfalls schlecht schlief mit ihm neben mir. Ich rannte dann alle Viertelstunde panikerfüllt rüber in sein Zimmer um zu prüfen, ob er noch atmet (und habe bei der Gelegenheit auch jedesmal nachgeschaut, ob das Babyphone noch funktionierte). Also mit Kind im Zimmer schlief ich schlecht, mit ohne Kind im Zimmer überhaupt nicht mehr. Tja…

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