Was ich nie sagen wollte und trotzdem sage – sowohl zu den Kids als auch im Job

Wer kennt es nicht: Über kurz oder lang hören wir uns alle an wie unsere eigenen Mütter oder Väter. Dabei wollten wir das doch nie, nie, NIE so machen. Nicht, weil unsere Eltern schlecht waren. Sondern einfach, weil wir doch so viel cooler sind. Und uns die als Floskeln enttarnten Sprüche als Teenies irgendwann nervten. Tja und jetzt sind wir selber Eltern und reden genauso daher. Was mir aber aufgefallen ist: In der Arbeitswelt funktionieren wir genauso! Glaubt ihr nicht? Na dann schaut mal:

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«Nur mit den Augen schauen!»

Wie oft habe ich diesen Satz schon gesagt? Bestimmt drölfzig Millionen Mal. Und trotzdem finden Copperfields Patschehändchen immer wieder den Weg zu irgendeinem Gegenstand in der Warenauslage, das er unbedingt anfassen muss. Oder eben auch heimlich klaut.
Übertragen auf die Arbeitswelt: «Jeder behält seine Hände bei sich. Gegrapscht wird hier nicht! Das ist meine Schokolade, Hände weg von meinem Schreibtisch!!!!»

«Weil es so ist»

Ausdruck purer Eltern-Verzweiflung. LadyGaga fragt uns Löcher in den Bauch zu Thema XY? Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich nur noch entnervt schnaube: «Weil es so ist.»
Übertragen auf die Arbeitswelt: «Jetzt hör endlich auf, so viel zu hinterfragen und MACH EINFACH DEINEN JOB!»

«Weil ich es sage»

Dieser Satz ist verwandt mit «Weil es so ist», kommt aber vermehrt zum Zug, wenn LadyGaga bockt und mit Nachdruck herumbellt, dass sie jetzt das und das aber überhaupt nicht tun will. Rebellion pur! «Warum muss ich das machen?!», wird dann wütend gemault. Was antwortet man da? Richtig: «Weil ich es sage!»
Übertragen auf die Arbeitswelt: «Ich bin Dein Chef und sage, was getan wird, was ist so schwer daran, das zu verstehen?!»

«Setz Dich richtig hin»

Ey, können Kinder nicht vernünftig am Tisch sitzen? Offenbar nicht: Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht zu einem meiner Kids sage, dass es sich ordentlich hinsetzen soll.
Übertragen auf die Arbeitswelt: «Orrrrr, muss der Tischnachbar echt schon wieder in der Nase bohren? Meint der echt, ich kriege das nicht mit?!»

«Stell das sofort leiser»

Bin ich echt schon so alt, oder warum ist diese Musik im Kinderzimmer immer so verdammt laut eingestellt?!
Übertragen auf die Arbeitswelt: «Dieses Grossraumbüro ist nichts für mich. Der Meyer brüllt doch immer in sein Telefon und lacht so laut. Und die Müller führt Selbstgespräche. Chef, kann ich ein eigenes Büro haben?»

«Dann werfe ich es weg»

LadyGaga hat drölfzig tausend Spielsachen, aber dennoch ist ihr immer wieder mal langweilig. Oder sie räumt ihr Zimmer einfach nicht auf und es sieht aus wie Sau. Einfach mal «Dann werfe ich es weg!» ausrufen und demonstrativ den Abfallsack holen. Plötzlich ist Spielzeug wieder hipp und das Zimmer aufgeräumt.
Übertragen auf die Arbeitswelt: «Wenn Ihnen das zu wenig Geld ist, gebe ich den Job/den Auftrag halt jemand anderem.»

«Sei nicht so frech»

Wenn ich für jedes Frechsein meiner grossen Tochter einen Euro kriegen würde…. Ach lassen wir das. Interessanterweise erinnere ich mich, dass auch meine Mutter mir das als Kind regelmässig gesagt hat und ich das aber gar nie so empfand. Scheint ein systemimmanenter Fehler zu sein, der wohl nie behoben werden kann: Kinder empfinden sich einfach nicht als frech, weil es gar nicht ihre Absicht ist. Aber LadyGaga ist so frech, da wackeln einem die Ohren!
Übertragen auf die Arbeitswelt: «Benimm Dich und mucke nicht auf oder Du fliegst.»

«So nicht»

Das ist mein persönlich kreierter Ausspruch, wenn die Kinder irgendetwas angestellt haben, das meine Akzeptanz-Grenze überschritten hat und eben absolut inakzeptabel ist. Wenn ich scharf «So nicht!» sage, wissen die Kinder, dass jetzt Schluss ist, und zwar sofort. Da ich das aber schon sehr oft gesagt habe, nehme ich an, sie werden es irgendwann nicht mehr so ernst nehmen. Heute aber funktioniert es sehr gut. Never change a winning «So nicht!»
Übertragen auf die Arbeitswelt: «Bis hierhin habe ich Dir als Dein Chef/Auftraggeber freien Spielraum gegeben, aber dieser aktuelle Zustand bei Projekt XY ist für mich inakzeptabel.»

 

Kennt ihr ähnliche Sprüche, die man gerne bei Kindern anwendet und die sich eigentlich super auf die Arbeitswelt übertragen lassen?

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3 Gedanken zu „Was ich nie sagen wollte und trotzdem sage – sowohl zu den Kids als auch im Job

  1. Hihi, sehr schön!

    Ein Klassiker ist auch „Ich habe NEIN gesagt!“ (mit steigender Intonation). Lässt sich eins zu eins übertragen 🙂

    Etwas spezieller bei unseren Strand-Besuchen: „Niiiiiiicht ins Wasser laufen!“ (im Winter, voll bekleidet, bei 2 Grad über Null). Übertragung: „Niiiiiicht (schon wieder) meinen Kaffee umstoßen!“ (bei seeeehr zähen Sitzungen direkt nach der Mittagspause).

    Liebe und schon wieder etwas muntere Grüße

    Küstenmami

  2. Mein Klassiker:
    „Ich mag jetzt nicht schimpfen!“
    Sagte meine Mutter soo oft…und ich dachte immer: Dann tu’s nicht!
    Heute verstehe ich und höre mich das selbst sagen…wahrscheinlich zum Unverständnis meiner Kleinen!

    Im Job heißt das soviel wie:
    Ich will dir das jetzt echt nicht erklären! Denk einfach drüber nach – du wirst es doch wohl checken, du Doofi!!

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