Mit dem Zweijährigen ins Krankenhaus zur Abklärung – meine 5 Tipps

Heute musste ich mit Copperfield zum wiederholten Male seit seiner Geburt vor zwei Jahren in die Kinderklinik. Wie ihr vielleicht noch wisst, hat er ein sogenanntes Geburtsgebrechen, nämlich eine Schilddrüsenunterfunktion. Zum aktuellen Befund berichte ich in Kürze. Heute möchte ich aber für euch einen kurzen Guide zusammenstellen, was man bei einem Termin in einer Kinderklinik berücksichtigen muss. Zur Info: Ich arbeite seit 15 Jahren professionell mit Ärzten zusammen, sehe also ein bisschen hinter die Kulissen.

(c) Fotolia
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Zeitfaktor

Unser Termin heute dauerte offiziell von 10.30 Uhr bis 11.30 Uhr. 10.30 bis 11.00 Uhr: Ultraschall der Schilddrüse. 11.00 bis 11.30 Uhr: Sprechstunde bei der Endokrinologin. Erst um 12.30 Uhr, also nach zwei Stunden, konnte ich das Spital endlich wieder verlassen (und wer Kinder hat, kennt die Tragik dieser Tageszeit). Warum? Bevor der leitende Arzt die Schilddrüse schallte, probierte sich eine Assistenzärztin aus. Das heisst also, der Junge wurde zweimal untersucht. In der Sprechstunde wurde mir ebenfalls zuerst ein Assistenzarzt vorgesetzt, bevor ich die uns bekannte Endokrinologin sprechen konnte. Als Mutter ist das natürlich ärgerlich. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass die zukünftigen Ärzte am Patienten lernen. Ausserdem kann es immer sein, dass plötzlich ein Notfall mit einem anderen Kind ist. Und ganz ehrlich: Wenn MEIN Kind einen Notfall hat, will ich auch nicht warten müssen, nur weil da eine andere Mutter Stunk macht, weil sie doch eigentlich einen Termin hatte. Konkretes Beispiel: Als wir voller Panik kurz nach Copperfields Geburt zum ersten Mal wegen der Schilddrüse in der Klinik waren, wollte uns die Spezialisten OHNE Termin sofort sehen, wie ich hier berichtet habe. Ein anderes Elternpaar musste warten. Man sollte also Sitzfleisch mitbringen, wie man in der Schweiz sagt.
Am Tag einer Untersuchung in der Klinik solltet ihr deshalb niemals einen Termin DANACH planen. Um 10 in der Klinik? Also kein Mittagessen mit der besten Freundin und auch keinen Kaffeeklatsch abmachen. Zeit ist in der Klinik unberechenbar, und ich persönlich bin nach einem Besuch in der Klinik mit Kind immer nudelfertig.

Dresscode

Ich selber trete als Mutter in der Klinik gepflegt auf, will heissen nicht in schmutziger Hose, versabbertem Shirt und ungeschminkt wie zuhause. Ich will nicht als hysterische Mutter kategorisiert werden, sondern souverän wirken. Das ist mein Trick, um auf Augenhöhe mit den Ärzten kommunizieren zu können, auch wenn ich nicht beruflich, sondern als Mami unterwegs bin. Ich habe aber bequeme (Turn)Schuhe an, um dem Kind jederzeit hinterherrennen zu können.
Erfahrungsgemäss wird man in der Klinik von einem Warteraum zum nächsten Zimmer und wieder rückwärts verschoben. Deshalb empfehle ich, nach Möglichkeit nicht zu viele Kleidungsstücke (Jacken!) anzuhaben. Man kommt in der Klinik mit Kind sehr sehr schnell ins Schwitzen. Und wird (wieder mal!) zum Lastenesel degradiert.
Das Kind selbst sollte auch so unkompliziert wie möglich angezogen werden: lockere Kleidung, die man schnell abziehen kann für Gewichts- und Grössenmessung, Herz abhören etc.
Windeln und Feuchttücher nicht vergessen!

Goodies

Bitte bitte bitte als erstes einpacken: Schnuller falls sich das Kind damit gut beruhigen lässt, Lieblingskuscheltier. Oder gibt es sonst irgendetwas, das das Kind erdet oder ablenkt? Dann mitnehmen!

Essen

Ein hungriges Kind ist ein nervöses Kind. Ein nervöses Kind ist gerne hungrig.

Zumindest bei Copperfield ist das so. Zudem: Nervöses Kind – nervöse Eltern. Deshalb mein Tipp: Unbedingt genügend Lebensmittel mitnehmen. Dabei ist die Abwechslung und Beschäftigung wichtig. Als Bestechung hatte ich heute eine kleine Tüte Gummibärchen dabei, welche bei der Untersuchung der Schilddrüse zum Zug kam und auch prompt vehement verteidigt wurde. Danach offerierte ich Copperfield einen Apfel (komplett). Damit war er sehr lange beschäftigt. Gut, einmal hat er sich dermassen verschluckt, dass er rot anlief und röchelte. Aber hey, no risk no fun, wir waren in der Kinderklinik, man hätte ihm also schnell helfen können (verdammte Kacke, ich hab fast hyperventiliert vor Schreck, aber ich habe ihm dann auf den Rücken geklopft und das Apfelstück fiel wieder raus… wuäh!!!) Auch für mich selber packte ich ein paar Kekse ein. Ausserdem eine Wasserflasche.

Performance

Ärzte, Pflegepersonal und Administrationsleute in der Klinik sind auch nur Menschen. Die meisten haben selber Kinder und verstehen unsere Ängste als Eltern. Als ich zum ersten Mal mit der damals zweijährigen LadyGaga in die Klinik musste wegen ihrer obstruktiven Bronchitis, war ich total ausser mir und habe die Ärzte als meine Feinde angesehen. Das hat der Sache NICHT geholfen!!! Sympathie funktioniert nämlich in beide Richtungen. Ich bin überzeugt, dass ruhige Eltern vom Fachpersonal ernster genommen werden. Denn dass wir ALLE um unsere Kinder bangen, ist allen Beteiligten klar, und ALLE tun ihr Bestes, um unseren Kindern zu helfen. Fragt, wenn etwas unklar ist. Insistiert, wenn etwas nicht okay ist/falsch läuft. Erzählt auch eure Sorgen. Es bringt aber niemandem etwas, wenn ihr ausflippt.

Ausblick

Natürlich gibt es immer Ausnahmen von Fall zu Fall und von Klinik zu Klinik. Wie es mir damals mit LadyGaga ergangen ist, habe ich hier verbloggt. Es war nicht so toll. Aber ich habe dazu gelernt und weiss, wie ich mich am besten für die Kinder einsetzen kann – sicher auch, weil ich schon zig Untersuchungen mit Copperfield erlebt habe.
Ach, hab ich schon erwähnt, dass er demnächst operiert werden muss, um Paukenröhrchen in die Ohren einzusetzen? Aufgrund seiner zahlreichen Mittelohrentzündungen hört er tatsächlich schlecht und spricht deshalb nicht richtig. Ich als Mutter habe bei den Ärzten insistiert, dass da etwas nicht stimmt – und der Befund beim ORL/HNO-Arzt hat mir schlussendlich recht gegeben. Mutterinstinkt! Den sollte man nicht unterschätzen!

1 thoughts on “Mit dem Zweijährigen ins Krankenhaus zur Abklärung – meine 5 Tipps

  1. Sitzfleisch gibt es auch in Norddeutschland 😉
    Danke für diese Zusammenstellung. Vieles handhabe ich bereits so, aber ich werde das nächste Mal vielleicht doch noch eben nen Mascara auflegen – das ist echt ein guter Tipp mit dem souverän wirken!

    Ein Hinweis in eigener Sache:
    An alle Bremer: den Nicht-zu-viele-Jacken-Tipp gleich wieder vergessen. Der Weg vom Parkplatz bis in die Kinderklinik ist eine Zumutung…… :-/

    …aber jetzt wird’s ja warm, oder? Oder??? 😉

    Ich lasse Dir liebe Grüße da!

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