Das Bauchgefühl einer Mutter

Die Sache mit der Schilddrüse haben wir gerockt – Copperfield gilt als geheilt. Leider gibt es da aber noch eine andere Baustelle: seine Ohren.

Der Kleine ist jetzt zwei Jahre und anderthalb Monate alt. Seine Sprachentwicklung hat mir lange Sorgen gemacht. Ich weiss, jedes Kind hat andere Challenges. Manche reden früh, gehen dafür spät. Andere gehen früh und reden dafür weniger. Copperfield konnte mit 13 Monaten frei laufen. Es war also okay, wenn er noch nicht so gut reden konnte. Er ist halt ein Denker. Ein Stiller. Aber mit der Zeit beunruhigte es mich doch. Er wurde zwei und konnte noch keinen Zwei-Wort-Satz. Er hatte eigentlich überhaupt kein aktives Vokabular, ausser Ami (Mami), Api (Papi), Gaga (LadyGaga), Auto, Eggi (Nuggi, schweizerisch für Schnuller), heiss, Ei, heim (schweizerisch für nachhause). That’s it.
Irgendwann wurde ich doch stutzig. Dass er uns hören konnte, war mir klar, denn er reagierte auch auf mich, wenn er mich nicht sehen konnte. Taub war er nicht. Aber irgendetwas stimmte nicht.

portrait serious stern baby
(c) Fotolia

Mein Umfeld tat das zum Teil als Überreaktion ab. Man meinte, LadyGaga habe doch auch erst sehr spät sprechen gelernt, es sei doch alles okay. Ich fühlte mich als hysterische Glucke abgestempelt. Aber etwas stimmte einfach nicht. Es war einfach anders als bei LadyGaga.

Bauchgefühl.

Ich ging zum Kinderarzt und schilderte meine Bedenken. Als er hörte, dass Copperfield letztes Jahr mehr als fünf Mittelohrentzündungen mit geplatztem Trommelfell gehabt hatte, wurde er hellhörig. «Das sollten wir abklären.» Er überwies uns an den Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten.

Ein erster Teilerfolg.

Der HNO-Spezialist erklärte uns, dass durch die vielen Mittelohrentzündungen mit Paukenerguss die Flüssigkeit nicht mehr abfliessen konnte, bevor es jeweils zur neuen Infektion kam. Er schaute in die Ohren unseres Sohnes und stellte fest, dass da noch Flüssigkeit hinter dem Trommelfell war. Es wurden Tests gemacht. Das Ergebnis: «Ihr Kind hört nicht gut. Er hört wie durch Watte bzw. wie unter Wasser. Er spürt stets Druck auf dem Ohr.» BÄM.
Ich schwankte zwischen Weinen und Erleichterung. Mein Bauchgefühl hatte mich nicht betrogen. Aber es bedeutete auch, dass Copperfield operiert werden muss.

Da wir momentan noch auf Blutresultate warten (Abklärung Blutgerinnungsstörung, das stand im Raum, da schon ein paar Mal eine Wunde nicht richtig verheilte), verzögert sich nun leider die Operation. Erst in rund drei Wochen wird unser Sohn operiert und erhält Röhrchen in die Ohren. Die liebe Sarah von Mamas Kind bzw. ihr Sohn hat das gleiche erlebt. Sie würde ihren Sohn wieder operieren lassen. Das beruhigt.

Ist es wirklich nötig?

Im letzten Monat hat Copperfields Vokabular zwar rapide zugenommen. Es ist eine wahre Freude, ihn zu erleben. Er spricht viel mehr Zwei-Wort-Sätze, wir verstehen Ane (Banane) oder auch so etwas wie «Ami og!» (Mami lueg, bzw. Mami schau) und auch viele andere Worte, die so ähnlich klingen wie sie sollen, aber eben falsch sind. Oft fehlt die erste Silbe, oder es klingt, als hätte er Watte im Mund. Meistens klingt es chinesisch für uns.

Was mich aber geschockt hat, war folgende Szene von gestern Abend:
Beim Zubettgehen wollte ich Copperfield den Mund mit einer Fettcreme einsalben, da er sich letzte Woche bei einem Sturz eine Platzwunde an der Lippe zugezogen hatte, die nun verkrustet ist. Ich sagte: «So Copperfield, wir cremen das jetzt ein, damit es nicht wehtut.» Er nickte und hielt mir bereitwillig den Mund hin. Dann zeigte er auf sein linkes Ohr, das immer wieder verkrustet und irgendwie verengt oder verstopft aussieht. «Ich soll dort auch eincremen?», fragte ich irritiert. Er nickte. «Tut es Dir denn dort auch weh?», fragte ich vorsichtig nach. Er nickte wieder mit grossen Augen.

Ja. Die OP ist nötig. Mein Sohn hat Wasser im Ohr, das nicht abfliessen kann und das ihn schmerzt. Endlich kann er es mir mitteilen. Es muss mir echt keiner mehr sagen, dass ich übertreibe. Bauchgefühl. Nur das zählt.

 

Lasst euch nicht verunsichern, wenn es um das Wohl eurer Kinder geht! Vertraut auf euer Bauchgefühl, denn es ist da und will gehört werden!

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9 thoughts on “Das Bauchgefühl einer Mutter

  1. Ich bin ganz deiner Meinung, manchmal muß man seinen bauchgefühl folgen. Wir hatten ähnliches Problem & hätte ich die Ärztin nicht so gedrängelt, wer weiß was wäre.
    Ich wünsche euch alles gute & das alles posetive wird! <3
    LG Nicky

  2. Gute Entscheidung! Meine Tochter hatte zwar ne super Sprachentwicklung, aber als sie mit 3 mit dem Roller immer schneller wegsauste, hatte ich den Verdacht, dass sie mich einfach nicht hört. Check beim HNO: „die hört uns wie unter Wasser“. Und der Dok bemerkte auch gleich, dass es nicht gut für die Entwicklung des Gehirns ist, wenn es immer auf 120% laufen muss, um eine normale Sprachentwicklung zu leisten. Wir haben es dann 1 Jahr lang mit Homöopathie versucht (Tropfen, Logopädie), Ergebnis leider null. Der Kinderarzt wollte trotzdem nicht operieren, der Pädaudiologe (was es alles gibt!) hat sofort zugestimmt, denn 1 Jahr war ihm schon fast zu lang. Die OP war ambulant und abends waren wir wieder zu Hause, wo meine Tochter bei der Gute-Nacht-Geschichte meinte „Mama schrei nicht so“.
    Vielleicht als Tipp fürs Krankenhaus: die haben mir und der Tochter versichert, ich wäre da, wenn sie aus der Narkose aufwacht. Dann wurde mir ein waches weinendes Kind geliefert, „die ist seit 1/2 Stunde wach und heult“ bemerkte die feinfühlige Schwester lapidar. Ich war stinksauer, vielleicht könnt Ihr Euch da mit dem Krankenhaus besser absprechen. Alles Gute!

  3. Ja, das Bauchgefühl hat oft recht ! Wir gehen morgen ins Krankenhaus. Meine Große (4) bekommt die Polypen entfernt und Schnitte ins Trommelfell (Paukenröhrchen evtl. später wenn es so nicht besser wird).
    Sie hatte 5 Mittelohrentzündungen alleine im letzten Jahr. Wir waren in der Logo und jetzt kam raus, dass sie nur zu 70% hört. Wenn Du magst schau bei mir vorbei, dort ist ein Blogpost zur OP online. Teil 2 folgt Ende der Woche… Ich drücke Euch alle Daumen !
    Alles Liebe,
    Berenice von https://phinabelle.wordpress.com/

  4. Gugus, ich wünsche Euch alles Gute für die OP. Ich kann Dir nur empfehlen, Dich gut über die Abläufe im Spital zu informieren (bis wie weit Ihr mit reinkönnt etc.). Und verlange für ihn „Scheissegaltröpfli“, bevor die Infusion gestochen wird, die gibt’s extra für Kinder.

  5. Ich kann dich gut verstehen. Bei big Lu war es ganz genauso. Ich musste teilweise wirklich kämpfen, um angehört zu werden. Er hat seine Ops gut überstanden (wir hatten leider Pech, denn das Röhrchen wollte nicht rauswachsen). Operationen bei Kindern machen immer Angst, aber ALLES WIRD GUT! 🙂 Und du kannst sehr stolz auf dein BAUCHGEFÜHL sein 🙂 LG <3

  6. Liebe Mama on the rocks, alles wird gut. Meine Kleine (1 Jahr) hat die Op jetzt 4 Wochen hinter sich und es hat sich gelohnt. Endlich endlich isst mein Baby wieder anderes als Muttermilch! Auch uns wollte die Kinderärztin lange abspeisen als hysterische Mutter. Mit Baby waren wir zur Kontrolle eine Nacht im Krankenhaus, schön, wenn euch der Stress erspart bleibt. Wir haben bei beiden Kindern gute Erfahrungen gemacht mit Emla-Creme um die Haut lokal zu betäuben, damit der Zugang nicht weh tut, sowie Beruhigungssaft vor der Op. Und wenn man es freundlich, aber bestimmt einfordert, bekommt man das auch. Ich war beim Aufwachen dabei. Beide Ops waren zwar anstrengend, aber alles ist gut verlaufen.
    Wir drücken euch die Daumen!
    Mi

  7. Hallo zusammen,
    unsere Tochter wurde erst mit drei Jahren an den Ohren opperiert. Danach sprach sie mit externer Hilfe (Logopäden) besser, aber erst jetzt, wo sie zur Schule geht, entwickelt sich alles altersgerecht. Im Nachhinein hatten wir schon früh das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, aber die Ärzte haben es immer nicht ernst genommen und gemeint, das sich jedes Kind anders entwickelt. Hätten wir schon damals mehr Vertrauen in unser Bauchgefühl, wären der Kleinen vermutlich viele Nachteile erspart geblieben.

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