Der 1. August in der Schweiz – Gastbeitrag einer Berlinerin

Ende Juli hatten wir Besuch aus Deutschland. Meine Freundin @endwinterwunder vom Blog Herz und Buch hat uns zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Mann, die ich schon von meinem letzten Berlinbesuch kannte, die Ehre gegeben. Was war ich aufgeregt. Berliner bei uns im Dorf! Und zudem waren sie alle drei noch nie in der Schweiz gewesen. «Ihr müsst unbedingt am 1. August hier sein, dann erlebt Ihr unseren Nationalfeiertag, das ist schön!», hatte ich ihnen vorgejubelt.

Wir verbrachten eine wunderbare Woche zusammen. Es ist ja nicht immer einfach, wenn zwei Familien so viel Zeit so nahe aufeinander sind. Ich habe auf diese Weise schon Freundschaften in die Brüche gehen sehen. Aber diese Woche Ende Juli/Anfang August war geprägt von gegenseitigem Respekt und viel Achtsamkeit. Die Mädchen spielten harmonisch zusammen, und auch die Ehemänner, die sich vorhin nicht kannten, haben sich super verstanden.

@endwinterwunder hat zudem die Fähigkeit, sich selbst so zurückzunehmen, dass plötzlich ganz viel Platz und Liebe und Wärme für alle da ist. Einmal nahm sie mich in den Arm, einfach so, und plötzlich verstehe ich, wie man in der Umarmung einer Mata Amritanandamayi, auch Amma genannt, Frieden finden kann. @endwinterwunder berührt. Danke dafür!

Ich bat sie, den 1. August, den Schweizer Nationalfeiertag, aus ihrer Sicht zu verbloggen, weil ich diese Aussensicht sehr spannend finde. Hier ihr Gastbeitrag.

 

Kinobesuch am 31. Juli in der Schweiz: Die M&Ms werden in rot und weiss verkauft.
Kinobesuch am 31. Juli in der Schweiz: Die M&Ms werden in rot und weiss verkauft.

 

Vor zwei Wochen war der 1. August. Mein erster 1. August. Ich hatte ja keine Ahnung. Ich war nämlich noch nie am 1. August in der Schweiz.

In der Schweiz ist das nämlich ein ganz besonderer Tag. Es ist der Nationalfeiertag. Ich komme aus Deutschland. Wir haben auch einen Nationalfeiertag, aber weder dekorieren wir am 3. Oktober unsere Häuser mit Fähnchen und schwarz-rot-goldenen Lampions, noch veranstalten wir zur Feier unseres Landes Höhenfeuer. Gut, letzteres könnte daran liegen, dass wir in meiner Wohngegend nicht so viele Berge haben, die es sich zu beleuchten lohnte, aber ich glaube, es gibt hier eine grundlegend unterschiedliche Einstellung zu Nationalität.

Umso spannender fand ich es, den Feiertag in der Schweiz mitfeiern zu dürfen. Während der 3. Oktober für die meisten in Deutschland nur ein freier Tag ist, ist der 1. August in der Schweiz eine richtig große Nummer. Schon Tage vorher werden die Brücken und Straßen mit Fahnen der Wappen der 26 Kantone geschmückt (Hier bekommt Ihr Hilfe, falls Ihr die Kantone und ihre Wappen auswendig lernen wollt), es gibt traditionelle Ausflüge und Feuerwerk! Also so richtig. Ich wusste das ja nicht, dass da am Nationalfeiertag privat rumgeböllert wird. Dafür gibt es zu Silvester eher öffentliche Feuerwerke. Wir standen also abends gemeinsam mit den Nachbarn auf einer Wiese und staunten mit viel «Ooooh!» und «Aaaahhhh!» wundervolle Vulkane, Batterien und Höhenfeuerwerke an. Mir besonders in Erinnerung blieb, dass alle Nachbarn sofort ins Hochdeutsche wechselten, wenn wir in der Nähe waren. Man ließ uns teilhaben und bezog uns mit ein. Das fühlte sich wunderbar an.

Das Einzige, was sich für mich noch wunderbarer anfühlte, was das viele Essen. Zu den Schweizer Traditionen gehört nämlich auch ein zünftiger Brunch beim Bauern (dafür gibt es sogar eine eigene Website) mit Rösti, Eiern in Rot und Weiß, Bergkäse und jeder Menge selbstgemachter Marmelade. Dieser jährliche Brunch wird von vielen Schweizer Firmen und Verbänden gesponsert, und ich finde es ganz wunderbar, dass auf diese Weise die Landwirte bekannter gemacht und unterstützt werden und man sich in zauberhafter Atmosphäre die Bäuche vollschlagen kann.

Mein Fazit dieses Tages: Der 1. August in der Schweiz ist etwas ganz Besonderes und wirkte auf mich nicht ungesund nationalistisch, sondern wie eine schöne, große, gemeinsame Geburtstagsparty. Und warum sollte sich nicht auch ein Land eine verdient haben.

 

Unser Vulkan-Feuerwerk am 1. August
Unser Vulkan-Feuerwerk am 1. August
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3 thoughts on “Der 1. August in der Schweiz – Gastbeitrag einer Berlinerin

  1. Oh, dass klingt wirklich spannend & toll.
    Ja, eigentlich ist es wirklich schade das Berlin auch nicht seinen Nationaltag groß Feiert, sowas würde mir auch sehr gefallen.

    Lg Nicky

  2. …also haben wir uns den besten Tag zum Heiraten ausgesucht 🙂 Schön, dass ihr so eine tolle Zeit in der Schweiz hattet! Ich denke, alles was mit Nationalismus zu tun hat, wird in Deutschland aufgrund der jüngeren Geschichte nicht so zelebriert. Schade eigentlich! Deine Beschreibung klingt nach sehr viel Spaß und guter Laune!

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