Zahnunfall: Was tun wenn das Kleinkind die Milch-Schneidezähne verliert

Die letzten zwei Wochen waren hart. Die Tage nach Copperfields Sturz und dem Verlust seiner zwei Schneidezähne habe ich gefühlt nur weinend verbracht. Immer wenn ich dachte, es geht wieder, holte es mich ein. In meiner Klarinetten-Stunde zum Beispiel ermahnte mich meine Musiklehrerin, die Schneidezähne besser ans Instrument zu setzen. Schneidezähne – rabähh!!! Das konsternierte Gesicht meiner Lehrerin hättet ihr sehen sollen, als ich in Tränen ausbrach. Nein, das waren nicht die Hormone und ich bin nicht schwanger. Ich bin nur tieftraurig, denn ich konnte meinem Sohn nicht helfen.

Freunde und Familie trösten mich, dass es nicht so schlimm ist. Andere meinen, dass man da doch etwas tun müsse. Ich fühle mich unter Druck gesetzt, nicht alles für mein Kind getan zu haben.
Eine Freundin von mir hat zwei Zahnärzte im Bekanntenkreis, die sie um Rat für mich fragte. Zahnarzt A sagte: Man sollte unbedingt etwas tun, es gibt Zahnprothesen für Milchzähne. Was man nachfragte bei mir: Warum wurden keine Röntgenbilder machte, weder nach Sturz A (Zahnecke ab) noch nach Sturz B (Komplettverlust)? Gute Frage…

Der zweite Zahnarzt meinte: Manchmal kommen bleibende Zähne früher, weil keine Milchzahnwurzeln resorbiert werden müssen. «Klingt jetzt zwar hart, aber man kann jetzt leider wirklich nichts machen.» Eine Prothese wäre vermutlich sprachlich auch nicht sinnvoll, da ja dann Kunststoff im Gaumen ist. Ausserdem wächst der Kiefer im Kindesalter stetig, d.h. die Prothese muss immer wieder angepasst werden.

Hm. Und nu?

Im Internet habe ich nichts Vernünftiges zum Thema Zahnverlust nach Unfall bei Kleinkind gefunden, nur das übliche Blabla. Auch keine Blogbeiträge oder Tipps von anderen Eltern, mit denen ich mich verbunden fühlen könnte. Deshalb erzähle ICH es: Es ist schlimm, wenn mich Copperfield bei jedem Essen mit grossen, traurigen Augen anschaut, auf seinen Mund zeigt und fragt: «Zähne?» Ich sage dann die Wahrheit und antworte: «Die sind jetzt weg, mein Schatz. Du bist ganz arg hingefallen und die Zähne sind rausgefallen. Aber sie werden wieder nachwachsen.» Sein betretener, glasiger Blick jedes Mal ist ein Martyrium für mein Mamaherz. Vor ein paar Tagen habe ich zugesehen, wie er sich im Spiegel angestrahlt hat und dann schnell die Lippen schloss. In mir zieht sich alles zusammen, ich wünsche mir so sehr, dass wir an den Punkt gelangen, wo die Zahnlücke selbstverständlich ist.

Soll man dem Kind die ausgefallenen Zähne zeigen?

Ich habe hin und her überlegt, ob es ihm etwas bringt, die ausgefallenen Zähne zu sehen. Ich habe mich dann dazu entschieden, ihm die Zähne zu zeigen, doch er reagierte irritiert wenn nicht sogar befremdet und etwas ängstlich. Also habe ich die Zähne schnell wieder weggepackt. Es kann aber sein, dass je nach Kind die offene Kommunikation ohne Berührungsängste auch hier die beste ist. Ich denke immer: Reden ist besser denn Verdrängen. Man sollte einfach gut auf die Reaktion seines Kindes achten und altersgerecht agieren. Ich habe mich da wohl verschätzt, hatte aber nur die besten Absichten. Seufz.

Darüber reden

Beim Zähneputzen abends putzt sich Copperfield bereits wieder beherzt die Zähne und nun auch die Zahnlücke. Er zeigte dabei gestern wieder traurig auf seinen Mund und versuchte erstmals, die Lippen mit den Fingern zu heben, um sich im Spiegel zu betrachten. Ich verstand das Bedürfnis – er hatte die Zahnlücke bis jetzt noch gar nie richtig gesehen! Ich half ihm vorsichtig dabei, die Lippen zu heben, so dass die Zähne bzw. die Zahnlücke frei lagen. Er schaute sich seinen Mund ganz genau an und kommentierte jeden einzelnen Zahn und formulierte auch seine Trauer, wie dass ein Dreijähriger halt kann. Dabei konnte ich ihm helfen und die Gefühle in Worte fassen: «Copperfield, gell, Du bist doll traurig wegen der Zähne?» Er nickte eifrig und antwortete: «Ja, ich bin feste traurig.» Ich knuddelte ihn heftig, bis wir beide heftig lachen mussten. Ich glaube, so ein Trauma muss auch emotional zuerst verarbeitet und aufgearbeitet werden.

Wie geht es weiter?

Ich weiss noch nicht, ob eine Zahnprothese ein Thema für uns ist. Ich werde aber nichts übereilen und dem Jungen die Zeit geben, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Ich will es auch nicht schlimmer machen, als es ist, und meinem Sohn ein schlechtes Gefühl geben. Er soll doch einfach nur Kind sein, und nicht an seine Zähne denken! Und wegen mir schon gar nicht. Also lasse ich jetzt Zähne Zähne sein und schlucke meine Trauer und meine Ängste runter. Und wenn dann Copperfield immer noch traurig über den Zahnverlust ist, setze ich aber Himmel und Hölle in Bewegung für ihn, versprochen.

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7 Gedanken zu „Zahnunfall: Was tun wenn das Kleinkind die Milch-Schneidezähne verliert

  1. Kurzer war drei einhalb, als er mit dem Dreirad in einen Schachtdeckel gefahren ist, sich überschlagen hat und Mund voran auf einer Blumenkiste gelandet ist. Ein halbes Jahr (mit vier) später mussten die Schneidezähne und eine der Nebenschaufeln raus, weil sich dahinter ein Abszess gebildet hatte. Das war vielleicht ein Theater… er hatte so grosse Angst, dass ich mich auf den Stuhl setzen und ihn festhalten musste und am Ende musste die Zahnärztin die Zähne ohne Narkose ziehen, weil sie bei dem Gezappel die Spritze nicht setzen konnte.
    Wir haben die Lücke offen gelassen und keine Brücke einsetzen lassen, weil die Zahnarztin auch meinte, die zweiten Zähne kämen schneller. Aber die haben sich Zeit gelassen und waren dann schliesslich erst mit sieben jährig draussen.

  2. Unser Milchzahn entzündete sich nach einem Sturz und musste gezogen werden. Die Zahnärzte haben sich furchtbar verhalten, aber irgendwie haben wir es geschafft, dass das Kind ohne Trauma darüber hinweg kam. Das ist jetzt über 5 Jahre her und die Lücke sieht immer noch niedlich aus. Den Zahn haben wir übrigens in einem Gläschen mitbekommen und er wird immer noch ab und an angeguckt.
    Die Erzieherinnen haben gut mitreagiert und das Ganze gar nicht erst zu einem großen Thema gemacht.

    Ich wünsche euch alles Gute!

  3. Ich möchte dich mit einem Erfahrungsbericht ermutigen. Der inzwischen siebenjährige Sohn von Freunden ist schneidezahnlos großgeworden. Den ersten verlor er mit 1,5 beim Sturz auf die Bäckertheke, der zweite war ein Tobe-Unfall mit 6 Jahren. Er wurde regelmäßig vom Zahnarzt untersucht, aber es wurde nichts gemacht. Jetzt ist er in der zweiten Klasse, ein großer Junge, und in der Lücke wachsen – weiße, kräftige Zähne!

  4. Wäre es ggf. Eine Möglichkeit, nach dem Trauern über die verlorenen Zähne dem Kleinen zu zeigen, dass die größeren Kindergartenkinder ja auch Zahnlücken haben?
    Und es bei ihm „wie bei den Großen“ ist, er aber dann wenn er so groß ist, auch dort wieder Zähne bekommt.

  5. Ich habe ein dreijaehriges Maedchen bei mir im Unterricht, der mussten die Schneidezaehne wegen Karies gezogen werden und nach ein paar Wochen kamen tatsaechlich die bleibenden nach unten.Also wartet vielleicht erstmal ab
    Viele Gruesse

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