Kein Weg zurück

Das stimmt so simpel natürlich nicht. Sehr oft gibt es in der Tat DOCH einen Weg zurück. Man kann zum Beispiel zu einem früheren Arbeitgeber zurückkehren, vielleicht sogar in einer besseren Position, so wie es mir in meiner bisherigen Karriere schon zweimal passiert ist. Man kann zu einem Ex-Lover zurückgehen, weil die Liebe neu entfacht ist oder nie ganz weg war. Man kann sich für etwas entschuldigen, das man getan hat. Man kann einen publizierten Blogpost oder Tweet löschen.

Das Leben hat mich gelehrt, immer nett zu den Menschen zu sein, denn «man sieht sich immer zweimal im Leben.»

Wie oft aber denken wir: Dahin will ich eines Tages zurück

Unsere Hochzeitsreise 2008 bleibt unvergessen. Wir machten eine zweiwöchige Kreuzfahrt von Chile nach Uruguay und Argentinien, mit Verlängerung jeweils in Santiago de Chile und Buenos Aires. Wir verliebten uns beide in Patagonien, und der Aufenthalt in der pulsierenden Metropole Buenos Aires machte Lust auf mehr. «Eines Tages kommen wir hierhin zurück!» versprachen wir uns, verliebt in uns und in die Stadt. Seither haben wir es nicht geschafft zurückzukehren.

«Irgendwann dann werden wir wieder Steaks essen in einem dieser kleinen Restaurants, in denen es nur Fleisch mit Salat gibt. Und wir werden wieder auf der Strasse Tango tanzen, nachts in der Abenddämmerung.» Es war eine Art zweites Ehegelöbnis, das wir uns über die Jahre stillschweigend gegeben haben.

Irgendwann

Irgendwann kenne ich dorthin zurück. Und dann fühle ich mich wieder wie damals. Dann erlebe ich das alles nochmals.


Moment.

Eine Freundin von mir war diesen Winter in Patagonien. Aber was sie mir schilderte, war so gar nicht mehr «mein» Patagonien. OK, sie ist Vegetarierin. Aber sie erzählte von Vegan-Buden am Laufmeter in Buenos Aires. Das alles so durchgestylt auf sie wirkte. Und ich dachte nur: «Häh?!»

Und während des Gesprächs realisierte ich, dass das Argentinien meiner Erinnerung schon längst nicht mehr das Argentinien der Gegenwart ist. Das Bild ist ganz einfach in meinem Kopf festgefroren. Aber was war, wird nie mehr so sein. Barbados fiel mir ein, in das ich mich 2017 verliebt hatte. Beim erneuten Aufenthalt in diesem Februar war der Zauber aber bereits wieder verflogen, denn es regnete, die See war aufgewühlt, und der Moment von 2017 liess sich nicht wiederbeleben.

Irgendwann ist doch schon heute

Was ich daraus gelernt habe: Jede Erinnerung ist kostbar. Wir können an die Orte der Vergangenheit zurückkehren, wenn wir keine Angst davor haben, enttäuscht zu werden. Für mich ist klar, dass ich nie wieder nach Guatemala City zurück gehen will, der Stadt meiner Kindheit. Ich möchte mir meine Kindheitserinnerung aufrechterhalten, mittlerweile mit dem vollen Bewusstsein, dass sie idealisiert ist. Das ist MEINE glückliche Kindheitserinnerung, und die will ich mir nicht durch die Realität vermiesen.

Andere Orte meiner Vergangenheit sind weniger belastet. Ob ich nochmals nach Barbados zurückkehre, hat keinen Einfluss auf meine gute Meinung der Insel gegenüber. Hey wer sagt schon NEIN zu Barbados?! Aber wenn ich je nach Argentinien zurückkehre, was durchaus möglich ist, dann weiss ich jetzt, dass es nie mehr so sein wird wie früher. Nicht nur Argentinien hat sich verändert – ich auch. Aber unser Gehirn ist bitchy und gaukelt uns gerne mal was anderes vor.

Vergangenes ist vergangen, lasst uns deshalb immer wieder neue schöne Erinnerungen schaffen. Für uns und unsere Kinder.

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