Mit allen Facetten Frau sein

Der Schweizer Chansonier Manni Matter singt in «Hemmige» über die Hemmungen, die uns als Menschen ausmachen. Ich summe das Lied in letzter Zeit in einem anderen Kontext:

I weis, das macht eim heiss, verschlat eim d’stimm
doch dünkt eim mängisch o s’syg nüt so schlimm
s’isch glych es glück, o we mirs gar nid wie
das mir WALLIGE hei.

(Ich weiss, man kommt ins Schwitzen, es verschlägt einem die Stimme. Doch auch wenn man manchmal meint, es gäbe nichts Schlimmeres: Es ist trotzdem ein Glück, auch wenn wir es gar nicht wollen, nämlich dass wir Hemmungen [oder eben: Wallungen] haben.)

Ich habe sie, diese Wallungen. Obwohl ich erst 41 bin. Und als es kürzlich wieder so weit war, kam mir plötzlich der Gedanke: Das ist wie mit den Wehen. Oder der Geburt. Oder dem Kinder haben an sich. Wenn Du es nicht selbst erlebt hast, weisst Du gar nix.

Meine Mutter litt jahrelang unter ihren Hitzewallungen, die ihr den Alltag erschwerten. Sie schwitzte und fühlte sich elend dabei. So habe ich das kennengelernt und mich auch davor gefürchtet, «wenn ich mal in das Alter kommen sollte» (also jetzt). Ich habe eine Freundin, die nach einer Hitzewallung sofort duschen gehen muss, weil sie danach so nassgeschwitzt ist. Meine Grossmutter hingegen hatte wohl überhaupt keine Wallungen, als sie in die Menopause kam.

Und bei mir ist es wieder ganz anders. Nämlich so:

Bild: (c) Fotolia

Wenn Du es nicht selbst erlebst, weisst Du nicht, wie es sich anfühlt. Denn jeder Körper ist anders.

Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit.

Ich sitze am PC und arbeite. Das Klima ist gut. Mit einem Mal merke ich, dass mein Kopf glüht. Ich habe kein Fieber. Ich habe keinen Alkohol getrunken. Ich bin auch nicht erregt oder genervt. Aber meine Wangen sind beim Blick in den Spiegel eindeutig knatschrot. Mir ist so heiss im Gesicht, als hätte ich einen Sonnenbrand bzw. schlimmer noch: als läge ich höchstpersönlich in unserem Kugelgrill. Ich war aber nicht an der Sonne. Und im Grill konsequenterweise auch nicht. Ich wusste nicht, was mit mir los war, bis ich plötzlich dachte: Ist das etwa eine HITZEWALLUNG?!?!? Aber ich schwitze ja gar nicht!

Das gleiche passierte mir im Hallenbad. Ich begleitete meine Tochter zum Schwimmunterricht und wollte selber ein paar Bahnen schwimmen. Hallenbad. Keine Sonne. Schon auf dem Weg ins Bad kriegte ich wieder diese Hitze im Gesicht, die ich nicht einordnen konnte. «Ah was soll’s, Du kühlst Dich jetzt dann gleich ab im Schwimmbad, dann geht diese Hitze weg.» Ging sie nicht. Ich schwamm meine Runden und glühte dabei wie ein Ofen. Im kalten Wasser. Sah ich da etwa Dampf im Wasser um mich herum….?! Erst nach einer Weile, als ich schon längst wieder im Trockenen und zuhause war, verflog dieses Hitzegefühl wieder.

Solches und ähnliches ist mir im letzten halben Jahr regelmässig passiert. Nie aber schwitze ich bei solchen Wallungen. (Ich schwitze aber prinzipiell sehr sehr wenig.) Ich brenne einfach. Wie so ein Drache – der schwitzt ja sicher auch nicht, wenn er Feuer speiht.

Ich schreibe das nicht gefrustet, nicht wütend, nicht anklagend, nicht peinlich berührt. Ich beobachte ganz einfach meinen Körper und staune.

Bei all den Erzählungen über die Menopause, die man sich unter vorgehaltener Hand von Frau zu Frau weitererzählt: So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Und bei euch wird es auch wieder ganz anders sein. Habt ihr schon einmal versucht, jemandem eine Wehe zu erklären oder eine Geburt? Oder eben Mutterliebe? Wurdet ihr verstanden?

Man muss es selbst erlebt haben, um wirklich verstehen zu können, wie viele unterschiedliche Emotionen und auch körperliche Empfindungen in diesen einzelnen Worten stecken.

Jede erlebte Beschreibung ist richtig, deckt aber nur einen Teil davon ab, was «das Ganze» ist – eben Frau zu sein, mit allen Facetten. Crazy, oder?

Wie erlebt ihr eure Hitzewallungen? Das würde mich gerade im Vergleich echt interessieren.

 

Euer Hausdrache Séverine *fackel*

 

 

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