Elternabend

Ich kann einen Stuhl normaler Sitzhöhe erobern und sitze nun mit meinem Mann im Kindergarten meines Sohnes. Fünf Minuten vorher ist noch unklar gewesen, ob wir überhaupt beide gehen können – der Babysitter hat den Termin vergessen. «Gehe ich oder gehst Du?», frage ich meinen Mann. «Geh Du, ich bleib bei den Kindern», meint er. Als ich schon mit Autoschlüssel und Handtasche in der Türe stehe, trudelt der verlegene Babysitter ein. Die Kinder jubeln.

Und schon sitzen wir also zu zweit im Kindergarten, mein Mann und ich. Anders als damals bei LadyGaga kennen wir diesmal schon einige Eltern, die ebenfalls wie wir grössere Kinder haben. Wir fühlen uns als alte Hasen, und auch Copperfields Kindergärtnerin ist die gleiche, die schon LadyGaga hatte. Es fühlt sich an nach Klassentreffen. Ich bin entspannt.

Die Eltern stellen anhand einer von den Kindergärtnerinnen zusammengestellten Diashow ihre Kinder kurz vor. Von den Lehrpersonen erfahren wir danach einiges über den Kindergarten-Alltag der Kinder. Es tut gut, das alles nochmals zu hören. «Stimmt, das war damals bei LadyGaga auch so», denke ich. «Damals» war ich aber nicht so entspannt.

Die Kindergärtnerin erzählt vom aktuellen Gruppen-Projekt. Ich sehe gebastelte Bärenbilder an der Fensterfront und Bärenkissen, die drapiert herumliegen. Bären? Copperfield hat mit keinem Wort erwähnt, dass er einen Bären gebastelt hat. Ich schüttle innerlich den Kopf. Während LadyGaga jeden Kindergartentag zuhause akribisch nacherzählte, findet Copperfield jeden Tag: «Es war gut heute im Kindergarten.» Ende der Information.

Ich grinse bei diesem Gedanken.

Die Leiterinnen bringt nun eine Broschüre zur Sprache, die vor der Einschulung an die Eltern verteilt worden ist. Darin steht, was die Kinder können sollten, wenn sie in den Kindergarten kommen. Also: alleine aufs WC gehen, miteinander kommunizieren, eine Schere benutzen usw. Wir Eltern werden nun aufgefordert, in kleinen Gruppen darüber zu diskutieren, was diese Broschüre damals in uns bewirkt hat. Wir schauen uns zu sechst an. Wir sechs haben schon ältere Kinder. «Also, mich hat das jetzt nicht gestresst. Bei der älteren Tochter haben wir es ja auch hingekriegt. Das klappt schon irgendwie», grinse ich. Die anderen grinsen mit. Beim zweiten, dritten, vierten Kind ist einfach alles anders. Und doch gleich.

Nach der Präsentation wollen wir uns Copperfields Bärenkissen anschauen. Alle anderen 22 sind da – nur das meines Sohnes nicht. Wir fragen die Lehrerin. «Ich habe gesehen, dass vorne bei den Legos in der Garderobe noch ein Kissen liegt. Ich hatte die Kinder eigentlich drum gebeten, die Kissen wieder zu versorgen.» «Das ist mein Sohn!», entgegne ich prompt. «Lego und nicht aufräumen wollen.»

Und so ist es auch – Copperfields niedliches Bärenkissen (jööööö!) liegt verwaist bei den Legos.

Aber was soll’s. Das Kind kriegen wir auch so gross <3.

Happy Kindergarten-Zeit, my love!

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Ein Gedanke zu „Elternabend

  1. Hach ja, sowas kenne ich zu gut. Manchmal fühlt man sich bei solchen Elternabende überflüssig, schließlich weiß man aus Seite der Einrichtung schon was einen erwartet.
    Aber ich nutze es auch gern mal zu hören wie es dem Kind so geht. Ich finde es immer wieder interessant wie gleich & doch unterschiedlich Geschwisterkinder sind.

    Lg Nicky

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