Rauchstopp: Wie ich vom Rauchen loskam

Ich heisse Séverine, bin 41 – und Ex-Raucherin.

Angefangen hatte alles, als ich 16 oder 17 war, also um 1993/1994. Damals galt das als spät. Die coolen Kids rauchten mit 14. Ich fing damit an, als ich einen Freund hatte, der rauchte. Für Nicht-Raucher unverständlich: Wer küsst schon gerne einen Aschenbecher? Ich fand es damals sexy, ich mochte den Geschmack.

Ich rauchte heimlich, damit meine Eltern es nicht mitkriegten. Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt bereits Exraucherin, mein Vater immer noch ein heavy smoker. Irgendwann fasste ich allen Mut zusammen und beichtete es. Meine Mama war erschrocken, aber was sollte sie schon sagen? Sie hatte ja selbst jahrzehntelang geraucht. Also rauchte ich fortan öffentlich.

Es war nicht viel. Es waren leichte Zigaretten. Das Päckli kostete unter 5 Franken und es hielt lange an.

Die Wende

Anfang 20 wurde der Alltag stressiger. Ich begann zu studieren und zu arbeiten. Sobald ich aus dem Büro kam, musste ich einfach eine Zigarette anzünden. Ah, was für eine Wohltat für das Gehirn! Auch bei Nervosität wirkte die Zigarette super. Es ist tatsächlich so, dass Rauchen das Denken fokussiert.

ABER

Abgesehen vom Krebspotenzial, über das wir heute alle Bescheid wissen: Irgendwann wird es zu viel. Man raucht nicht mehr aus Genuss. Es wird zur Sucht.

In den folgenden Jahren ertappte ich mich immer häufiger dabei, dass ich eine Zigarette einfach so anzündete, aus Langeweile, aus Nervosität, aus – Usus. Ich begann, morgens zu husten. Ich hatte oft eine Zigarette an den Lippen, ohne gemerkt zu haben, dass ich sie überhaupt angezündet hatte. Ich hatte gar keine Lust zum Rauchen. Es schmeckte nicht mehr. Ich roch den Aschenbecher in mir. Aber ich musste rauchen.


Irgendwann war klar: Das will ich nicht mehr. Ich war 29, wollte in der Zukunft Kinder. Ich wollte wieder frei und auch gesund sein.

Wie ich von der Kippe weg kam

Ich war beruflich an einem Ärztekongress. Damals war gerade ein neues Nikotinpflaster auf dem Markt, und ich ging an den Aussteller-Stand des Herstellers und fragte, ob ich ein paar Patches haben dürfte, weil ich mit Rauchen aufhören wollte. Man gab mir einen ganzen Stapel Müsterli (damals ging das noch, heute an Ärztekongressen undenkbar bzw. verboten). Am nächsten Tag klebte ich mir ein erstes Patch auf den Oberarm und rauchte nicht. Es schien zu wirken. Vorerst. Einmal rauchte ich eben trotz Pflaster eine Zigarette – mir war stundenlang speiübel. Nach zwei Wochen setzte ich die Patches gefrustet wieder ab, ich wollte lieber zwischendurch wieder eine Zigarette rauchen. «Sooo schlimm ist das doch nicht.» Schon doof. Aber eben typisches Suchtverhalten. «Eine letzte Zigarette!»

Es war ein Denkprozess über mehrere Monate. Aber dann machte es KLICK. Einfach so. Ich kann nicht sagen, was den Impuls gab. Ich wachte eines Morgens auf und dachte: «Ab heute rauche ich nicht mehr.» Ich habe keine letzte Zigarette mehr genossen, sondern einfach aufgehört, mit Nulltoleranz mir selbst gegenüber. Ich nahm wieder die Nikotinpflaster, aber nur für kurze Zeit, als moralische Unterstützung.

Es war nicht einfach. Es war hart. Ich war daran gewöhnt, abends im Ausgang Alkohol zu trinken und dabei zu rauchen. Ich war daran gewöhnt, zuhause stundenlang an meinen Romanen oder Uni-Arbeiten zu schreiben und dabei zu rauchen und Wein zu trinken. Plötzlich funktionierte diese Folie à deux nicht mehr. Alkohol ohne Zigarette schmeckte nicht mehr, was sollte ich also noch auf Partys? Ich ging weniger aus. Wenn jemand in meinem Umfeld rauchte, schnupperte ich begierig am Rauch. Und mir war klar: Wenn Du auch nur eine einzige Zigarette rauchst, bist Du wieder drin. Ich mochte das Rauchen viel zu sehr. Also gab es kein Pardon. Die Zigarette nach dem Essen ersetzte ich durch Espresso. Die anderen Zigaretten ersetzte ich durch – NICHTS.

Und dann kam da dieser Moment

Ich hatte eine Sitzung mit mehreren Ärzten für eine medizinische Fachzeitschrift, die ich als Chefredaktorin betreute. Beim gemeinsamen Abendessen fragte mich einer der Professoren, der mich schon seit einigen Jahren kannte: «So Frau Bonini, erzählen Sie mal, seit wann rauchen Sie denn nicht mehr?»

Ich war komplett verdattert. Bei den Meetings hatte ich nie nie nie geraucht. Er konnte nicht wissen, dass ich früher Raucherin war.

«Vor drei Monaten. Woher wissen Sie das?», stammelte ich.

«Ich sehe es Ihnen an der Haut an.»

Er sah es mir an der Haut an. Diese Aussage des Professors hat mich all die Jahre so geprägt, dass ich seit 2005 keine einzige Zigarette mehr angefasst habe. Mittlerweile wird mir vom Zigarettenrauch übel und ich meide Fumoirs oder Raucherecken, wo es nur geht. Keine Ahnung mehr, wie ich Rauchen toll finden konnte. Ich bin heute Nicht-Raucherin.

Habt ihr auch aufgehört zu rauchen und wie ist es euch gelungen? Oder raucht ihr immer noch und findet es gut so? Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

 

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3 Gedanken zu „Rauchstopp: Wie ich vom Rauchen loskam

  1. Ich habe von 15 bis 37 die Zigarettenindustrie mit etwa einer Million Franken unterstützt.
    Aufgehört habe ich, nachdem ich bei der ersten Schwangerschaft nur stark reduziert hatte und das Baby verlor. Bei der Folgeschwangerschaft wollte ich alle Risiken vermeiden. Ich habe den Mann fortgeschickt, die letzte Stange aufgeraucht und bin dann in einem Wochenende von 50 Zigis im Tag auf Null runter. Ich wusste, dass der körperliche Entzug normalerweise 2-5 Tage dauert, daran hielt ich mich fest. Der geistige Entzug war reine Sturheit.
    Wie du weiss ich genau, dass ich keine einzige Zigi mehr anrühren darf… obwohl es mich auch heute manchmal in gewissen Situationen noch gschluschtet. Nicht mal unter Stress, sondern eher so die geselligen, entspannten Momente, mit Wein und feinem Essen.

  2. Ich habe während des Studiums angefangen zu rauchen (also relativ spät, erst mit 19), weil alle „Coolen“ sich in den Pausen auf der Treppe vor dem Gebäude mit einer Kippe versammelt haben. Oder man hat sich „auf eine Zigarette“ verabredet in den Übepausen. Partys, Kaffee, Alkohol, Zigaretten – das war irgendwie untrennbar miteinander verbunden. Der gesellige Aspekt spielte eine große Rolle. Als ich schwanger wurde (in dem Zusammenhang muss man wohl sagen, glücklicherweise schon mit 22), hörte ich von einen auf den anderen Tag auf, für mein Baby. Ich rieche es heute noch gerne, habe aber kein Bedürfnis mehr, selber zu rauchen.

  3. Ich habe mit 14 angefangen zu rauchen, aufgehört mit 26 Jahren. Ich hab kräuterzigaretten genutzt. Da es bei mir der Vorgang des Rauchens war den ich so mochte, das halten der Zigarette und daran ziehen, dabei in der Pause quatschen und auch beim Alkohol trinken. Also hab ich mit Kräuterzigaretten aus der Apotheke besorgt und die erste Schachtel gleich am ersten Tag aufgebraucht. Denn der körperliche Entzug lies mich immer wieder zur Zigarette greifen, dadurch das kein Nikotin drin ist kommt das Verlangen sehr schnell wieder. Nach ein paar Tagen war ich dann durch damit und rauchte von Kräuterdingern immer weniger. Lustig fand ich das den Geruch jeder störte *grins* mein Mann fand es roch als würd nen Wald abbrennen. Wenn ich in der Firma im Raucherbereich (innen) eine angesteckt habe, hatte ich spätestens nach 5min einen Sitzplatz *lach*

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