Midlife crisis?

Das bin ich. Ungeschminkt und ungefiltert. Für mein Alter sehe ich doch eigentlich noch ganz gut aus, so kurz vor Erreichen der 42:


Während ich das denke, kreuzt eine Erinnerung meine Gedanken. Meine mittlerweile verstorbene Grossmutter sagte auch im hohen Alter noch diesen Satz: Für mein Alter sehe ich doch eigentlich noch ganz gut aus.

Wann ist das eigentlich passiert? Dass ich nicht mehr einfach nur gut aussehe, sondern eben nur «für mein Alter»?!

Back to the roots

Ende der Dreissiger habe ich mich unbändig auf die Vierzig gefreut und auf meinen Geburtstag hingefiebert wie zum letzten Mal mit zehn. Ein neuer Lebensabschnitt, yeah! Endlich «erwachsen»! (das sage ich mir bei jeder neuen Dekade, haha). Aber mit der 40 kamen die Probleme und ich verstand die Welt nicht mehr. Dermatose im Gesicht, verfrühter Start der Menopause, Karpaltunnelsyndrom in der rechten Hand, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Zahnprobleme. WTF, Ich wurde wieder zum Pubertier. Und verfluchte innerlich das Altern: Vierzig zu sein, war plötzlich nicht mehr so cool, wie ich mir das im Vorfeld kühn vorgestellt hatte. Mein Körper zeigte mir plötzlich mit dem Zaunpfahl seine Endlichkeit an. Aber für mein Alter sehe ich doch eigentlich noch ganz gut aus!

In der Krise

Midlife Crisis. Darunter stellen wir uns gemeinhin Männer in den Vierzigern vor, die sich einen Sportwagen und eine jüngere Frau zulegen. Ich habe beides nicht getan. Ich habe auch nicht wirklich eine Krise. Aber ich sehe eben nur noch für mein Alter gut aus. Und die Optionen gehen mir aus.

Mit meiner Figur (und meinen inneren Schweinehund) werde ich nicht mehr Supermodel werden in diesem Leben. Und auch die Sängerinnenkarriere kann ich getrost an den Nagel hängen. Ich wollte immer eine berühmte Schriftstellerin werden – ist auch dieser Zug abgefahren? Meine Jugend mit allen Visionen ist längst passé. An Silvester haben wir mit den Kindern erstmals Mr. Bean geschaut, sie haben sich gekugelt vor Lachen, war das schön! Die Folgen stammen von 1989-1995, und ich habe sie seit damals nicht mehr gesehen. Das ist ÜBER ZWANZIG (!!!) JAHRE her!!! Ich hätte damals alles werden können. Heute bin ich – einfach ICH.

Ich bin nicht mehr so schnell in meinem Kopf wie früher. Aber ich kann das Unwichtige vom Wichtigen unterscheiden, erkenne Gesetzmässigkeiten und kann durch meine Lebenserfahrung dann schneller reagieren. Wenn ich scheitere, verfalle ich nicht in Panik. Ich weiss, dass ich mein Leben trotzdem meistere, denn das habe ich früher schon unter Beweis gestellt. Diese neue Art der Gelassenheit ist mein «Chill mal». Meine Gesprächspartner bei Kundenmeetings werden trotzdem immer jünger. Ehrlich: Es ist merkwürdig, wenn man beruflich plötzlich die Älteste im Raum ist. Ich werde alt.

In einem GEO Wissen zum Thema Lebensmitte (Nr. 50 von 2012) habe ich gelesen, dass mit 45 Jahren ein Zufriedenheitstief kommen kann, weil der Verlust der Optionen betrauert wird. Die Kurve der Lebenszufriedenheit ist wohl u-förmig. Na danke auch, ich stecke mitten drin in dieser Unzufriedenheits-Scheisse. Und irgendwie auch nicht. Denn für mein Alter sehe ich doch eigentlich noch ganz gut aus.

Neuorientierung

Was will ich hier noch? Ich habe geheiratet, Kinder bekommen, ein Haus gebaut, mich erfolgreich selbständig gemacht… und nu? Ist Sterben die logische Konsequenz? Ich habe ja alles erreicht. Geht es nach der 40 nur noch bergab? Der Tod scheint näher als die Geburt. Und was ist eigentlich aus meinen Träumen geworden?!

Die letzten Jahre habe ich geliefert und geliefert. Gefangen in Kindererziehung und Karriere habe ich einfach funktioniert, um nicht unterzugehen. Jemand musste den Job ja machen, oder?!

Aber jetzt ist da ein Cut, den ich ganz bewusst wahrnehme. Die Kinder werden älter und selbständiger. Und ich wieder freier. Ich darf, nein ich MUSS mich wieder mehr um mich selbst und meine Bedürfnisse kümmern. Die Erkenntnis ist da: Ich will gesund altern. Und Jammern finde ich scheisse. Also akzeptiere ich meine Hautprobleme und schminke mich in der Konsequenz überhaupt nicht mehr, denn Make-up und Co. verschlimmern die Allergie. Was soll’s, ich bin auch so schön. Menopause, Karpaltunnelsyndrom – that‘s me, so what. Das alles ist nur ein Teil des Ganzen und eine Frage des Gleichmuts.

Je deutlicher die Endlichkeit des Lebens, umso bewusster leben wir.

Was tut mir gut, wo will ich sein? Ich weiss es (noch) nicht, aber es ist diese Fragestellung, der ich mich in den nächsten Monaten widme. Man erfindet sich nicht neu von einem Tag auf den anderen, es ist ein Prozess und ich stecke mittendrin. Oder anders formuliert: Man schafft es zwar auf dem Papier, aber im Kopf wird man nicht über Nacht 40.

Werde ich die nächsten 30 Jahre meinen Job weiterführen, the same procedure as every year? Gut möglich. Aber vielleicht verändere ich ja auch noch mal etwas. Es sind nämlich niemals alle Optionen im Leben weg. Ich werde vermutlich keine Ärztin mehr werden, aber ein paar Tricks habe ich schon noch auf Lager. Damit ich meine Träume nicht aus den Augen verliere, habe ich meine Bucket List aktualisiert und neu als eigenen Menüpunkt auf dem Blog aufgeführt.

Ich möchte wieder spontaner sein und Dinge unternehmen, die crazy sind. Ich möchte lachen und (er)leben, mich selber spüren! Letztes Jahr habe ich es nicht geschafft, nach Schottland zu reisen, obwohl ich mir das so sehr gewünscht hatte. Diesmal habe ich den Flug nach Edinburgh bereits gebucht: vom 3. bis 5. Mai bin ich in der Heimat des Whiskys!

In den letzten Jahren habe ich meine grauen Haare gefärbt. Jetzt ist mir das egal geworden. Ich sehe gut aus – nicht für mein Alter, sondern weil ich lache.

Ich habe meinen Frieden mit der 40 geschlossen.

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2 thoughts on “Midlife crisis?

  1. Gugus meine Liebe,
    Es Guets Neus!
    Nur ganz schnell eine dringende Leseempfehlung: „Die Weisheit der Wechseljahre“ von Christiane Northrup. Die Autorin ist Frauenärztin und erklärt all die Krisen und Veränderungsprozesse ganz wunderbar. Ja, genau so intensiv und verwirrend wie die Pubertät, aber anders. Ich schreibe dann bei Gelegenheit noch eine Rezension.
    (und bitte schreibe nicht Whisk_e_y wenn du das Lebenswasser aus Schottland meinst, dafür würden dir sowohl Schotten als auch Iren die Zähne ausschlagen 😉 )

    1. Liebe Katharina, das Buch habe ich sogar zuhause und wartet darauf, von mir gelesen zu werden. Dann werde ich es jetzt vorziehen, danke!! Und das E im Whisky habe ich gelöscht, wie peinlich /o\

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