Pokémon-Fieber

Mein Sohn steht vor mir. «Ich habe scharfe Krallen (hier wahlweise beliebige Kraft einsetzen) und Du musst mich jetzt Snobilikat (hier wahlweise einen anderen Namen einsetzen) nennen. Wirf die Pokémon-Kugel auf mich!»

Es faucht und wetzt die Krallen, brüllt, haut, piekst bei uns zuhause. So geht es hier seit Wochen und ich verstehe immer nur Bahnhof. Pokémon ist aktuell mein Endgegner, ich kann damit nichts anfangen. Millionen Pokémon-Karten flattern überall im Haus herum und laden dazu ein, darauf auszurutschen.


Copperfield streckt mir eine Karte entgegen. «H-a-a-a!!», sagt er theatralisch. «Das ist meine Zaaaubbbeeeerkaaaarte. Was steht da drauf, Mami?»

Ich lese: «Du bist Primarene. Du hast eine Säuselstimme als Kraft und kannst eine äh Schaumserenade singen.»

«Was ist eine Säuselstimme?», röchelt mir Primarene mein Sohn Darth-Vader-gleich entgegen.

«Da-a-s Ge-e-e-genteil», säusle ich im Singsang.

Copperfield stutzt und versucht nun seinerseits zu säuseln. Mittendrin hält er inne und sagt dezidiert: «Das ist eine Mädchenkarte, die geht nicht». Dreht sich um und stolziert lässig davon.

Ich erziehe meine Kinder so gut wie möglich genderneutral. Beide dürfen und müssen alles, es gibt bei uns kein «Nur für Mädchen» oder «Nur für Jungs». Aber dieser entrüstete Gesichtsausdruck meines Sohnes, diese Situationskomik wird mir noch lange fröhlich im Nacken sitzen und Cha-Cha-Cha mit meinem Hirn tanzen. Und nein, das soll hier bitte keine Rosa-Hellblau-Debatte werden. Es war einfach nur witzig und ist eine Momentaufnahme, mehr nicht.

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