Billard, my love

Ich bin 42. Ü40-Partys sind plötzlich nicht mehr etwas für alte Knacker – sondern für mich. Wobei ich ja nicht mal an diese Tanz-Partys gehe, denn ich bin viel zu müde von meinem Alltag. Ganz ehrlich: Abends will ich einfach meine Ruhe.

Fuck, wann bin ich bloss so alt geworden?!

Vor kurzem waren wir an einem Samstagnachmittag Babysitter sei Dank mit Freunden unterwegs. Billard wurde als Programm gewünscht. Billard. Ich bin da nicht unbefangen.

Als Teenager und junge Frau (wie alt das klingt!) habe ich in Richtung Profi-Billard geliebäugelt. Ich spielte in einem Club, und da ich eine Schülerin mit guten Noten war, hatten meine Eltern (fast) nichts dagegen, dass ich beinahe jeden Abend mit dem Mofa ins Billard-Center düste, wo ich zwei, drei Stunden am Tag trainierte.

Drei Beziehungen (nicht gleichzeitig!) resultierten aus meiner Billard-Zeit. Es war eine schöne Zeit. Ich spielte an Turnieren, habe heute ein paar Pokale irgendwo im Keller verstaut. Und meine zwei Billard-Queues. Es war die Zeit der grossen Emotionen. Ich hatte es echt drauf.

Aber die letzte Billard-Beziehung ging hässlich auseinander, es gab Fronten im Club. Ich ging an die Universität und hatte sowieso keine Zeit mehr, jeden Abend zu trainieren. Die Augen wurden schlechter, ich brauchte eine Brille, das störte beim Zielen. Ach, der Ausreden gab es zu genüge. Man verändert sich mit den Jahren.

Irgendwie bin ich plötzlich 42, hole meine teuren, staubigen Queues aus dem Keller und spiele an einem Samstagnachmittag glücklich und ohne Reue Poolbillard mit Freunden. Es ist gut so, wie es ist. Ich kann es noch, irgendwie.


PS Danach ging es in einen Laserpark, wo wir uns 15 Minuten lang in einem riesigen Labyrinth neonbeleuchtet gegenseitig unter viel Gekreische abschossen, bis wir alle komplett verschwitzt waren. Ich korrigiere: Bin doch noch nicht so alt wie auf dem Papier.

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