Hätte, hätte, Fahrradkette

Seit heute haben wir Ferien. Wir wären jetzt schon seit ein paar Stunden im Auto unterwegs, Ziel: Südfrankreich. Meine Mama wäre dabei, die Gästezimmer für uns vorzubereiten. Sie würde sich überlegen, was sie für uns kochen soll, wenn wir müde, aber glücklich gegen Abend bei ihr ankommen würden. Mein Vater wäre auf der Jagd.

Ich würde jetzt auf dem Beifahrersitz träumen. Ich würde mich über die Fahrt auf der zerklüfteten Autobahn in den Bergen um Grenoble freuen. Nach Lyon ändert sich die Architektur der Städte und Dörfer. Die Landschaft wird flacher, die Häuser leuchten in Terrakotta-Tönen. Nach Montélimar merkt man auch im Auto langsam die Tramontane, den Fallwind des französischen Mittelmeeres, der gerne quer über die Autobahn weht. Ich würde alles bewusst wahrnehmen und mich daran erfreuen, weil es mich Stück für Stück meinen Eltern näherbringt. Wir würden im Auto Sandwiches essen und Schokolade knabbern. Die Kinder würden DVDs schauen, mein Mann entspannt Auto fahren. Vorfreude läge greifbar in der Luft.

Der Konjunktiv ist der Osterferien ihr Tod

Das alles wäre so, wenn… Ja wenn das Wörtchen Wenn Corona nicht wär’.

Aber es ist müssig, mir darüber Gedanken zu machen, was ich nun alles NICHT habe. Ich kann es nicht ändern. Ich kann mich von der beschissenen Situation runterziehen lassen – und das tue ich wie ihr alle bestimmt 12-mal am Tag, das könnt ihr mir glauben! – oder ich kann mich 13-mal am Tag selber aus dem Sumpf rausziehen.

Das Schlimmste am Lockdown finde ich ja mittlerweile, dass jeder Tag wie der andere ist. Es gibt kein Wochenende, kein Arbeitstag. Alle Abende sind gleich, alle Vormittage, alle Nachmittage. ALLES Ist gleich. Das macht mich total mürbe. Es gibt keine Perspektiven. Ich hangle mich im TV-Programm von «Die Welpen kommen» (Sonntag) zu «Outlander» und «Grey’s Anatomy» (Montag) zu «The masked Singer» (eigentlich am Dienstag, fiel aber wegen Corona aus!!) zu «Let’s dance» (Freitag). So weiss ich noch, welcher Wochentag ist. It’s pathetic, isn’t it?

Diesmal an Ostern kein Meer für uns – Photo by Mattia Ascenzo on Unsplash

Aber mein Mann und ich, wir haben jetzt Ferien, wir müssen für eine Woche nicht mehr das Homeoffice mit jonglieren. Also erfinden wir uns neu. Wir entschlacken unser Haus, misten den Keller komplett aus. Hängen faul rum, sofern die Kinder (oder die Ehefrau, gell Schatz?) das zulassen. Wir machen wilde Spielenachmittage mit den Kindern und das Haus Welpen-sicher. Wir werden an Ostern zu viert feiern und sind einfach dankbar für das, was wir haben.

Aber wem mache ich was vor: Es ist einfach deprimierend. Muss ich mich also zum 14-mal selbst aus dem täglichen Sumpf ziehen.

Alles. Wird. Gut.

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