Das Leben ist ein Puzzle

Unsere bald Dreijährige entwickelt sich zum Puzzle-Fan, was wir mit wachsendem Stolz beobachten. Auf der Verpackung steht schliesslich «ab 5 Jahren»! Und endlich kann sich LadyGaga eine Weile selbst beschäftigen. In der Zeit kann ich ein Buch lesen, entspannen. Nun gut, die Realität sieht anders aus: Ich putze die Küche, das Bad, den Boden… Oder ich wasche. Aber manchmal kann ich doch eine Viertelstunde lesen. Und die zählt vierfach!

Als ich LadyGaga jüngst in der Migros ein neues 54-teiliges Mini-Puzzle gekauft hatte, wollte sie es unbedingt schon im Auto auspacken. Damit Ruhe im Karton war, drückte ich es ihr in die Hand. Und es war tatsächlich Ruhe. Zuhause wollte sie natürlich, dass ich ihr sofort beim Zusammensetzen half, aber ich musste kochen. So spielte sie zufrieden alleine. Mittagessen war vorbei, LadyGaga machte Mittagsschlaf und ich auch. Gegen Abend sagte ich: «Also komm, ich mache jetzt das neue Puzzle mit Dir.» LadyGaga strahlte. Ich stutzte. Das konnten unmöglich alle Puzzleteile da auf dem Boden sein. «LadyGaga, hast Du die Puzzleteile verstreut?!», fragte ich streng. Sie blickte mich mit grossen, erstaunten Augen an. «Nei, ich han nüd gmacht!»

Puzzle
Chaos im Kopf? Ich mag ja Puzzles… – Photo by Hans-Peter Gauster on Unsplash

Das konnte doch einfach nicht sein! Wir suchten alles ab. Puppenhaus, Bücher, Kinderküche…. Die Puzzleteile blieben verschollen Wobei LadyGaga eifrig mitsuchte, sie hatte wirklich keine Ahnung, wo die Puzzleteile waren. Die mussten abgehauen sein, ehrlich! Ich gab auf.

Am nächsten Morgen wollte ich einkaufen gehen. Auf dem Weg zum Auto (und wir leben zurzeit auf einer Baustelle, das Auto war 300 Meter weg parkiert) jauchzte die Kleine plötzlich auf: «Lueg emol, Mami!» Mit gestrecktem Zeigefinger zeigte sie auf den lehmigen, unebenen Boden. Und da sah ich es. Ein hellblaues Puzzleteil. Das konnte doch nicht wahr sein. Aber es war wahr. In gebückter Haltung graste ich grummelnd die gesamte Baustelle ab und fand die fehlenden Puzzleteile. LadyGaga war total erstaunt und freudig überrascht bei jedem neuen Teil, das wir entdeckten – dabei musste sie es gewesen sein, die die Puzzleteile am Vortag in alle Windrichtungen verstreut hatte.

Und plötzlich konnte ich ihre Gefühle nachempfinden: Genauso erstaunt war ich nämlich gewesen, als ich mir mein iPhone gekauft hatte und zum ersten Mal mein Handy ohne Bedienungsanleitung, sondern intuitiv begriff. Genauso kindlich begeistert sagte ich damals zu meinem Mann «Lueg emol, so cool, das funktioniert!» Nur hatte ich das iPhone nicht vorher auf die Baustelle geworfen.

Eine weitere LadyGaga-Kleinkind-Anekdote findet ihr zum Beispiel hier.

Artikel aktualisiert am 5.2.2020

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