Ab nach Schottland Teil II: Culloden Moor

Samstagmorgen – keine Zeit zum Ausschlafen. Nach einem Frühstück ohne Haggis machten wir uns mit dem Mietauto von Inverness aus auf den Weg zum 20 Minuten entfernten Culloden Moor, was Outlander-Fans und historisch Interessierten ein Begriff ist.

Geschichtlicher Hintergrund

Die Schlacht von Culloden vom 16. April 1746 bedeutete die Niederlage der Schotten gegen die Engländer und das Ende der alten Gesellschaftsordnung (Clans). Die Schlacht war ein Fiasko für die Schotten unter der Ägide von Bonnie Prince Charles, der als Stuart und rechtmässiger Erbe der schottischen Krone zwar auf den englischen Thron wollte, dem es aber an persönlicher Grösse und Gespür sowie an finanzieller Unterstützung von Frankreich fehlte. Schlecht beraten, lieferte er die schottischen Highlander, die bekannt waren für ihre Sturmläufe, auf dem Schlachtfeld von Culloden Moor in einem Blutbad den Feinden und ihren Kanonen aus.

In Outlander ist Culloden der Grund dafür, dass der Highlander Jamie Fraser seine geliebte Frau und Zeitreisende Claire zurück ins 20. Jahrhundert schickt, um selber vermeintlich auf dem Schlachtfeld zu sterben (tut er aber nicht, sonst gäbe es ja keine 10 Bücher!). Die ganze Geschichte um die Schlacht ist aber zentral in Band 1 und 2 und bildgewaltig in Staffel 1 und 2 der TV-Serie inszeniert. Dieses faszinierende Stück schottischer Geschichte (und Identität!) wollte ich unbedingt selber erleben. Den Clan der Frasers gibt es übrigens heute noch, die Durchmischung von Fiktion (Jamie) und gelebter Geschichte (Fraser) macht den Reiz aus, warum Outlander mir so unter die Haut geht.

Culloden Moor

Auf dem Moor wurde ein Museum (Culloden Visitor Center, Eintritt 11 £ / Erwachsener) erbaut, das die jakobitischen Aufstände sowie auch die englische Perspektive auf die Kriegsereignisse beleuchtet. Es werden Fundstücke vom Schlachtfeld gezeigt (viele Pistolenkugeln, Münzen etc.), aber auch alte Waffen, Gebrauchsgegenstände und vieles mehr. Es gibt Multimedia-Präsentationen, die einem die Nacht vor der Schlacht, aber auch die Schlacht selbst nahe bringen. Eine Stunde sollte man für den Besuch des Museums einrechnen.

Und dann stehst Du plötzlich draussen in der Natur, auf diesem Feld, diesem ehemaligen Moor. Es ist kalt und nass. Du frierst und bist froh um Deinen Wintermantel und die Wanderschuhe. Es ist still. So still. Totenstill.



Stumm mache ich mich auf den Weg, laufe die Frontlinien ab, die mit farbigen Fahnen markiert sind. Wieder fallen mir die gelben Blumen auf, die in Schottland überall zu sein scheinen.


Erst zuhause recherchiere ich und finde heraus: Es ist Stechginster. Stechginster gilt als eine der 100 weltweit schlimmsten invasiven Pflanzen und wächst vorzugsweise auf trockenen oder sumpfigen Sandböden. War das Moor 1746 auch schon voller Stechpflanzen? Der Kloss in meinem Hals sitzt tief.

Der Wind bläst mir ins Gesicht. Um das Culloden-Mahnmal verteilt stehen die berühmten Clan-Steine verteilt, Erinnerungen an die Clans, die hier ihr Leben gelassen haben. Clan Fraser ist direkt vor dem Mahnmal zu finden. Blumen zieren den Stein.



Aber nicht nur hier, auch bei anderen Clan-Steinen finden sich bereits vertrocknete Blumen, die Besucher vor uns niedergelegt haben. Geschichte, die lebt. Ich habe keine Blumen dabei und bereue.

Der Boden ist grün und hügelig, wir gehen auf einem Massengrab. Das Gras schluckt die Schritte. Wir sind nicht allein.

 

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5 thoughts on “Ab nach Schottland Teil II: Culloden Moor

  1. Ich habe das Culloden Battle Field 1999 zum ersten Mal besucht (übrigens auch im Mai, als die Heide blühte) und fand die Athmosphäre in Anbetracht der historischen Ereignisse sehr bedrückend, aber andererseits auch sehr friedlich.
    Wir hatten nach dem Besuch übrigens den schlimmsten Streit unserer ganzen 6-monatigen Reise über die britischen Inseln.

  2. Welch spannende Reise! Schottland steht neben Irland auch ganz oben auf meiner Reise-Bucketlist. Übrigens wenn Du Whisky magst solltest Du unbedingt das Buch von Auerbach&Keller „Tote trinken keinen Whisky lesen“. Schürt auch sehr die Reiselust. Übrigens ist die ganze Reihe mit Pippa Bolle toll.
    Liebe Grüsse Joanna

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