2 Kinder. 2 völlig unterschiedliche Arten der Sauberkeitserziehung

Ganz ehrlich: Mir geht das Windeln wechseln so was von auf den Senkel. So, jetzt ist es raus. Nix Autonomie des Kindes. Nix Attachment parenting. Ich wollte bei beiden Kindern einfach nur diese Kack(!)-Windeln möglichst bald loswerden. Bei LadyGaga hat das ganz gut geklappt. Schon mit einem Jahr haben wir sie aufs Töpfchen gesetzt, geduldig jede Pfütze in der Wohnung aufgeputzt, ohne aber Druck auszuüben. Mit 23 Monaten gab es ein Schlüsselerlebnis: Wir waren unterwegs, sie hatte Unterwäsche an und ich vergessen, Ersatzkleider mitzunehmen. Das Ergebnis fand sie dann wohl nicht so lustig. Danach war sie trocken.

Copperfield hingegen… Tja Copperfield war ein Fall für sich. Man muss dazu sagen, dass man beim zweiten Kind wie bei vielen anderen Dingen auch einfach keine Zeit und Nerven mehr hat, etwas so Elementares wie Trockenheit zu üben. Das Haus ist so schon ein Chaos, dann auch noch Pfützen aufwischen? Muss echt nicht sein. Ausserdem hat er konsequent jeden Versuch unsererseits (und davon gab es über die Jahre doch einige) stoisch boykottiert. Und irgendwann werden ja alle Kinder trocken, oder?

 

Ich biss also auf die Zähne. 24 Monate vergingen, 36… Im April machten wir Urlaub in der Karibik. Sun, fun – and slip? Ich war mir ganz sicher, dass das mit der Sauberkeit ganz wunderbar funktionieren würde, wenn Copperfield dann mal am Meer in die Badehose machte. Nur – er weigerte sich. Und je mehr ich insistierte, umso mehr verweigerte er die Kooperation. Jaja, haltet mir nur eine Standpauke. Copperfield tat es ja auch: Lieber machte er gar kein Geschäft, als in die Hose oder ins Klo. Damit hatte ich nicht gerechnet, und ich wollte mein Kind ja nicht quälen. Also gab ich auf, wir kauften Windeln in Puerto Rico. «Aber das sind die letzten!», versuchte ich zu pokern. Ohne Erfolg.

Also alles auf Anfang.

Wir kauften Pull-ups. Aber die sahen so super bequem aus! Ich sehe das Problem ja darin, dass die Windeln heute so weich und saugfähig sind, dass es eigentlich gar keinen Grund für die Kinder gibt, trocken zu werden. Es war kein Land in Sicht und die Windel für die nächsten Monate wieder Copperfields treuester Begleiter.

Frustrierte erzählte ich jemandem in meinem Bekanntenkreis davon, dass ich es leid sei, Windeln zu wechseln, da ich an Copperfields Verhalten genau erkenne, dass er seine Verrichtungen steuern kann. Er wäre eigentlich soweit – er WILL einfach nicht! Meine Kollegin meinte: «Hast Du es denn mit dem Belohnprinzip probiert? Also bei jedem erfolgreichen Töpfchengang ein Kleberli auf einem Plakat anbringen?». Ich wollte grade entgegnen, dass das nichts gebracht hatte, da fiel mir auf: Bei Copperfield hatte ich das gar nicht probiert. Sondern bei LadyGaga, und die ist absolut Belohnungs-Kleberli-resistent. Ein Plan wuchs in mir.

Geschwister-Dreamteam

Als erstes holte ich LadyGaga mit ins Boot, so wie damals beim Schnuller-Abschied. Ich erzählte ihr von meinem Plan und wir heckten zusammen aus, wie wir vorgehen würden. So fühlte sie sich involviert und ich wusste, dass sie mir helfen würde, indem sie Copperfield mit Worten motivierte(er hasst es, wenn sie ihn Baby nennt…)

Shopping

Danach erzählte ich Copperfield, dass wir uns jetzt von der Windel verabschieden würden und er dafür ganz viele tolle Sachen von mir als Belohnung kriegen würde. Für jeden erfolgreichen Töpfchengang ein Geschenk (ich war nicht geizig, sondern verzweifelt). Und das Beste: Er durfte sich die Geschenke selber aussuchen. Also flugs in die Migros, wo er enthusiastisch Drachenfiguren und Autos in den Einkaufswagen schmiss. Wenn er 10x ins Töpfchen gemacht hatte, würde er zudem einen Tunnel für seine Eisenbahn erhalten, den er sich sehnlichst wünschte.

Zuhause hängte ich ein Plakat auf, wo er Abziehbilder aufkleben konnte, wenn er erfolgreich ins Töpfchen gemacht hatte. Sofort rannte er auf selbiges, strahlte – und es kam nichts. Er wollte dennoch ein Geschenk. Das gab es dann eben nicht. Das Geschrei war gross, aber der Deal war klar.

Am nächsten Tag klappte es dann. Copperfield rief und strahlte und jubelte. Und wir mit ihm. Was für ein Moment! Ein Milestone! Der erste Töpfchengang ever! Er klebte ein Bild an die Wand und suchte sich einen Drachen aus. Eine Stunde später machte er wieder ins Töpfchen. Wieder ein Bildchen, wieder ein Geschenk! Nach einigen Tagen machte er auch das grosse Geschäft ins Klo. Welch Freude, welch Jubel! Sowohl bei ihm als auch bei mir.

Die Kehrseite

Nun gut. Er konnte jetzt aufs Töpfchen gehen. Aber möglicherweise war der Incentive, also die Karotte vor der Nase, doch zu attraktiv. Anders kann ich mir nicht erklären, warum er plötzlich 10x am Tag ins Töpfchen kackte. Es war auch nicht so toll, als er in einem unbemerkten Moment den Inhalt des – sehr – vollen Töpfchens nur mässig erfolgreich selber ins grosse Klo schüttete. Aber hey, was will ich mich beschweren. It worked!

2 Gedanken zu „2 Kinder. 2 völlig unterschiedliche Arten der Sauberkeitserziehung

  1. Hallo,

    ich habe 3 Kinder (11 Jahre, 6 Jahre und fast 5 Jahre alt). Bei meiner großen Tochter habe ich auch noch geübt, sie belohnt, sie mit Spielzeug bestochen und was man sonst noch so aus lauter Verzweiflung versucht. Aber nichts hatte geholfen. Sie lief mit fast 4 Jahren noch mit Schnuller und Windel durchs Haus. Irgendwann klingelten die älteren Nachbarkinder und wollten mir ihr spielen. Dann zog sie sich selber die Windel aus, schmiss den Schnuller in den Mülleimer und meinte, dass sie jetzt auch so groß ist, wie die Nachbarkinder. Seitdem hatte sie nie wieder einen Schnuller im Mund oder eine Windel an.
    Mit den anderen beiden war es ähnlich. Sie hatten alle ihren Schnuller und ihre Windel in den Müll geschmissen wann sie das wollten und nicht, wann Mama das wollte.

    Liebe Grüße
    Tabea (AnMoMi Blog)

  2. Nachdem wäherend einem ganzen Jahr (!) keine geduldigen, pädagogischen, listigen, motivierenden, empfohlenen (Liste unvollständig) Schritte das Kind bewegten, auf Töpfchen oder Klo zu gehen habe ich ihm, als er 3,5 jährig war mitten im Sommer einen Playmobiladventskalender neben dem WC aufgehängt. Was ist passiert? Hat 24x aufs Klo gek***kt und danach war wieder Schluss. Wir haben beschlossen nichts mehr zu tun und dem Thema 0 Beachtung zu schenken. Eines Morgens ist er aufgewacht und hat NIE mehr eine Windel angezogen. Und kein einziges Mal ist etwas daneben gegangen.
    Zweites Kind geht stolz auf den 4ten Geburtstag zu – 24h Windeln an. Unsere Geduld ist arg strapaziert 😆 (sehr arg! Aber nicht noch zusätzlich mit Training und Dauerthema…)

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