Diagnose Schilddrüsenunterfunktion

Wir haben einen Horrortag hinter uns. Um 11 Uhr erhalte ich einen Telefonanruf von unserer Kinderarztgruppenpraxis. Copperfields Schilddrüsen-Screening ist auffällig gewesen, Junior muss sofort therapiert werden. Ich bin irritiert, verstehe nicht, was der Arzt meint. Frage nach. Frage nochmals nach (und ich bin aus beruflichen Gründen medizinisch sehr bewandert!). Der Arzt ist mir unbekannt und ich fühle mich wie vor den Kopf geschlagen. Copperfield muss sofort in die Praxis und ihm venöses Blut entnommen, Medikamente gegeben werden. Wie, was, mein Sohn? Ich frage nochmals nach, was denn passiert, wenn wir nicht therapieren. Antwort: «Ihr Kind wird sonst geistig behindert.» Bääm.

Hysterisch rufe ich meinen Mann an, er kommt so schnell wie möglich nachhause, wir gehen in die Arztpraxis. Ich reisse mich zusammen, für das Kind. Auch mir wird Blut abgenommen, und ich denke an meine Stillprobleme und wie ich nach meinem Still-Post verschiedene Kommentare/Ratschläge gekriegt habe, meine Schilddrüsenwerte abklären zu lassen. Ich bin wie in Trance. Der Arzt meint, das Kind sei in der Tat auffällig, beinahe phlegmatisch. Und ich denke: «Du Arsch, das ist mein Sohn!» Aber ich bleibe stumm. Dann habe ich Fragen. Viele Fragen, denn ich habe nach dem Telefonat Dr. Google konsultiert, und was ich gelesen habe, gefällt mir gar nicht. Auf jede meiner Fragen antwortet der Kinderarzt mit «xyz, okayyyyyy?» Er strahlt mich jedes Mal an und ich habe das Bedürfnis, ihm in die Fresse zu hauen. Wie kann er fröhlich lächeln und mir so eine Diagnose um die Ohren hauen bzw. eben schweigen und allen konkreten Antworten ausweichen?

Wir gehen aus der Praxis und wissen nun, dass unser Kind (schwer?)krank ist, dass eine Spezialistin aus Basel sich bei uns melden wird und das Kinderspital Aarau einen Termin für einen Schall der Schilddrüse ausmachen wird. Und dass ich vermutlich auch krank bin. Und dass Copperfield SOFORT Euthyrox einnehmen muss. Eine Tablette, die zermahlen wird und laut Arzt mit Muttermilch («Ich! Habe! Keine! Muttermilch!!!») vermischt gegeben wird, laut Apothekerin aber mit Wasser und Muttermilch («Ich! Habe! Keine! Muttermilch!!! Nix! Nada! SENSE!!!!»). Naja, eigentlich weiss sie ja nicht einmal, wie wir dem Kind die Tablette verabreichen sollen: «Probieren Sie halt einfach verschiedenes aus.» Bääm.

Ich rufe verzweifelt meine Hebamme an. Die meint, ich solle sofort im Kinderspital Zürich anrufen und einen Termin ausmachen, um eine kompetente Beratung und Information zu erhalten. «Du bist ein Kopfmensch, wenn Du nicht sofort Antworten erhältst, drehst Du doch durch!»

Also rufe ich in Zürich an, nachdem Copperfield die Hälfte der zermörserten, mit Wasser angemischten Tablette wieder ausgespuckt hat. Und endlich, ENDLICH habe ich eine Ärztin, eine Spezialistin am Telefon, die mich versteht. Und mich beruhigen kann, dass alles nicht ganz so schlimm ist. Sie meint, die Werte sind zwar erhöht, aber nicht besorgniserregend, Copperfield muss aber sicher das erste Jahr hindurch medizinisch speziell behandelt werden und Hormone einnehmen. Er wird aber keine Schäden davontragen. Die Tablette wird nicht angerührt, sondern direkt als Pulver auf einem Metalllöffel verabreicht, ich habe nun nochmals eine halbe Tablette nachgereicht, da Copperfield die Hälfte ausgespuckt hat. Die Ärztin aus Zürich ruft mich morgen nochmals an, um die heutigen Werte zu besprechen. Endlich jemand, der sich kümmert und unsere Ängste als Eltern nicht ignoriert, sondern darauf eingeht.

Ich bin aufgewühlt. Mehr kann ich dazu momentan nicht sagen.

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16 thoughts on “Diagnose Schilddrüsenunterfunktion

  1. Na da wäre ich aber auch ordentlich durch den Wind ((( )))
    Da scheint er an einer Unterfunktion zu leiden. Ich soll meine Schilddrüsentablette immer eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit Wasser nehmen. Vorher mind. 4h nix essen. Am Tag von Kontrolluntetsuchungen aber Tablette später nehmen.
    Was ist mit Jod? Das soll ich auch extra zuführen – vielleicht mal nachhaken?
    Und lass deine Werte jetzt auch fix testen, ja?
    Ich drück Euch die Daumen, dass es mehr Panikmache als tatsächliche Erkrankung war!
    ToiToiToi!

  2. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schlimm das ist, wenn das eigene Kind nicht gesund ist. Das ist ein besch******* Gefühl, aber ich möchte dich ein bisschen beruhigen.
    Der Sohn einer Freundin wurde ganz ohne Schilddrüse geboren und er entwickelt sich ganz normal. Wichtig ist, das die Unterfunktion erkannt wurde und jetzt behandelt wird.

    Was die Medikamente angeht, unsere Tochter musste einige Medikamente einnehmen, darunter auch Tabletten, die haben wir aufgelöst mit einer Spritze in den Mund gegeben. Im Krankenhaus wurden die Medikamente z.T. mit etwas Glukose aufgelöst. Ich weiß nicht, ob das auch mit den Schilddrüsenmedikamenten geht, aber das könnte vielleicht ein Weg sein, damit die Medikamente nicht wieder ausgespuckt werden.

    Alles Gute!

  3. ((( )))
    Ich habe keine Ahnung von sowas, wünsche dir aber ganz viel Kraft und dass alles wirklich nur halb so wild ist.
    Wie gut, dass es erkannt wurde!
    Alles Gute für euch!!

  4. Leider hat es mein Kommentar gestern nicht zu dir geschafft. Auch, wenn sich nun andeutet, dass alles gut wird, der Schreck und die Angst, um beides beneide ich dich nicht. Ich wünsche euch ganz viel Kraft und dass bei euch ganz bald wieder die Ruhe und die Entspannung einkehrt, von der man bei dir schon gelesen hat. Alles Gute und starke Nerven. Ganz viele liebe Grüße, Tina

  5. Oh weh!
    Und wieder verpfuschen menschlich inkompetente Menschen völlig die Situation!
    Kann man nicht sagen: "Machen Sie sich keine Sorgen, Ihr Sohn hat erhöhte Schilddrüsenwerte, wir überprüfen das. Und wenn sie Fragen haben, versuchen wir die in Ruhe zu besprechen."?
    Wenigstens hast Du doch noch kompetente Berater gefunden!!
    Ganz ganz liebe Grüße
    Suse

  6. Danke vielmals! Mit der Spritze im Mund hat nicht geklappt, er hat die Hälfte wieder ausgespuckt. Wir zerbröseln die Tablette jetzt und mischen das Pulver mit einem Tropfen Milch an, so dass es eine Masse gibt. Aber der kleine Dickkopf schiebt es immer wieder aus dem Mund 😉 Wir üben noch, aber es klappt schon ganz gut.

  7. Hi,

    ich hoffe, Copperfield geht es bereits besser und er nimmt fleißig seine Medikamente. Ich möchte mit diesem Post nur noch mal ein bisschen Mut machen.
    Bei mir wurde mit Anfang 20 eine massive Schilddrüsenüberfunktion entdeckt. Da ich nach 2 Jahren fälschlicher Weise als „geheilt“ abgestempelt wurde, hat mich danach die Einnahme eines Algenpräparats (Jod) – soll ja gesund sein – fast ins Koma befördert, ich erlitt eine Thyreotoxische Krise. Danach wurde mir in einem Kölner Krankenhaus die Schilddrüse mit radioaktivem Jod verstrahlt.
    Seitdem lebe ich ohne Schilddrüse bzw. sie hat keine Funktion mehr und ich nehme täglich L`thyroxin. Mir geht es damit sehr gut und ich kann nur von Glück reden, dass mir das alles vor meiner Schwangerschaft passiert ist! Wichtig ist, dass die Werte von deinem Kleinen regelmäßig von einem guten Endokrinologen überwacht werden. Bei der Schilddrüse kann man NUR auf Spezialisten vertrauen, bei diesem Thema kursiert einfach viel zu viel Halbwissen. Meine Ärzte haben mir immer gesagt, dass es dem Körper egal ist, wie er das Schilddrüsenhormon bekommt, Hauptsache er bekommt sie! Klar ich war kein Baby und kann nicht sagen, worauf man dabei genau achten muss, aber ich glaube, dass man eine Unterfunktion gut behandeln kann. Ich kenne mittlerweile einige, die mit einer Unterfunktion gut leben, solange sie gut eingestellt sind.

    Frag bitte deinen Arzt nochmal, ob die Einnahme in Milch sinnvoll ist. Mir wurde immer gesagt, dass Milch bzw. Essen generell die Aufnahme des Medikaments hemmt.

    Toi toi toi und alles Gute!
    Lulu

    P.S. Falls du noch Fragen hast immer zu!

  8. Liebe Lulu, vielen lieben Dank für Deinen Input – soo lieb <3 ! Da hast Du ja echt eine Schilddrüsen-"Karriere" hinter Dir oO. Zum Glück ist alles nochmals gutgegangen!

    Ich werde Deinen Rat beherzigen und mich nur auf meinen Instinkt und die Endokrinologin verlassen – der Kinderarzt hat nämlich auch schon wieder komisches Zeugs erzählt, aber ich habe das jetzt mal einfach ausgeklammert und höre nur auf die Spezialistin an der Klinik.
    Das mit der Einnahme mit der Milch geht wohl einfach nicht anders. Es gibt das Medikament nur als Tablette, das muss ich dann zermörsern. Damit das Baby es irgendwie schlucken kann, muss es verflüssigt werden – also in Milch. Ich glaube aber, die Tablette ist höher dosiert, damit er sicher genug aufnimmt? Ich werde das nächste Mal nachfragen, Danke für den Hinweis!

    LG
    MamaOTR

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