Leben mit einer Fehlgeburt

Frühstück am Montagmorgen. LadyGaga fragt unvermittelt:

„Mami, weisst Du noch, als Du Dein Baby verloren hast und wir Dich im Spital besucht haben?“ Ja, ich weiss es noch. 😞
— Mama on the rocks (@MamaOTR) 11. August 2014

2012 war ich zweimal schwanger und habe beide Babys verloren. Das erste im März. Ich war in der 6. oder 7. Woche und hatte gerade erst festgestellt, dass ich schwanger war. Ich hatte eine höllische, eitrige Stirnhöhlenentzündung und musste aufgrund der frühen Schwangerschaft zur Sicherheit deswegen hospitalisiert werden. Ich verlor den Fötus eine Woche darauf. Ich hatte mich aber noch gar nicht über die Schwangerschaft freuen können, da meine mörderischen Kopfschmerzen alle Aufmerksamkeit verlangten. Es war OK so, wie es war.

Bereits im Juni 2012 wurde ich wieder schwanger. Die Freude war riesig, wir erzählten es gleich der Familie. Der erste Besuch beim Frauenarzt – alles wunderbar. Wir begannen zu planen. Ich bin überzeugt, dass es ein Mädchen war. Sie hatte bereits einen Namen. Am Ende des dritten Monats dann der nächste Kontrolltermin beim Arzt. Ich lag auf dem Stuhl und plauderte fröhlich. Viel zu spät realisierte ich, dass der Arzt viel zu lange brauchte mit dem Ultraschall. Und auch ganz still war. Er suchte etwas. «Frau X, ich…. Es tut mir leid, aber ich kann keinen Herzschlag mehr erkennen.»

Um mich herum drehte sich alles. Tränen liefen mir die Wangen hinab, doch ich blieb stumm. Der Arzt sprach von Operation und Ausschabung, dass es zu gefährlich wäre, den abgestorbenen Fötus im Uterus zu belassen. MEIN BABY! Wie in Trance machte ich einen Termin ab. Mein Arzt tröstete mich, die MPA tröstete mich. Ich stieg ins Auto und fuhr mit einem Tränenfilm vor den Augen nachhause. Wo ich einen Totalzusammenbruch hatte.

©Malgorzata Kistryn - Fotolia.com
©Malgorzata Kistryn – Fotolia.com

Es ging alles ganz schnell, die Ausschabung erfolgte am 18. August 2012. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits 24 Stunden durchgeheult. LadyGaga war bei meinem Bruder und seiner Familie untergebracht. Sie besuchten mich auf meinen Wunsch nach der OP, wobei meine Tochter damals nicht wusste, weshalb ich in der Klinik war. Ich habe ihr das erst nach Copperfields Geburt erzählt. Sie hatte Angst, als sie das Zimmer betrat. Ich lag blass und sichtlich verheult im Bett, mit einer Infusion im Arm. Das gefiel ihr nicht. Nach einer Viertelstunde waren sie wieder weg und ich konnte weiter heulen. Mein Mann blieb die ganze Zeit bei mir. Aber es war wichtig für mich, meine Tochter zu sehen.

Gab es einen Grund?

Ich wollte unbedingt wissen, WARUM ich mein Baby verloren hatte. War es meine Schuld? Eine Woche vor dem Arzttermin war ich alleine in einem Wellnessbad gewesen, um es mir «gut gehen zu lassen». Ich war im Whirlpool. Ich hatte eine (leichte!) Rückenmassage. Was das der Auslöser? Das quält mich noch heute. Der Arzt meinte, ich könne nichts dafür, manche Babys bleiben einfach nicht, ohne unser Zutun. Noch auf der Intensivstation nach dem Aufwachen aus der Narkose sagte er mir, manchmal hätte der liebe Gott einfach einen anderen Plan, und es wäre vielleicht besser für uns, dass die Natur für uns entschieden hat. Das Baby wäre sonst vermutlich behindert gewesen. Das hat mit sehr geholfen, es zu akzeptieren.

Letzte Woche war ich wieder in diesem Wellnessbad. Und die Trauer und die Beklommenheit legten sich auf mich wie ein kalter Regenguss. Ob dieses Gefühl je vorbei gehen wird?

Fehlgeburt – Ein Einzelfall?

Bevor ich selbst diese Fehlgeburten hatte, wusste ich nicht, dass eine von drei Schwangerschaften bereits vor dem vierten Monat natürlich endet. Ich kannte keine aus dem Bekanntenkreis, die das erlebt hatte. Da ich aber immer offen darüber gesprochen habe (weil mir das gut tut), kriege ich viel Feedback und realisiere, wie viele Frauen ich tatsächlich kenne, die dasselbe (natürlich in anders) erlebt haben. Warum sprechen sie nicht darüber? Tut es nur mir gut, darüber zu sprechen? Bin ich zu emotional, sollte man es einfach als «Unfall» abtun?

Ich durfte mein Baby 12 Wochen lang in mir haben. Ich weiss, es gibt Mütter, die verlieren ihre Babys noch im neunten Monat, oder nach der Geburt. Es gibt sicher schlimmere Fälle als meinen und ich will nicht jammern. Aber auch meine Trauer braucht ihren Platz. Die Lücke ist da. Die Trauer geht nicht weg. Ich werde dieses Baby nie kennenlernen.

Die Frage nach dem dritten Kind

Ich spreche meinen Mann oft darauf an, ob wir noch ein drittes Kind wollen. Einfach, weil es so merkwürdig ist, so endgültig zu wissen: Da kommt keines mehr nach Copperfield. Nie mehr werde ich X und Y und Z machen. Es ist das letzte Mal. Konkret kann ich mir aber nicht vorstellen, noch ein drittes Kind zu haben und ich denke, wir sind komplett.

Gestern dann der Gedanke in meinem Kopf: Vielleicht denkst Du ja nur so intensiv über ein drittes Kind nach, weil – eigentlich Dein drittes Kind Dein Sternchen ist. Das Baby, das einfach fehlt. Die Lücke, die ich unbewusst füllen möchte, füllen muss.

Zwei Jahre. Und der Schmerz ist nicht weg. Kennt ihr das auch? Dann sprecht darüber, denn jede Trauer braucht ihren Platz! Und vielleicht helft ihr damit jemand anderem, der das Gleiche erlebt hat oder gerade erlebt.


Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

30 Gedanken zu „Leben mit einer Fehlgeburt

  1. Liebe MamaOTR,
    ich kenne das.
    Januar 2009 verlor ich unser Baby in der 7ten Woche. Februar 2009 wurde ich wieder schwanger, und heute sitzt meine Tochter bald fünfjährig auf dem Boden und ihr kleiner Bruder (10 Monate alt) krabbelt um sie herum. Alles perfekt, denkt man. Trotzdem vergesse ich das Sternchen nicht, wenn ich es auch nur wenige Wochen in mir tragen durfte.
    Meine Mutter verlor damals meinen kleinen Bruder im neunten Monat, musste ihn still gebären. Ein Alptraum, und dagegen erscheint meine Trauer verschwindend gering. Trotzdem ist es, wie du sagst: Jede Trauer verdient ihren Platz, so auch meine neben der meiner Mutter, neben deiner, neben der Trauer all der Frauen, die schon einmal ein Wesen gehen lassen mussten. In welcher Woche oder welchem Monat auch immer.

    Liebe Grüße,
    Rebecca

  2. Ein sehr einfühlsamer, mit-füh-samer und emotionaler Bericht, der mich sehr angerührt hat. Ich selbst hatte Gott sei Dank keine Fehlgeburt, aber als Zweifachmutter kenne ich noch die ständige Sorge, die man sich in der Schwangerschaft macht, es könnte was passieren. Es ist gut, dass du deinem Schmerz und deiner Trauer auch hier einen Platz gegeben hast, ich finde, dass macht euer Sternenkind noch ein bisschen realer, weil es nicht nur in Gedanken existiert. Danke, dass du so offen darüber geschrieben hast!
    Liebe Grüße
    Christine

  3. Liebe Séverine,
    ein sehr emotionaler Post. Schön, dass Du dadurch ein bisschen das Schweigen brichst.
    Mein Sternchen-Tag ist der 13.03.2008.
    Wir warteten so lange auf die Schwangerschaft. Aber an dem Tag an dem ich meinen Mutterpass bekommen sollte, verlor ich es und es fühlte sich an, als würde ich einen Teil von mir verlieren.
    Heute habe ich 2 gesunde Jungs und einen leuchtenden Stern am Himmel und in meinem Herzen.
    Aber wie Du schon sagtest, die Leute können einen nicht verstehen, wenn man das ersehnte Wunschkind noch im ersten Drittel verliert. Ich denke heute auch, dass eine Totgeburt oder ein späterer Verlust um einiges schlimmer ist an Schmerz. Aber zu dem damaligen Zeitpunkt war das kein Trost. Ich hatte einen Teil von mir verloren und genau so fühlte es sich an.
    Ganz viel Kraft an alle Sterneneltern da draußen, egal wie und warum. Wir alle haben das Recht zu trauern.
    Sei ganz lieb gedrückt aus der Ferne liebe Séverine!
    Tanja

  4. Ja, ich habe auch eine Geschichte dazu. Falk, geboren am 31.01.1970. Mein Zwilligsbruder. "Ihr Kind ist tot!", dann haben sie ihn weggetragen und meine Mutter allein gelassen. Bald brachte sie unter Wehen mich zur Welt, von der Zwillingsschwangerschaft hatte vorher niemand gewusst. Er fehlte mir mein ganzes Leben, auch wenn ich erst mit Mitte Zwanzig davon erfahren hatte.
    Marie Elisabeth, mein Erstes…geboren am 28.03.1992 in der 28. SSW nach Rötelnintoxikation. Auch damals wurde einem das Kind nicht gezeigt, ich durfte sie nicht beerdigen. Nach 28 Stunden Wehen haben sie sie einfach weggebracht. Sie ist in all den Jahren in meinen Gedanken mitgewachsen. Ich konnte sie in meinen Träumen sehen, in dem Alter, dass sie im jeweiligen Jahr gehabt hätte. Langsam wird es besser, ich habe losgelassen und getrauert und mir selbst verziehen (das war das Schwerste). Es gab danach noch zwei Frühaborte, aber gemessen an Marie haben diese Kinder leider nie den ihnen gebührenden Status als "meine Kinder" haben dürfen. Ich hatte keinen Platz für noch mehr Trauer. Und nach so vielen Jahren ist auch mein Trauerplatz ein ganz heimlicher, privater geworden. Es gibt kaum Verständnis von außen, sondern: "Nu isses mal gut! Du hast ja noch zwei gesunde Kinder bekommen.". Die Zeit heilt vielleicht alle Wunden, aber sehr langsam. Ich drücke Deine Hände, liebe Séverine.

  5. Liebe MamaOTR,

    Ich kenne dies auch ��. 1992 mit gerade 20 fast 21 hätte ich mein erstes Kind bekommen, ich freute mich riesig, obwohl sehr jung. Ich war voller Hoffnung und begann bereits die ersten Häckelarbeiten. Aber in der 6./7. Woche beim 2. Untersuchungstermin konnte mein Arzt den Herzschlag des Babys nicht mehr sehen. Ich bin wie betäubt nach Hause gefahren. Auch ich musste zur Ausschabung, in der Familie wurde ich gut aufgefangen, aber es ging mir wirklich schlecht. Quasi zum 20. Geburtsag musste ich die Ausschabung durchleben. Noch heute gibt es Momente wo ich denke was wenn … Und was war damals nicht richtig bei mir? Auch die Traurigkeit kehrt dann für kurz zurück. Wir mussten 9 Jahre warten bis ich wieder schwanger wurde, 2001 ist dann unsere Große Tochter zur Welt gekommen. Wieder 9 Jahre später die Zwillinge 2010. Noch einmal 9 Jahre wird es nicht geben wir sind nun komplett (glaube ich).
    Ich habe auch viele Jahre später erst erfahren, dass es sehr oft zum vorzeitigen Abbruch kommt und viele Frauen noch nichtmal merken das sie schwanger sind. Genau wie ich auch hörte, dass es gibt Fälle, wo in viel vorgeschrittenen Schwangerschaften zum Tod des Fötus kommt und wie unsagbar schlimm dies für diese Frauen sein muss, kann ich nur erahnen. �� Heute bin ich 3 fache Mutter und denke eher selten an das 4. Kind

    Danke für Deine Beitrag. Er hat mich emotional berührt und auch beim schreiben dieser Zeilen habe ich Tränen vergossen. So offen darüber geschrieben habe ich noch nie und nur der engste Freundeskreis kennt bis jetzt diese Geschichte.

    Von meinen Kindern ist die Große Tochter über die damalige Schwangerschaft informiert. Sie kennt auch meine/unsere Gedanken zu was wenn..

    Liebe Grüße
    Silvia (Saliema)
    Deine neueste Leserin

  6. Fühl Dich gedrückt von mir <3! Ich finde auch. dass das Verständnis der Umwelt für die Gefühle bei einer Fehlgeburt im ersten Trimester sagen wir mal "verbesserungswürdig" ist. Aber es ist, wie es ist ;-). Danke fürs Teilen!

  7. OMG Rike, ich bin so geschockt! oO
    Wie gerne wäre ich jetzt bei Dir in Dresden und wir würden quatschen und heulen und Wein trinken. Hier aus der Ferne: Ich hab Dich furchtbar lieb gewonnen und es tut mir so leid, dass Du das alles erleben musstest. <333

  8. Liebe Silvia, ich fühle mich sehr geehrt, dass Du mich und meine Leser in Deine Geschichte eingeweiht hast, Danke fürs Teilen! Und ich freue mich sehr, dass ich in Dir eine neue Leserin habe. Auch auf Twitter, wie ich grad festgestellt habe 🙂 Ich hoffe, es gefällt Dir hier!

  9. Ich kann Dir sagen, selbst nach neun Jahren vergeht das Gefühl nicht. Vielleicht ist es auch gerade Momentan wieder stärker weil ich so wie es momentan aussieht kein leibliches zweites (mit dem Sternchen) drittes Kind bekommen werde?!? Die Ausnahme des Pflegejungen hat diese Entscheidung wohl einfach mit sich gebracht – automatisiert. …
    Ich würde gerne mehr darüber sprechen aber irgendwie will mein Mann bis heute nicht das seine Eltern davon erfahren….warum auch immer…

    Liebste Grüße
    JesSi

  10. Meine liebe…alles gut! Danke für die warmen Worte, mir geht es gut! Die wenigsten kommen vom Ponyhof, sondern haben Berge in ihrem Leben besteigen müssen und Täler durchqueren. Das ist alles für irgendwas gut. Für die Charakterbildung, die Sicht auf die Welt, das Wertesystem. Menschen, deren Leben eine Einbahnstraße (geteert, ohne Baustelle) ist, erscheinen mir oft flach. Die Furchen und Narben machen doch am Ende die Landkarte eines Menschen. Hab ein wunderschönes Wochenende und küss Deine Kinder! Deinen Mann! Trink wein und genieße das Leben. Bis bald, Du Vertraute.

  11. Ich hab mich aktiv für den Pflegejungen entscheiden und dachte noch das er ja schon fünfzehn sei und man vielleicht danach nochmal schauen könnte. Dann haben sich seine beruflichen Pläne zerschlagen (er wollte zum Bund) und nun rückt alles in weite Ferne. ..ich meine keiner hat mehr für sie Pflegschaft gekämpft wie ich, aber vielleicht wird mir das gerade ja auch erst so wirklich klar…
    Komische Hormone. …ich denke die sind einfach Schuld.

    Mein Mann spricht nie darüber. Selten geht er auf ein solches Gespräch ein. Ich denke alleine an meinen Stern -es war so früh aber ich weiß irgendwie das es ein Junge war, so wie ich es lange vor dem Outing wusste das Mottchen ein Mädchen ist….

    Liebste Grüße und schreib weiterhin so toll!
    JesSi

  12. Meine Frau hat vor gut 12 Monaten unsere Zwillinge bekommen. Bei 25+3. Gerade so überlebensfähig (durch Intensivmedizin). 700 Gramm. 4 Monate täglich Krankenhaus. Sämtliche Komplikationen mitgenommen die es gibt (kranke Lunge, Darm-OP, Herz-nahe-OPs, blasse Sehnerven, Stimmbandlähmung, Hirnblutung Grad III+, Ess-/Schluckstörung, extrem Entwicklungsverzögerung, …). Das schlimmste: infantile Zerebralparese aufgrund der Hirnblutung. Beim einen fraglich, ob er laufen können wird, beim anderen die Frage wie weit er sich überhaupt entwickelt.
    Heute frage ich mich, ob zwei Sterne nicht besser gewesen wären… vielleicht hilft Dir auch diese Sichtweise etwas. In vielen Fällen weiß die Natur offenbar ziemlich genau, was sie da tut (auch wenn es für uns nicht ersichtlich ist). Wenn wir Menschen ständig überall unsere Finger im Spiel haben, muss das nicht immer gut sein…

  13. Der Schmerz wird nie nie vergehen. Aber er verändert sich. So daß man damit leben kann.
    Die Situation, die Du im Wellnesbad erlebt hast, habe ich beim Anblick eines JEDEN Zwillingspärchens. Und werde es mein Leben lang haben.
    Das einzig Gute, was ich aus meinen diesbezüglichen Erfahrungen mitnehmen kann: Leben ist kostbar. Wir haben nur eins. Es ist ein Geschenk, daß wir nicht einfach vergeuden dürfen.
    Mir hilft es auch im Umgang mit schwierigen Situationen und dabei Problemen ihre wirkliche Bedeutung beizumessen.
    Und: Ich bin STARK und schaffe (fast) alles.
    Fühl Dich gedrückt liebe Severine!
    Suse

  14. Oh, Mann. Wenn ich Eure Geschichten lese, dann steigen mir echt die Tränen auf – ich bin gerade in der 14. Woche schwanger und kann mir ein bisschen vorstellen, wie das wäre, wenn plötzlich der Herzschlag weg ist.
    Ihr seid die Stärksten!!!

  15. Egal, wann man ein Kind verliert, es ist hart und traurig und schmerzhaft. Mir geht es genauso, ich muss darüber reden. Und schreiben. Und trauern. Auch wenn sich der Schmerz mit der Zeit verändert. Es geht so vielen Frauen so, und manchmal frage ich mich, wie wir Frauen das alles immer zu tragen schaffen. Alles Liebe!

  16. Hallo,
    danke für deinen Post. Ich habe das Baby verloren, gestern Bescheid bekommen. Anfang der achten Woche. Nachdem mir am WE meine Kollegin und mein Chef mega Stress gemacht haben und ich viel geweint hab und wütend war. Ich kann diese Menschen nicht mehr sehen. Ich glaube, ich würde ausrasten. Jetzt will ich kündigen. Kann mir nicht vorstellen, noch einmal einen Fuß an meinen Arbeitsplatz zu setzen… Ich weiß, dass es unvernünftig ist und dass es ganz andere Gründe haben kann. Aber ich gebe dem Stress mit denen die Schuld. Ansonsten versuche ich, es positiv zu sehen: Wir haben das Baby noch nicht gekannt. Meinem Mann ist nichts passiert. Meine Familie unterstützt mich. Es ist trotzdem so schwer.

  17. Liebe Anne,
    fühl Dich ganz herzlich umarmt von mir. Kann mich noch gut an diesen ersten, tiefen Schmerz erinnern und ich weiß, dass nichts und niemand Dich im Moment trösten kann. Aber gib Dir trotzdem erst mal die Zeit zu trauern und lass Dich vielleicht erst mal krank schreiben, überstürze nichts und entscheide dann was das Beste für Euch ist.
    Es ist so schwer und Du musst sicher nicht sofort eine Entscheidung treffen, dazu bist Du jetzt im Moment gar nicht fähig.
    Ich wünsche Dir alles alles Liebe und ganz viel Kraft und liebe Menschen. Ich denke an Dich!!! <3
    Tanja

  18. Danke. Krankgeschrieben bin ich schon, dann kommen erstmal große Ferien. Die Kündigung müsste zu Ferienbeginn folgen, sonst muss ich nochn halbes Jahr machen. Aber du hast recht – nichts überstürzen. Danke! Man kommt durch, oder?

  19. Liebe Anne, auch ich umarme Dich ganz ganz fest. Dieser Schmerz wird durch nichts aufgewogen und gedämpft. Es tut mir sehr leid! Aber ich gebe Tanja recht: Überstürze nichts, lass Dich von Deinem Umfeld auffangen. Nimm Dir die Zeit zum Trauern und zum Verarbeiten. Irgendwann wird es besser. Je nachdem hilft es Dir, darüber (viel) zu reden. Manchmal hilft auch Schweigen, je nach Typ. ich habe viel geweint und alle Gefühle voll zugelassen, das hat mir sehr gut getan.
    ich schicke Dir ganz viel Kraft <333

  20. Danke. Jetzt sind wieder ein paar Wochen vergangen und mir gehts viel besser. Wie mich alle aufgepäppelt und verwöhnt haben – unglaublich!
    Gekündigt hab ich – ich war sooooooo lange dort so unglücklich und lebe jetzt wieder da, wo ich mich wohlfühle und nicht, wo ich wegen der dummen Arbeit muss. Wenn ich im Juli nicht die Konsequenz gezogen hätte, dann nie. Zeit hatte ich keine, denn es musste vor dem 31.7. passieren.
    Ich bin echt sooo froh, durch eure Blogeinträge erfahren zu haben, dass ich nicht alleine bin.

  21. Liebe MamaOnTheRocks, danke für deinen Beitrag! Warum ich auf ihn gestoßen bin? Weil ich vor 2 Monaten meinen Sohn in der 39.SSW verloren habe.. Zum Glück bin ich schon Mama einer ganz tollen 20 Monate alten Tochter. Aber im Gegensatz zu dir habe ich leider das Gefühl, das wir niemals komplett seine werden. Egal, welches Kind noch zu uns kommen wird irgendwann, Mattis wird immer fehlen.. Und das ist so ein trauriger Gedanke….
    Liebe Grüße, Nina

    1. Liebe Nina
      Deine Geschichte ist so unglaublich furchtbar. Ich kann nicht annähernd behaupten, dass ich das gleiche an Schmerz erlebt habe. Meine Schwiegermutter hat ebenfalls ein Kind im 9. Monat verloren. Sie spricht heute noch von ihm, und das finde ich schön. Er gehört zur Familie – genau wie Mattis zu euch gehört. Du wirst ihn nie vergessen und kein Kind wird diese Lücke je füllen. Er hat seinen ganz eigenen Platz bei Dir und Deiner Familie. Ich schicke Dir ganz viel Liebe und wünsche Dir viel Zeit zum Heilen und ein Netz, das Dich auffängt. <3

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