Eine Österreicherin namens Paula im #AntiAdventskalender

Im Dezember machen zahlreiche Gastautoren bei meinem ANTI-Adventskalender mit, bei dem sich alles um die Frage dreht: Was erwartet uns 2016? Ein bisschen Tschakka und Glitzer im Leben muss nämlich auch 2016 sein!

Doch nun zu Paula alias bleibCOOLmami. Sie ist Österreicherin und bloggt seit Mai 2014. Irgendwie ist sie schon damals auf meinen Blog aufmerksam geworden, hat interessante Kommentare hinterlassen und dann im Juni 2014 mit ihrer herrlichen Wandergeschichte bei meiner ersten Blogparade EVER teilgenommen. Das verbindet! Das Thema: mein schrägstes Urlaubserlebnis. Und ich habe mich sofort in diese Frau und ihren Wortwitz und ihre Zwillinge verliebt. Irgendwann ist sie dann auch zu Twitter gekommen und bereichert seither meine Timeline. 2015 hat sie trotz (oder dank?) ihrer Zwillinge eine Weiterbildung begonnen. Sie hüllt sich in Schweigen, was es denn genau ist. Aber es muss tough sein, denn leider bloggt sie seither nicht mehr so regelmässig wie vorher (was ich so gut nachvollziehen kann!). Umso mehr freue ich mich, dass sie uns als erste Anti-Advents-Gastbloggerin mitnimmt in ihren persönlichen Ausblick 2016. Tschakka, Paula!

(c) Fotolia
(c) Fotolia

Paula15 sitzt am Schreibtisch, die Ellbogen auf den Tisch gestützt, den Kopf in die Hände gesenkt und denkt nach. Denkt angestrengt nach. Auf ihrer Stirn bildet sich eine große Falte. Noch größer als alle anderen. Denn Paula15 muss einen Auftrag erfüllen.

Grübel, grübel, grübel. Was schreib ich bloß? Séverine wünscht sich einen Gastbeitrag. Ich soll aufschreiben, was mich 2016 erwartet. Woher soll ich denn wissen, was 2016 passiert? Grübel, grübel, grübel. Hellseherin müsste man sein. Oder Kartenleserin. Ich kann doch nicht in die Zukunft blicken. Wie stellt sich Séverine das denn vor? Wenn mir doch jemand helfen könnte. Grübel. Grübel. Grübel.

Plötzlich läutet es an der Tür. Einmal. Zweimal. Paula15 mag nicht aufstehen.

Wer ist denn das schon wieder? Ich hab doch niemanden eingeladen. Dass die Leute sich nicht anmelden können.

Es läutet ein drittes Mal. Paula15 erhebt sich nun doch schwerfällig vom Stuhl, geht zur Haustür und öffnet sie leicht genervt. Sie starrt in die Augen des Gastes, schnappt nach Luft und schreit.

Paula15 ist starr vor Schreck, reißt sich dann aber doch mit aller Kraft zusammen und spricht mit leicht zittriger Stimme.
W-Wer sind Sie? W-Was wollen Sie von mir?

Und dann etwas gefasster, fast schon etwas verärgert: Sie sehen ja genauso aus wie ich! Das ist mein Lieblingspulli! Meine Schuhe! Warum tragen Sie meine Kleidung? Was fällt Ihnen ein?

Der Gast zeigt sein wunderschönstes Lächeln und erklärt mit ruhiger Stimme: Keine Angst. Ich bin Paula16. Ich bin deine Zukunft. Du wolltest doch wissen, was im nächsten Jahr mit dir passiert. Deshalb bin ich hier.

Paula15 ist etwas verwundert. Solche Begegnungen kennt sie nur aus Filmen und Büchern. Kurz überlegt sie, dann packt sie die Gelegenheit am Schopf und bittet Paula16 in die Küche. Sie bietet ihrem Gast Tee und Kekse an. Logischerweise ihre Lieblingskekse. Schoko-Butterkekse. Damit kann sie nichts falsch machen. Nun kann sie endlich erfahren, wie ihre Zukunft aussieht und den Gastbeitrag für MamaOTR schreiben. Geschickt fädelt sie ein Gespräch ein.

Paula15: Gut siehst du aus.

Paula16: Danke, du auch.

Paula15: Und wie geht´s dir so?

Paula16: Warum möchtest du das wissen?

Paula15: Deshalb bist du doch da. Du willst mir etwas über meine Zukunft erzählen. Mach schon!

Paula16: Nein.

Paula15: Jetzt stell dich nicht so an. Nimm einen Keks! Möchtest du noch Tee?

Paula16: Gerne.

Paula15: Und jetzt sag schon. Hast du einen tollen Job?

Paula16: Was ist für dich ein toller Job?

Paula15: Na ja, ein toller halt. Einer mit diesem Vereinbarkeitsdings. Job und Familie und so, du weißt schon. Mit netten Kollegen und interessanten Aufgaben. So was halt. Mir geht das zuhause herumsitzen schon gewaltig auf die Nerven. Meine Weiterbildung werde ich doch nächstes Jahr abschließen, oder? Dann möchte ich endlich wieder arbeiten.

Paula16: Aha.

Paula15: Was, aha? Erzähl schon von dir!

Paula16: Erzähl du. Was wünschst du dir noch?

Paula15: Ich darf mir was wünschen? Lass mich überlegen. Also, ich hätte gern vier Kilo weniger. Dann würden meine Hosen nicht mehr ständig platzen oder beim Sitzen kneifen. Und Sport. Ja, Sport würde ich auch wieder gern machen. Beim Fangenspielen mit den Jungs verliere ich immer. Das ist peinlich. Und gesund möchte ich sein. So richtig, ohne diese blöden Schmerzen in der Schulter. Wegen meinem Schweinehund kann ich die Gymnastikübungen nicht machen. Der sitzt nur da und stopft mir Schoko in den Mund. Er soll sich verziehen. Das wäre fein.

Paula16: Und sonst?

Paula15: Wie, sonst? Ich darf mir noch etwas wünschen? Ja dann hätte ich gerne jeden Tag Familienharmonie. So richtig ohne Streitereien wegen herumliegenden Socken und Unterhosen und dem anderen Quatsch, den meine Männer ständig machen. Und vielleicht eine Nerventransplantation. Weißt du, meine Jungs haben meine Nerven leicht beschädigt. Geht das? Sonst eben einen guten Nerventee oder ein anderes Rezept zur Regeneration. Und wandern möchte ich wieder. Ganz hoch hinauf auf die Berge. So wie früher. Und ein schönes Land besichtigen. Vielleicht Irland oder Norwegen. Oder meinen Mann mal nach Amerika begleiten. Geht das?

Paula16: Wenn du das willst.

Paula15: Also JA?!? Hast du das alles? Sag schon! Sag es! Wie schaut dein Leben aus?

Paula16: Hab Geduld, liebe Paula15. In einem Jahr wirst du es wissen. Ich gehe jetzt. Ich hab noch einiges vor.

Paula15: Was heißt, du gehst? Jetzt schon? Bleib doch! Ich hab noch eine Kekspackung. Ich hab Schokolade! Ich kann auch Lebkuchen für dich backen!

Paula16: Nein, danke. Ich bin satt.

Paula15: Pah! Du hast mir aber gar nicht geholfen.

Paula16: Warum?

Paula15: Du hast überhaupt nichts aus deinem Leben verraten, du – du – du hinterhältiges Stück.

Paula16: Aber du umso mehr. Denk mal darüber nach.

Paula15 beißt in den letzten Schokokeks und blickt ihren Gast etwas dümmlich an. Brösel fallen zu Boden. Paula16 geht beschwingt zur Haustür und blickt sich nochmal um.

Paula16: Mach´s gut, Paula15! Und verlier deine Ziele nicht aus den Augen. Pfiat di! Bis bald!

Paula16 wirft Paula15 eine Kusshand zu, ehe sie die Tür hinter sich schließt. Paula15 starrt lange auf die Tür. Schließlich wischt sie die Schoko-Butterkeks-Brösel weg und freut sich auf ihre Zukunft. Wie immer sie aussehen mag.

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

3 thoughts on “Eine Österreicherin namens Paula im #AntiAdventskalender

  1. Das ist eine der spannendsten Geschichten zum Advents-Auftakt, die ich je gelesen habe! Auch wenn ich dem eher nicht zukunftsgewandten "Innehalten", das im Advent ja sonst betrieben wird, einiges abgewinnen kann – es macht durchaus Sinn, sich schonmal 1 Monat vor Silvester mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Sonst kommt das wieder so plötzlich und man soll 5 Minuten vor Feuerwerk auf einmal wissen, was man im nächsten Jahr so vorhat. Kann ja nicht klappen. Bin jetzt sehr gespannt auf Tage 2-24!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.