Elternschaft ist mit Angst verbunden – und mit Loslassen

Eigentlich schliesst man bei der Geburt des ersten Kindes einen regelrechten Vertrag mit der Angst ab. Die Angst, etwas falsch zu machen, die Angst, keine perfekten Eltern zu sein. Die Angst, dass dem Kind etwas zustösst.

Die Vor-Eltern-Phase

Noch vor LadyGagas erfolgreicher Zeugung waren wir Eltern-to-be auf unserer Hochzeitsreise auf einem Kreuzfahrtschiff. Und das schaukelte ziemlich wild im Pazifik herum, so dass ich meistens wie eine blaugrüne Qualle an Board herumtrieb. Es gibt ja bekanntlich Medikamente gegen Reiseübelkeit, aber ich weigerte mich strikte, diese einzunehmen, da wir versuchten, schwanger zu werden. Die Angst, irgendetwas bei meinem (ungezeugten!) Kind falsch zu machen, paralysierte mich. Naja, an Beischlaf war auf dieser Reise definitiv nicht zu denken.

Die Das-Baby-ist-da-Phase

Wenn das Baby einmal da ist, ist man erleichtert, dass alles geklappt hat und das Kind lebt. Aber man vergeht nun vor Angst, dass man «etwas» kaputt machen könnte. Im Wochenbett bekam ich wie bereits hier gesagt einen hysterischen Weinkrampf, weil ich dachte, meine Tochter mit der gerissenen Perlenkette umgebracht zu haben.
Aber damit nicht genug. Wir haben Angst, dass das Baby aufhört zu atmen. Also wissen wir nicht, ob wir es zum Schlafen auf den Rücken oder den Bauch legen sollen. Je nach aktueller Studienlage empfiehlt die Forschung nämlich das eine oder das andere. Cooperfield konnte auf dem Rücken liegend nicht einschlafen, so dass ich ihn schon nach einer Woche auf den Bauch legte – nachts aber kein Auge zumachte vor Sorge, er könnte deswegen des plötzlichen Kindstodes sterben. Wie wir alle wissen, hat er überlebt.

Die Angst-Phase an sich

Wir haben Angst, dass die Sonne zu heiss auf die Kinder scheint oder der Regen zu nass ist. Der Husten könnte doch schlimmer werden? Sind die Kinder warm genug angezogen? Haben sie Hunger, fehlt ihnen etwas? Wir haben Angst, dass ein anderes Kind unser Kind schlecht behandelt. Die Angst ist immer da, sobald wir etwas nicht kontrollieren können.

Die Ommmm-Phase

Was mich aber zwei Kinder gelehrt haben: Wir können zwar regelmässig überprüfen, dass Junior keine Knete isst und auch keinen Regenwurm verschluckt. Aber wir können es im Endeffekt nicht verhindern. Also gebe ich ein kräftiges Ommmmm von mir und schaue nicht mehr nach, ob der bald zweijährige Copperfield Steine isst und ob er die Magnete wirklich alle wieder verstaut hat (ja, ich weiss, dass Magnete gefährlich sind). Ich überprüfe nicht mehr, ob er die Strassenkreide abschleckt oder trotz Verbot die Treppe alleine heraufgeht. Copperfield profitiert hier im Grunde von der Vorleistung seiner grossen Schwester, die sich diese Freiheiten erst erarbeiten musste – und seit gestern ein vom eigenen Geld gekauftes Skateboard besitzt (Mama fällt dann mal in Ohnmacht). Bei einem Kind kann man noch übervorsichtig sein, bei zwei Kindern kriegt man das schon logistisch einfach nicht hin. Als Copperfield seinen Schneidezahn abgebrochen hat, ist er aufs Gesicht gefallen – einfach so. Und ich stand DANEBEN!

Loslassen und atmen nicht vergessen

Nein, wir können die Kinder – zumindest ab einem gewissen Alter – nicht vor allem schützen. Oft denke ich, dass die Schutzengel der Kinder dieser Welt ganze Arbeit leisten müssen, und zwar tagtäglich. Vieles, was unsere Kinder knapp verpasst haben (Sturz, Unfall…), wissen wir zum Glück unserer Nerven nicht einmal.

Meine Kinder haben mich gelehrt, die Angst zu relativieren, auch wenn sie nicht einfach weg ist. Wir können nicht 24 Stunden am Tag auf die kleinen Wesen aufpassen. Es geht einfach nicht. Manchmal geht es nicht einmal für fünf Minuten (und in diesen fünf Minuten kann verdammt viel passieren!!!). Aber ich vertraue darauf, dass die Kids ihre Erfahrungen sammeln und daraus lernen. Ich wurde übrigens von einem Hersteller von Überwachungskameras fürs Kinderzimmer angefragt, ob ich einen Blogpost für sie verfasse und die Kamera teste. Nein, mach ich nicht.

Wir sind dann also mal Skateboard fahren. Mit Helm, Knie-, Hand- und Ellenbogenschonern. Das auf dem Foto bin übrigens ich – gefühlt zumindest.

 

(c) Fotolia
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One thought on “Elternschaft ist mit Angst verbunden – und mit Loslassen

  1. Du schreibst mir aus der Seele!! Und ich bin unserer zweiten unendlich dankbar, dass sie mich zu mehr Gelassenheit „gezwungen“ hat – zum einen, weil es bei zweien, wie von Dir beschrieben, gar nicht anders geht – zum anderen, weil sie sich nicht so „kontrollieren“ lässt, dieser Wirbelwind. Ich kann daneben stehen, dennoch ist der nächste Kamikaze-Flug nicht verhinderbar…
    In diesem Sinne uns allen ein entspanntes WE 😉
    Liebe Grüße!

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