Resilienz: Ich bin meine grösste Stärke

Wie ihr wisst, nehme ich Probleme in die Hand. Ich war beim Gynäkologen wegen meiner Menopause und beim Hausarzt wegen der Erschöpfung. Heraus kam ich mit einem Rezept für eine Hormonersatztherapie und einer Überweisung in eine Burnout-Privatklinik. Alles geregelt.

In der Burnout-Klinik war ich diese Woche zum Vorstellungsgespräch. Man schaut dann, ob es für den Patienten stimmt und gleist alles auf. Es stimmte nicht. Als der Arzt erfuhr, dass ich nur für eine Woche kommen kann (wohin denn mit den Kindern?!?!?!), hat er mich durchaus freundlich quasi hochkant rausgeworfen. In einer Woche könne man nichts für mich machen, es sei denn, ich wolle einfach nur eine Auszeit. Am ersten Tag kommt man an, am zweiten wird einem die Klinik gezeigt… und am Wochenende gibt es eh keine Therapien. Ja danke auch. Der Arzt stellte allerlei Fragen, ich kam mir vor wie beim 1000-Fragen-Projekt. Ob ich schlafen kann, ob ich Schuldgefühle habe, Ängste vor der Zukunft… Ich beantwortete alles geflissentlich. «Klar habe ich Schuldgefühle, welche Mutter denn nicht?!» Gestern war ich an einem Ärztekongress und besuchte einen Vortrag zu Depression. Auf einem Slide waren schön säuberlich alle diese Fragen notiert, die ich gefragt worden war. Ha, meine Schuldgefühle als Mutter machen mich aber doch noch lange nicht depressiv!

Es fühlte sich irgendwie einfach – schräg an.

Nein, ich gehöre in keine Klinik. Ich bin nicht depressiv. Ich habe alle Ressourcen in mir. Das nennt sich Resilienz oder psychische Widerstandsfähigkeit. Ich WEISS ganz einfach, dass ich eine Lösung finde. Ich habe es mir in der Vergangenheit schon oft bewiesen. Aber ich bin dabei auch auf Input von aussen angewiesen und das Verständnis meines Umfelds.

Das Gleiche gilt für die Menopause. Ich habe nun diese Tabletten zuhause. Ursprünglich hatte ich den Arzt danach gefragt, weil bei Frühmenopause das spätere Risiko für Osteoporose erhöht ist und ich mich bei ihm informieren wollte. Er meinte, dass das alleine keine Indikation für eine Hormonersatztherapie sei. Dass ich mit HET aber Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen und die ausbleibende Regel in den Griff bekomme. Ich solle die Medikamente mal ein halbes Jahr probieren. Zuhause blickte ich auf die Tabletten. Ich bin nicht krank. Ich mag es eigentlich, dass die Regel nur noch alle paar Monate kommt. Die Hitzewallungen sind scheisse. Aber rechtfertigt dass für mich, Tabletten einzunehmen? Ist der Leidensdruck so gross? Mit 25 habe ich mir geschworen, nie mehr die Pille einzunehmen. Sie machte mich damals weinerlich und unausgeglichen. Warum sollte ich sie jetzt einnehmen, um ausgeglichener zu sein?! Die Pillen sind jetzt fürs erste in der Medikamenten-Schublade.

(c) Fotolia

Vielleicht ändere ich meine Meinung wieder. Jetzt aber denke ich: Ich bin nicht einfach so 41 geworden. Ich habe mich und mein Leben im Griff. Ich bin nicht krank, ich werde nur älter. Ich bin an einer persönlichen Belastungsgrenze angelangt, ja. Aber ich sage STOPP, wenn es nicht mehr weitergeht und hole mir auch Hilfe. Ich entscheide selber, was mir gut tut und was nicht. Ich bin in mir genug gefestigt, um nicht gebogen zu werden wie ein junger Baum im Wind. Mein Baum ist solide mit jedem Jahresring, der dazu kommt. Vielleicht gibt es mal einen Windstoss, aber hey: Ich bin stark. Ich habe Kinder.

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2 Gedanken zu „Resilienz: Ich bin meine grösste Stärke

  1. Argh! Séverine!
    Mir schwillt der Kamm von dem, wie man dir entgegen kam!

    Ich würde sehr gerne mit dir Reden um dich in deiner Wahrnehmung dir gegenüber zu bestärken! Auch mit Burnout geht es sehr gut ohne(!) Klinik! Und die „Wechseljahre“ gehen auch ohne Pillen vorbei!
    Du kennst dich selbst am besten! Du gehst deinen(!) Weg und nicht den, den Mann dir aufzwingen möchte!

    Alles alles Liebe!
    Christina

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