Der letzte Sommer

Und ehe man sich’s versieht, ist der Sommer da, von dem man nie dachte, dass er kommen würde. Copperfield wird am 13. August eingeschult, er kommt also in den Schweizer Kindergarten.

Viereinhalb Jahre lang habe ich jongliert mit Fulltime-Job und Kinderbetreuung. Ich bin nämlich genau seit Copperfields Geburt bzw. der Beendigung des Mutterschutzes selbständig. 2014 lag Copperfield noch friedlich schlummernd neben mir, wenn ich gearbeitet habe – oder auf meinem Arm, während ich einhändig tippte. Dann fing er an, sich liegend zu drehen, aktiv zu werden Irgendwann wurde er so mobil, dass ich ihn nicht mehr unbeaufsichtigt lassen konnte. Ab 2015 war er teilweise in der Kita.

Und nun wird alles plötzlich anders. «Ich werde die Kita so vermissen!», heult Copperfield mit bebender Unterlippe. «Ich will nicht in den Kindergarten», heult ebenfalls Copperfield.
Es ist der letzte Sommer vor einer neuen Ära. Dann habe ich zwei schulpflichtige Kinder.

Wir haben einen Bastelschurz gekauft und neue Finken. Eine Wäscheklammer musste mit seinem Namen beschriftet werden. Schon vor Monaten haben wir ein Znünitäschli besorgt, das er selber ausgesucht hat.

Immer wieder höre ich in den letzten Wochen: «Ich kann nicht in den Kindergarten! Ich will doch Ninja werden!»

Eine Recherche ergab, dass es tatsächlich eine Kung-Fu-Schule bei uns in der Nähe gibt, in die er mit 5, also nächstes Jahr, eintreten kann. Auf die freut er sich jetzt schon.

Ich weiss nicht, ob Copperfield so weit ist, in die Vorschule zu gehen.

Ich weiss nicht, ob ICH so weit bin, ihn gehen zu lassen.

Er ist doch mein Baby, mein Nesthäkchen.

Aber ich weiss, dass ihm der Kindergarten gut tun wird. Dass es ihn beflügeln wird!

In einem Ratgeber habe ich kürzlich gelesen: Mit 4 ist der Alterspeak, wo die Kinder nachts am häufigsten ins elterliche Bett krabbeln. Ich bin jeweils gerädert, wenn mein Sohn nachts zu uns kommt und sich kreuz und quer im Bett herumwirft. Gerne auch auf meinen Kopf. Aber ich weiss: Es ist der Peak, ab jetzt wird es weniger. Mein Sohn wird selbständiger. Und ich werde es vermissen, ihn so nahe bei mir zu haben.

Ich lese ihm Bücher vor, in denen es darum geht, dass er nicht mit Fremden mitgehen darf. Wir üben den Gang über die Strasse. Letzte Woche habe ich ihm zum ersten Mal Geld gegeben, damit er im Café am Tresen selbständig etwas kaufen gehen darf. Er entwickelt sich in grossen Schritten weiter.

(c) Fotolia

Es ist der letzte Sommer vor der Schule, und ich geniesse die stillen Momente mit meinem Sohn. Diese vielen Zärtlichkeiten, die er mir schenkt, wenn er sich mit einem Schmatzer oder zwei oder drei abends von mir verabschiedet – aber erst nachdem seine Plüschtiere mich geküsst haben. Und ich sie. Wir umarmen uns, herzen uns, kichern viel. Er macht mich glücklich.

Mit dem Beginn der Schulpflicht werde ich hier auf dem Blog noch weniger von ihm berichten. Genau wie bei LadyGaga geht mir der Schutz seiner Privatsphäre vor. Er ist kein Kleinkind mehr, sondern aktiver Teil des Dorfgeschehens. Auf zu neuen Ufern!

Ich geniesse diesen «letzten» Sommer ganz bewusst. Auf dass noch viele solcher Sommer kommen mögen. Jetzt verabschiede ich mich aber erstmal in die Sommerpause. Andalusien wartet auf uns!

 

 

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3 Gedanken zu „Der letzte Sommer

  1. Oh Mann Severine. Ich sitze da vor deinem Beitrag und heule. Er berührt mich so da es meiner sein könnte (nur dass ich nicht so schreiben kann).
    Ich muss meine Zwillinge genauso loslassen wie du dein Copperfield…in den harten Zwillingszeiten habe ich mich so darauf gefreut und nun heule ich…

    1. Ja genau so ist es. Zuerst kannst du es kaum erwarten, dass es endlich soweit ist. Und wenn der Moment dann da ist, dann… ja dann was? Innehalten ist die Devise. Und jeden Moment nochmals bewusst spüren. (Es bleibt uns ja auch nix anderes übrig.) Tschakka, ich wünsche dir alles Gute mit Deiner Bande <333

  2. Wie war das mit dem Spruch mit den Wurzeln und den Flügeln…? So schwer das Loslassen sich anfühlen mag, so stolz wirst du auf ihn sein, wenn du ihn beim Selbstständigwerden beobachten kannst und für dich selber neue Freiheiten dazugewinnst. Du bist so eine liebevolle Mama für deine beiden – solange sie dich im Rücken haben, wissen sie, dass ihnen nichts passieren kann und sie ihre Flügel entdecken können <3
    P.S. Znünitäschli ist ein ganz ganz süßes Wort!

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