Spucken war gestern. Wie die Osteopathie uns half

Im November habe ich hier darüber berichtet, wie sehr wir darunter leiden, dass Copperfield ein Spuckkind ist. Seither ist viel geschehen: Wir waren beim Osteopathen.

Beim ersten Besuch sagte der Therapeut: «Ich mache Ihnen keine grossen Hoffnungen. Erfahrungsgemäss spucken Spuckkinder, bis sie drei, vier Jahre alt sind, bis sie eben frei herumtollen können und die Muskulatur gestärkt ist. Wir werden das Spucken kaum ganz wegkriegen.» Ich spüre heute noch meine erstarrten Gesichtszüge, als mir mein Gegenüber dieses Szenario schilderte. Nochmals zwei, drei Jahre mehrfach täglich die Kleidung wechseln – Copperfields UND meine?! Nie wissen, was man alles unterwegs dabei haben muss? Das Haus regelmässig nach Kotzhäufchen abgrasen? Bei jedem Rülpser des Kleinen zusammenzucken? Es ist nämlich so: Wenn Copperfield rülpst, drehen sich mein Kopf, der von LadyGaga und der von Papa on the rocks sofort zu Copperfield. Hat er wieder gespuckt? Wer von uns dreien putzt die Sauerei, wer steht am nächsten zu ihm?

Die Theorie dahinter
Ich habe das jetzt nicht mehr nachrecherchiert, sondern erzähle einfach, was der Osteopath mir gesagt hat. Ungenauigkeiten bitte ich zu entschuldigen, aber das ist hier ja kein wissenschaftlicher Blog.
Mithilfe der Osteopathie kann ein Ungleichgewicht zwischen den Organen wiederhergestellt werden. Es findet ein Druckausgleich statt. Bei Spuckkindern funktioniert der Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen noch nicht. Dieser Verschluss ist einem Drehverschluss vergleichbar, ähnlich einer Flasche. Da der Magen noch nicht an seiner korrekten Position im Körper sitzt (er liegt nämlich noch zu hoch), kann es vorkommen, dass ein Kind eben spuckt, das heisst der Druck von unten ist grösser als der Druck von oben. Durch die beginnende Mobilität des Kindes (Laufen) senkt sich der Magen, der Verschluss funktioniert automatisch besser.
Durch die Osteopathie werden manuell die Organe angeregt, ihre Funktion besser auszuführen, ähnlich einer Dehnung bei sportlicher Betätigung.
Das war mir alles sehr schlüssig. 


Bei uns sah das so aus
Der Therapeut legte die Hand durch den Body auf den Bauch von Copperfield und ertastete den Magen. Er begann, leicht zu drücken. Spontan sagte er: «Ah, da kann man aber auf jeden Fall eine Verbesserung erzielen!» Ich horchte auf. Also doch hoffen…? Er drückte an dem kleinen Mann herum. Ich fragte nach, ob das dem Kind nicht weh tut, aber der Therapeut verneinte, Copperfield wirkte ausserdem ganz entspannt. Er spielte zufrieden und unbeeindruckt mit einer Gummigiraffe.

Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei, wir verabredeten einen neuen Termin. Schon am nächsten Tag aber das Fiasko: Copperfield spuckte und spuckte und hörte nicht mehr auf damit. Wohin er sich auch drehte und wendete, er hinterliess seine Kotzhäufchen. Er selbst blieb unbeeindruckt. Ich aber verzweifelte. Eine Erstverschlimmerung der übelsten Sorte! Ich biss auf die Zähne und putzte und wechselte die Kleider. Und hoffte inständig, dass ich mit dem Besuch beim Osteopathen nun nicht alles verschlimmert hatte. Ach hätte ich doch nur… wäre ich doch dankbarer gewesen…! Sooo schlimm war es ja dann doch nicht…..?!? Copperfield war so fröhlich wie immer. Spuckend halt.

Zwei Wochen später war ich wieder beim Osteopathen. Innerhalb der zwei Wochen hatte sich der Spuckstand auf den Ist-Zustand vor der ersten Sitzung eingependelt. Alles beim alten also. Der Therapeut meinte: «Eigentlich ist es ein gutes Zeichen. Das zeigt, dass Copperfield auf die Behandlung reagiert. Ich habe wohl die Organe zu stark angeregt, das kann ich wieder ausgleichen.» Er legte wieder die Hände auf Copperfield und drückte auf den Magen/die Speiseröhre/was auch immer. Er liess den Kleinen auf der Behandlungsliege krabbeln, und wenn Copperfield den Oberkörper wendete und sich hinsetzte, drückte er entsprechend der Bewegung auch auf den Magen/die Speiseröhre/was auch immer (woher soll ich das wissen…). Null Problemo für den Kleinen.

Die Tage darauf stellte ich plötzlich fest: Es wurde besser! Er spuckte nicht mehr so viel, dafür rülpste und rülpste er. Und zwar sehr, sehr oft. Hoffnung keimte auf, denn er rülpste nur Luft. Wie so ein Mann!

 
Die Wäscheberge sollten jetzt eigentlich weniger sein, seit Copperfield nicht mehr spuckt. SOLLTEN……
© Fotolia

Eine Woche später hatte ich den nächsten Termin. Diesmal schrie Copperfield, denn er hatte Hunger. Ich gab ihm während der Behandlung das Fläschchen, der Therapeut befühlte den Magen, während der Kleine trank. 


Kurz vor Weihnachten. Und das Spucken war fast weg. WEG!!! Zugleich begann Copperfield, sich überall hochzuziehen. Die Verbindung von Osteopathie und Entwicklungsschub in die Vertikale scheint sicher hilfreich zu sein.

Heute hatten wir den letzten Termin beim Osteopathen, für das «Fein-Tuning». Der Kleine spuckt heute so gut wie nichts mehr. Zwischendurch kommt wieder ein Schwall, oder ich finde irgendwo im Haus unverhofft ein Häufchen (bringt das eigentlich Glück??). Insgesamt hat die Spuckerei aber beeindruckend stark abgenommen, so dass sie nicht mehr ins Gewicht fällt und wir bei einem Ausflug nicht gleich zwei Koffer mit Ersatzwäsche mitnehmen müssen. Wir sind zufrieden. Sogar das Rülpsen hat aufgehört! Absolut beeindruckend, wie die Osteopathie uns geholfen hat. Ich bin sehr sehr dankbar und hoffe, dass es so bleibt bzw. mit den ersten Schritten von Copperfield noch besser wird. Es lebe die Vertikale! Es lebe die Osteopathie!


PS Ich habe auch schon gehört, dass Osteopathie bei kindlichen Schlafstörungen und bei Schreikindern helfen soll. Aber da sind wir zum Glück nicht betroffen.

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