„Woman in Cabin 10“ – Ich leihe euch mein Buch

Ich lag fast die ganze Woche flach wegen Fieber und Rückenschmerzen, und auch jetzt kann ich nicht lange am PC sitzen. Dafür konnte ich diese Woche im Bett liegend ein Buch fertig lesen, das ich letzte Woche in Innsbruck auf unserer 10-Jahre-Jubiläums-Hochzeitsreise gekauft hatte. Wir waren in Innsbruck shoppen und landeten in einem Buchladen – wo mich dieses Buch ansprang:

Ruth Ware: Woman in Cabin 10, DTV Verlag, 384 Seiten, dt. Erstausgabe 2017

Ein Bullauge. Eine Kabine. Eine Frau. Ein Thriller. Das MUSSTE ich lesen. Und da ich 2018 vermehrt wieder lese, mache ich jetzt etwas Neues auf diesem Blog: Ich rezensiere für euch Literatur. Schliesslich hat auch Max Buddenbohm in seinem Blogfamilia-Vortrag empfohlen, auch mal ein Buch auf dem Blog vorzustellen, wenn man grad nichts anderes zu schreiben hat, denn es geht schnell und schmerzfrei. Also für meinen Rücken. Und ich sehe das genau wie Maximilian: Ja, ich könnte Rezensionsexemplare für den Blog gratis bestellen. Ich tue es aber nicht zwingend. Wenn mir ein Buch gefällt, kaufe ich es und frage nicht zuerst beim Verlag nach, ob ich gratis ein Rezensionsexemplar haben kann, nur weil ich einen Blog habe. Das finde ich grotesk. Aber wenn mir ein zugesandtes Rezensionsexemplar gefällt, dann stelle ich das natürlich auch vor. Also: Dieses Buch habe ich selber gekauft und ich kriege nichts dafür, dass ich davon berichte. Es ist KEINE Werbung, kein Sponsoring. Just Books, die ich aus Lust und Laune vorstelle. Grotesk, dass ich das betonen muss.

Woman in cabin 10 – Darum geht es

Die englische Reisejournalistin Lo Blacklock ist zur Jungfernfahrt der «Aurora Borealis» durch die norwegischen Fjorde eingeladen, einem exklusiven Luxuskreuzfahrtschiff, über das sie berichten soll. Zehn Kabinen gibt es an Bord. In der ersten Nacht auf See erwacht Lo von einem Schrei aus der Nachbarkabine, etwas Schweres wird über die Reling geworfen, die danach blutverschmiert ist. Lo schlägt Alarm, aber die Nachbarkabine ist unbewohnt. Die junge Frau aus Kabine 10, mit der Lo noch am Vortag gesprochen hat, scheint nie existiert zu haben. Aber wenn Lo sich das alles nicht eingebildet hat, ist der Mörder immer noch auf dem Schiff.

Allgemeine Überlegungen

Von Ruth Ware, der Autorin, habe ich noch nie gehört. «Woman in Cabin 10» ist ihr zweiter Thriller und soll laut Klappentext verfilmt werden. Kann ich mir gut vorstellen, denn der ganze Thriller ist sehr szenisch geschrieben und erinnert an «Mord im Orient Express» von Agatha Christie mit einem geschlossenen Setting: Der Mörder ist noch an Bord und hat es auf die Protagonistin abgesehen. Oder doch nicht?

Auch wenn der Titel englisch ist, habe ich das Buch auf Deutsch gelesen. Ich hatte mir überlegt, ob es einen szenisch-relevanten Grund für den englischen Titel gab. So viel sei gesagt: Nein, gab es nicht. Das Buch könnte genauso gut «Die Frau in Kabine 10» heissen.

Warum ich das Buch gut fand

Das Buch ist ein Page Turner. Besonders gefallen hat mir, dass Lo (abgeleitet von Laura) psychische Probleme hat. Sie nimmt Tabletten, trinkt zu viel Alkohol und ist sehr zerrissen als Persönlichkeit. Genau wie sie selber fragt man sich als Leser: Bildet sie sich alles nur ein? Es gibt keinen allwissenden Erzähler, sondern alles ist aus Los Perspektive in Ich-Form geschrieben, das gibt dem Szenario immer etwas Abgehacktes, Fahriges. Wir wissen nie, ob wir beim Lesen alles wissen oder nur Lo auf den Leim gehen. Das mag einige Leser eher nerven. Mir hat das gefallen und erinnerte mich an den Film «A Beautiful mind» mit Russell Crowe, wo lange nicht klar war, dass Crowe Schizophrenie hat. Damit will ich aber nicht sagen, dass der Mord nur eingebildet ist! Das müsst ihr schon selber nachlesen.

Schwierig fand ich, die einzelnen Charaktere bzw. die Verdächtigen auseinanderzuhalten. Nicht zu allen Charakteren wurden genügend Aufhänger geliefert, um sie sich merken zu können. Was aber absolut SENSATIONELL an dem Buch ist, sind die verschiedenen Textgenres, die die Autorin zu einem beklemmenden Ganzen zusammenwebt, indem sie auf verschiedenen Zeitebenen spielen. Am Ende jedes Buchteils werden nämlich moderne Textsorten eingebunden, die das noch zu Passierende vorwegnehmen bzw. andeuten: E-Mails von Los Freund Judah (man beachte den Namen!), der sie verzweifelt sucht, ein Zeitungsartikel, ein privater Facebook-Eintrag mit Kommentaren und später ein Facebook-Forum oder eine Eilmeldung. Das ist echt spannend!

Gegen Ende des Buches wird der Nervenkitzel immer grösser. Die Auflösung des Mordes ist in sich schlüssig, das Ende des Buches dann aber arg vorhersehbar. Wie es bei Thrillern aber meistens der Fall ist….

Was mir nicht gefiel

Die Rahmengeschichte zu Beginn des Buches (Lo wird zuhause ausgeraubt) soll dem Charakter Lo mehr Tiefe geben und erklären, warum sie auf dem Schiff so handelt wie sie es tut. Mich hat die Geschichte mehr verwirrt, weil ich mich immer fragte, was diese Einbruchsstory sollte und ob sie irgendwie im Zusammenhang stand mit den Geschehnissen an Bord. Irgendwie wirkte dieser Teil der Story nicht ganz rund auf mich.

Rechtslage auf See

Als Kreuzfahrt- und Thriller-Fan war das Buch ein Muss für mich. Real beklemmend sind auch die Stellen, wo Lo beiläufig sagt, dass man ja weiss, was auf den grossen Kreuzfahrtschiffen so abläuft in Sachen Recht: Auf hoher See gilt das Gesetz der Flagge, unter welcher das Schiff fährt. Das heisst ein einzelner Vertreter von den Bahamas (viele Kreuzfahrtschiffe fahren unter dieser Flagge) kommt an Bord und schaut sich «das Problem» an und geht dann wieder, weil keiner Ärger mit der Reederei haben will. Puh. Ob das so stimmt, weiss ich nicht. Es ist aber definitiv ein Grund mehr, niemals unfreiwillig über Bord zu gehen bzw. Opfer eines Verbrechens auf See zu werden.

Verlosung

Beim Schreiben des Blogposts hatte ich spontan die Idee: Mensch, das Buch leihe ich euch aus. Und dann schreibt ihr in irgendeiner Form über das Buch. Es muss keine Rezension sein und auch kein Blogpost. Aber vielleicht schreibt ihr, wo ihr das Buch gelesen habt, oder was es in euch bewirkt hat? Gibt es eine Anekdote dazu? In Form eines Insta-Bildes, eines Tweets, eines Facebook-Eintrags? Je kreativer, umso besser. Verlinkt mich dann bitte in eurem Beitrag. Und dann verlost ihr das Buch unter euren Lesern mit der gleichen Bitte und schickt es weiter auf seine Reise. Die 10. Person, die ihren Namen und einen kleinen Kommentar auf der ersten Innenseite des Buches hinterlassen hat, schickt mir das Buch bitte zurück.

Interessiert? Dann hinterlasst mir doch bitte einen Kommentar bis 29. Mai 2018

PS Und wenn meine Idee Anklang findet, leihe ich von nun an regelmässig auf diese Weise neue Bücher aus. Was meint ihr?

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

2 Gedanken zu „„Woman in Cabin 10“ – Ich leihe euch mein Buch

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