Es chunt scho guet

Copperfield war ein Late talker, was mich sehr lange sehr beschäftigt hat. Mit ungefähr zwei Jahren kamen die ersten, sehr spärlichen Zwei-Wort-Sätze aus ihm raus. Aber da er kurze Zeit später durch einen dummen Sturz die Schneidezähne verloren hatte, war meine Angst gross, dass er Spracherwerb-Probleme haben würde. Ich bin Germanistin, für mich ist das wirklich ganz schlimm, da kann ich nicht über meinen Schatten springen. Und tatsächlich nuschelte mein Sohn fortan beim Sprechen, er redete nicht deutlich. Dazu kamen die Probleme mit den Ohren. Als er drei war, jagte eine Mittelohrentzündung die nächste. Konnte er sich selbst beim Sprechen nicht gut hören? Wir liessen per OP Röhrchen in die Ohren setzen. Mit Erfolg – die Mittelohrentzündungen blieben aus. Aber die Sprache wurde jetzt nicht wirklich besser. Wir starteten für kurze Zeit mit einer frühlogopädischen Abklärung, sicher ist sicher. Spielerisch wurde da mit Copperfield an der Aussprache geübt. Man sagte mir: Es kann sehr gut sein, dass Copperfield den Rückstand alleine aufholt.

Ich liess los und wir verabschiedeten uns von Logopädie und Co. Es chunt scho guet.

Seit August geht Copperfield in den Kindergarten (D: Vorschule). Diese Woche hatte ich das erste Jahresgespräch mit der Lehrerin. Sie war eigentlich voll des Lobes für meinen Sohn, ich bin wirklich sehr stolz auf ihn. Sehr sehr sehr stolz. Bei einer Sache aber hätte ich fast meinen Kaffee auf sie gespuckt, wenn ich denn eine Tasse in der Hand gehabt hätte. Sie meinte: «Also bei einem Punkt ist Copperfield absolut Outstanding. Sprachlich ist er auf einem unglaublich hohen Niveau. Er kann sich äusserst gut ausdrücken, Geschichten erzählen, hat Phantasie, weiss zu allem etwas beizutragen. Das ist so wichtig. Ohne Sprachverständnis geht gar nichts in der Schule, und er macht das ganz wunderbar.»

Ja. So habe ich auch geschaut.

Copperfield hat uns Eltern im Kindergarten gezeichnet. Feinmotorik ist ja immer noch nicht so Seins. Scheiss drauf – ich mag’s!

Was nehme ich jetzt davon mit?

Zum einen natürlich, dass ich einen tollen Sohn habe, what else. Zum anderen aber auch, dass wir uns als Eltern nicht fertig machen müssen, wenn unser (Klein-)Kind entwicklungstechnisch noch nicht so weit ist wie seine Peer Group, also die Gleichaltrigen. Die Kinder können das meistens sehr gut von alleine aufholen. Euch verrate ich es: Das musste ich als absoluter Kontrollfreak zuerst lernen zu akzeptieren. Trauen wir unseren Kindern also wieder mehr zu. Es chunt scho guet.

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.