Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern

Die Menschheit unterscheidet sich nicht nach Rassen, Geschlechtern, Alter oder ähnlichem. Nein, viel grösser sind doch die Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern. Meine Top 10 aus zehn Jahre Mutterschaft:

1. Power-Nap

Eltern können zwangsläufig in jeder Situation einen Power-Nap hinlegen. Das Kind schläft grad? Zack, 5 Minuten PowerNap, nachher ist hier wieder die Hölle los. Die permanente Müdigkeit führt aber auch dazu, dass ich IN JEDER Situation sofort schlafen kann. Auch im Restaurant oder in der Bar mit Kollegen. Oder abends vor dem Fernseher um 20 Uhr, kaum sind die Kinder im Bett.

2. Handtasche

Früher hatte ich in meiner Tasche: ein Buch, Lidschatten, Parfüm, Haarbürste, Spiegel, Ersatzschuhe (ja…!). Als Mutter mit Kleinkind mutiert man plötzlich zur Mary Poppins mit altmodischer Zaubertasche. Windeln, Feuchttücher, Ersatzschnuller, Spielzeug, Kekse… hat alles Platz drin. Nur die eigenen Sachen halt nicht mehr. Aber seien wir ehrlich: Mit Kleinkind haben wir eh keine Zeit für anderes, wenn wir unterwegs sind. Jetzt wo die Kinder grösser sind, gehört meine Tasche langsam wieder mir und ich muss kein Zelt mehr herumtragen.

Bei so einem Taschen-Foto lachen wir müden Mütter nur müde – Photo by Tamara Bellis on Unsplash

3. Feierabend Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern

Als Single bzw. Nicht-Elter war ein Abend vor dem Fernseher irgendwie uncool und frustrierend. Heute ist es das Nonplusultra. Ging ich früher kinderlos von der Arbeit nachhause, hatte ich Feierabend. Wer Kinder hat und nach der Arbeit nachhause geht, arbeitet dort weiter. (Wer kennt sie nicht, die tollen Sprüche der Arbeitskollegen: „Hast Du schon Feierabend?!“, wenn man um 17 Uhr total abgehetzt das Büro verlassen muss, um das Kind noch in der Kita abholen zu können…). Das ist für mich einer der elementarsten Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern.

4. Ernährung

Mein Lieblingsgemüse als Single war: eine Büchse Erbsen, das ging am schnellsten zum Kochen und musste nicht frisch eingekauft werden. Überhaupt gab es damals viel Büchsen und Pasta Pasta Pasta.

Heute kommt nur noch Frischgemüse auf den Tisch. Und abwechslungsreiches, (meistens) liebevoll zubereitetes Essen.

5. Styling Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern

Früher ging ich nie ungeschminkt aus dem Haus. Heute geht meine Tochter nie ungestylt aus dem Haus. Nachdem ich die Zeit mit Spuckkind überlebt habe (unter anderem dank Osteopathie) und ich nach Erreichen der Ü40 fiese Hautallergien im Gesicht entwickelt habe (Hormone sind Scheisse!!), ist mir Schminke nicht mehr so wichtig. Überhaupt ist vieles nicht mehr so wichtig, wenn man Kinder hat. Hauptsache, ich bin sauber!

Und wenn nicht, erkläre ich meinem Gegenüber ohne mit der Wimper zu zucken auch mal: «Kinderspucke!», «Schokolade!» – oder «Das wollen Sie nicht wissen!»

6. Ausschlafen

Ahahhahhahhaha Muahahha. Als Nicht-Mutter bin ich an einem freien Tag jeweils um 10 Uhr aufgestanden. Wer kann sich nicht daran erinnern, bei Regen mit dem Liebsten bis 12 Uhr im Bett geblieben zu sein? Heute stehe ich JEDEN Tag allespätestens um 8 Uhr auf, auch am Wochenende.

7. NO Langeweile

Wenn ich heute einen Tag für mich ganz alleine habe, weil die Kinder bei den Grosseltern sind, ist der von A-Z gespickt mit Power-Programm – das kann durchaus auch Dinge wie Keller ausmisten beinhalten.

Meine Tochter sagt immer, sie versteht nicht, wie mir nie langweilig sein kann. Als Eltern haben wir schlichtweg verlernt, Zeit mit Nichtstun zu verbringen. Als Single konnte ich den ganzen Tag vertrödeln und abends konsterniert feststellen: Wo ist bloss der Tag geblieben? Heute undenkbar.

Mir ist nie mehr langweilig. Nie. Das Gefühl ist nicht existent. Ich muss mir nicht panisch überlegen: «Was mache ich heute bloss?!» Ich denke dafür manchmal: «Bitte lasst mich einfach liegen.»

8. Arbeitszeit oder doch eher easypeasy?

Als Nicht-Eltern findet man den Arbeitstag anstrengend und ist abends total erledigt. Heute finde ich einen Tag zuhause mit den Kindern viel anstrengender und bin dann noch viel erledigter.

9. Ferien Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern

Als Pärchen haben wir unsere Ferien nach den Kriterien Luxus, Partymöglichkeiten, Ausflugsziele ausgesucht, gerne nicht in der Hauptsaison. Heute durchforste ich das WWW nach familienfreundlichen Unterhaltungsprogrammen, Babysitterdiensten und ungefährlichen Badeplantschmöglichkeiten – natürlich immer schön in den Schulferien, wääähhh.

10. Das Klo

Früher war ich auf dem Klo ganz für mich alleine. Es war unvorstellbar für mich, dass da noch jemand gleichzeitig mit mir im Raum sein könnte. Versuche mal, Dein Kind vom stillen Örtchen zu verbannen, während Du drauf sitzt. Zwecklos.

 

Diese Liste lässt sich bestimmt unendlich ergänzen. Kennt ihr noch weitere Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern?

Dieser Artikel erschien erstmals am 5. Februar 2013. Ich habe ihn komplett überarbeitet und aktualisiert.

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5 thoughts on “Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern

  1. Früher fühlte ich mich nicht so mit meiner Endlichkeit konfrontiert wie heute.
    Ich sehe meine Kinder in kurzen "Jährchen"in die Höhe schießen und plötzlich wird mir immer bewußter,dass ich mich ungefähr auf der Mitte der Zeitlatte befinde,die sich leider nicht ins unendliche fortsetzen lässt.Gruselig meinen "Verfall"an dem Gedeihen meiner Kinder abzulesen.

    Plötzlich bin ich ängstlicher und vorsichtiger als ohne Kinder.Denn ich muß auch auf mich achten um ihr Fortkommen zu gewährleisten.

    Sosehr ich auch die Zeit zum Ausschlafen oder in den Tag hinein leben vermisse,so dankbar bin ich auch f.die neue Tiefe und die Wende in meinem Leben.
    Nichts was ich jemals gemacht habe gibt mir soviel Liebe,Sinn und Abenteuer wie das Leben mit meinen Kindern.

    (Außerdem stirbt die Hoffnung irgendwann doch noch mal alleine auf dem Klo zu sitzen ohne zahnendes Kind auf dem Schoß,oder irgendwann doch nochmal ausschlafen zu dürfen bevor die senile Bettflucht greift,zuletzt!;)))

    Liebe Grüße

    Lilli

    1. Glaube mir, das Ausschlafen kommt wieder. Kind Groß (8,5), das früher Angst hatte, etwas zu verpassen und daher Schlaf völlig überbewertet ansah, pennt am WE gerne mal bis 9 Uhr. Kind Klein (5,5) is eh ne Schlafmütze und knüllt gerne im Bett rum. Tschakka!

      1. Bei mir schauen die Kinder am Weekend TV am Morgen, so dass ich theoretisch auschlafen kann. Aber ich wache trotzdem spätestens um 8 Uhr auf, wähhh! ;-((

  2. LIebe Lilli, Danke für Deinen spannenden, tiefsinnigen und berührenden Kommentar! Du hast Recht, ich selbst bin auch (noch) ängstlicher geworden mit Kind. LadyGaga ist für mich das Kostbarste überhaupt. Und das zieht Verlustängste nach sich. Naja, ehrlich gesagt sind es eher Horrorszenarien im Kopf, die ich dann abschütteln muss wie eine lästige Fliege.
    Das mit der Tiefe sehe ich auch so wie Du. Seinem Kind das Leben zu erklären, finde ich etwas unglaublich bereicherndes, elementares. Ich finde auch, dass ich erst richtig glücklich bin, seit ich LadyGaga habe. Es ist ein "Ur-Glück" oder eine "Ur-Zufriedenheit", auch wenn ich witzigerweise oft müde und auch genervt bin, was dem ja entgegensteht. Was vielleicht auch auf der Liste stehen sollte: Über das Eltern sein und Kinder haben kann man viel reden. Aber man versteht es erst, wenn man wirklich selber ein Kind hat.
    Liebe Grüsse

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