7 Facts über die zweite Schwangerschaft

«Du wächst mit den Aufgaben mit! Die Liebe verdoppelt sich!» Jede Mehrfachmama in spe hört diese Sprüche zu genüge. Andrea, die Mama vom Runzelfüsschen, ist aktuell mit dem zweiten Kind schwanger und hat schon mehrfach angedeutet, wie satt sie die ganzen Floskeln hat und wie beschwerlich so eine zweite Schwangerschaft manchmal ist. Wir sind halt alle nicht ehrlich im Umgang mit Schwangeren – es sagt ja auch keiner: «Du, die Geburt tut echt Scheisse weh!» Bringt ja nix, wir wissen es eh alle – und Bange machen gilt nicht. Ich möchte Andrea und somit auch euch hier trotzdem ein Fünkchen Wahrheit über die zweite Schwangerschaft beichten. Denn manchmal braucht es einfach mehr als ein «Tschakka! Du packst das!» Manchmal tut die Wahrheit ganz gut, damit man sich nicht mehr so alleine fühlt auf dieser Welt. Dabei gilt natürlich: Jede Schwangerschaft und jede Geburt ist anders. Manche Schwangerschaften sind anstrengender als andere, sei es körperlich oder emotional. Wer Tacheles nicht verträgt, sollte aber ab hier nicht weiter lesen, Spoiler alert!

1. Ach war das toll

Die erste Schwangerschaft war ja schon anstrengend, so in der Retrospektive betrachtet. Aber ganz ehrlich: Wir durften damals doch einfach schwanger sein. Das wird uns ja alles erst in der zweiten Schwangerschaft bewusst, so ein Mist! Als Primipara, wie man eine Erstgebärende medizinisch nennt, trägt das Umfeld Dich auf Händen. Neun Monate lang habe ich also genüsslich Bücher gewälzt und Magazine durchforstet, Kurse besucht, Möbel rücken lassen und Babykleidchen gekauft. Man hat sich immer wieder nach meinem Befinden erkundigt. Wenn ich müde war, legte ich mich eine Stunde hin. Ich las ein Buch, ging spazieren. Horchte auf meinen Bauch und war (meistens) erfüllt von Vorfreude.

2. Worum dreht sich Schwangerschaft 2 nochmals?

In der zweiten Schwangerschaft musste ich plötzlich die ganze Zeit darauf achten, dass LadyGaga mir nicht aus Versehen auf dem Bauch herumhüpft. Sie wollte stets meine ganze Aufmerksamkeit, das frustete mich. Wohlgemerkt, sie war viereinhalb, wie ist das also erst bei einem kleineren Altersunterschied! LadyGaga war immer da. Ich konnte mich nie zurückziehen. Ich musste immer funktionieren. In Schwangerschaft 2 drehte sich alles um – Kind 1. Das Baby selber lief einfach mit. Man ist halt einfach schwanger und fühlt sich ein wenig auf die Funktion als Brutkasten reduziert. Das ist scheisse und nervt tierisch, gerade wenn man von Hormonen durchgeschleudert wird. Aber es ist so.

 

Von meiner Schwangerschaft mit Copperfield gibt es fast keine Fotos, nur ein paar wenige Selfies. Wo hatte ich nur meinen Kopf äh meinen Bauch?!
Von meiner Schwangerschaft mit Copperfield gibt es fast keine Fotos, nur ein paar wenige Selfies. Wo hatte ich nur meinen Kopf äh meinen Bauch?!

3. Die Müdigkeit

Bei Baby 2 war ich bereits 37. Und so, so müde. War ich bei LadyGaga nur die ersten Wochen der Schwangerschaft k.o., fühlte ich mich bei Copperfield neun Monate lang, als würde mich ein Zug überfahren. Stündlich. Am liebsten hätte ich mich wie Dornröschen schlafen gelegt, ohne jemals wieder aufzustehen. Auch das ist scheisse und nervt ebenso tierisch. Könnte aber natürlich mit meinem Alter zu tun gehabt haben.

4. Mein Körper

In der ersten Schwangerschaft spürte ich im ersten Trimenon die Dehnung der Bänder extrem, ich hatte Bauchschmerzen ähnlich einer starken Menstruation. In Schwangerschaft 2 hatte ich das nicht mehr. Dennoch war die zweite Schwangerschaft körperlich heftiger, weil sich der Körper an alles erinnerte und die Symptome schneller erkannte. Zum Beispiel wurde mein Bauch ab Monat 6 bei der kleinsten Anstrengung immer wieder hart. HELP!! Die Panik war irgendwie näher bei mir, das konnte aber auch gut mit meinen vorangegangenen zwei Fehlgeburten zu tun haben. Mein Tipp also: So oft es geht Auszeiten nehmen, egoistisch denken! Es ist sehr sehr wichtig, genau auf seinen Bauch zu hören – sprichwörtlich! In Schwangerschaft 2 spürt man sich tatsächlich besser. Und intensiver.

5. Sex was?

Sex in der ersten Schwangerschaft lag durchaus drin. In der zweiten Schwangerschaft hatte ich diesbezüglich einen «Out of order-» bzw. «Fass mich bloss nicht an!-»Post-it auf der Stirn kleben.

6. Panik? Ich doch nicht. Buähähä

Dachte ich bei LadyGaga neun Monate lang ehrfürchtig: «Wie werde ich wohl als Mama sein? Wie wird mein Kind sein?», ging mein Gedankenkarussell bei Copperfield eher Richtung: «Ich will einfach nur schlafen» und «Ich werde das nicht packen!!!! NIE!!!! Wie konnte ich nur so doof sein und ein zweites Kind wollen?! Buähähähäh!» Kommt euch das bekannt vor? Eben! DAS GEHT NÄMLICH ALLEN SCHWANGEREN SO! Und genau deshalb werdet ihr es auch packen!

7. Land in Sicht

Ja, eine zweite Schwangerschaft ist nicht immer easy, wenn man keine 10 Kindermädchen zur Hand hat. Aber bei aller Anstrengung und blank liegenden Nerven: Der Start ins Leben mit Kind 2 ist dafür deutlich einfacher. Es ist kein Drama mehr, eine Windel zu wechseln. Stillen kennt man schon oder man hat sich schon dank Baby 1 mit der Fläschchengabe auseinandergesetzt. Man ist viel schneller im Flow und kann das wunderbare Baby dann doppelt und viel gelöster geniessen. Es geht wirklich alles viel, viel einfacher. Zum Glück! Sonst würde man ja wirklich durchdrehen. Oder denkt ihr, so was passiert auch bei Baby 2:

LadyGagas dritter Lebenstag. Beim Windeln wechseln entdecke ich die Perlen ihres Namenskettchens in der Windel. Die Kette war gerissen. Völlig ausser mir (=hysterisch) und in Tränen klingle ich nach der Pflegefachfrau. Ich bin in dem Moment total überzeugt davon, dass LadyGaga (3 Tage alt!!) die Perlen gegessen hat und nun daran ersticken wird.

Jaja, lacht ihr nur. Aber ihr wart auch mal so! Als Zweifachmama passiert einem das (fast) nicht mehr. Also: Bei Baby 2 kommt die Quality-Time spätestens nach der Geburt, versprochen! Und wenn das grosse Kind unterwegs ist (Kita, Grosseltern?), unbedingt das Baby geniessen und sonst gar nix tun.

Noch eine ganz persönliche Weisheit zum Schluss

In der Schwangerschaft mit Baby 2 machen wir uns stets ein schlechtes Gewissen, weil wir dem Kind nicht die gleiche Aufmerksamkeit schenken wie Baby 1 seinerzeit. Kind 2 hat aber seine ganz genau zugeteilte Rolle im Leben, genau wie Kind 1 oder Kind 3 oder Kind 4 etc. Kind 2 kennt seine Eltern nicht ohne Kind 1 – es ist in diese Situation hineingeboren und kennt nichts anderes. Es gibt keinen Vergleich – weder für die Kinder, noch für uns. Alle unsere Kinder sind einzigartig in ihrer Konstellation und werden ihren Weg gehen. Deshalb sollten wir als Eltern auch kein schlechtes Gewissen haben, ob wir nun alle unsere Kinder gleich behandeln – das geht schlichtweg nicht!

Liebe Andrea, ich hoffe mein Artikel stärkt Dich ein wenig für die letzten Schwangerschaftsmonate. Land in Sicht! Und für alle, die noch etwas Mut brauchen für die Zeit nach der Geburt und den Alltag mit zwei Kindern: Lest doch mal bei der Auswertung der Blogparade MehralsChaos nach. Da hat es viele tolle Beiträge, die aufzeigen, wie wunderbar es ist, zwei Kinder (und mehr) im Haus zu haben.

Habt auch ihr Wahrheiten und Weisheiten zur zweiten Schwangerschaft, die ihr Andrea mit auf den Weg geben könnt? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

21 Gedanken zu „7 Facts über die zweite Schwangerschaft

  1. Liebe Séverine, ich kann das, was du schreibst, nur bestätigen. Zur Zeit ist bei uns Kind drei unterwegs und ich bin auch ganz schön platt. An manchen Tagen möchte ich meine Beiden (4 und 2 Jahre alt) einfach nur vor die Türe setzen. Und es kommt vor, dass ich mich aufs Sofa knalle und einfach eine Janosch-DVD einlege, Augen zu mache und den Spielplatz Spielplatz sein lasse. Ich denke, wir Mütter sollten da im Großen und Ganzen lockerer werden, auf uns selbst achten und darauf vertrauen, dass die Erstgeborenen alles toll meistern werden. Geschwister sind das Beste, auch wenn es für das erste Kind anfangs nicht so aussieht. Und: life ist life, das lernen die Kinder dabei auch. Alles Liebe, Laura

    1. Liebe Laura
      Stimmt, die Kinder lernen auch sehr viel dabei und das ist auch gut so 🙂
      Dir weiterhin eine gute Schwangerschaft <3

  2. Auch ich bin gerade zum zweiten Mal schwanger und danke dir ganz herzlich für diesen Text!
    Momentan bin ich nämlich auch fix und alle und habe das Gefühl dem Baby im Bauch nicht gerecht zu werden und wenn doch, dann eben Kind 1 nicht.
    Ein Teufelskreis.

    Sonnige Grüße.

  3. Du. Hast. So. Recht!!
    Außer bei Punkt 3 – das liegt nicht am Alter, glaub mir! Ich bin noch keine 30 und nach fast 15 Monaten Dauerschlafentzug SO müde, dass ich für eine Nacht durchschlafen sogar Geld bezahlen würde. Und nicht wenig.
    Ansonsten habe ich alles genau so empfunden, wie du es schilderst!

  4. Ich gebe ehrlich zu, dass ich zwei weitere Jahre ohne Schlaf nicht überstehen würde… Deshalb bleibt es bei einem Kind. Und wenn ich das so lese, denke ich, dass diese Entscheidung für uns absolut richtig ist.
    Zum Glück kann man sich heut zu Tage ja normalerweise entscheiden und dafür bin ich mächtig dankbar! Übrigens bekommen meine Freundinnen mit zwei Kindern zur Geburt grundsätzlich Babysitting Gutscheine von mir… Die dürfen sie auch vorher schon einlösen! 😉

  5. Auch ich danke Dir für diesen Text!!! Ich bin gerade in der 37. Schwangerschaftswoche und einfach nur noch froh es bald geschafft zu haben – wohlwissend das die erste Zeit mit 2 Kindern nicht einfach werden wird, habe ich dann zumindest die Schwangerschaft schonmal geschafft! Es ist wirklich sehr sehr anstrengend wenn man mit dickem Bauch ein 2-jähriges zum Frühaufsteher mutiertes Energiebündel 24 Stunden am Tag betreuen und bespaßen muss. Und man möchte sich ja auch nicht dauernd beschweren – schließlich weiß ich was es für ein Glück ist (stand jetzt) 2 gesunde Kinder zu haben/zu bekommen – da kommt so ein Text genau richtig 😉

    Liebe Grüße,
    Nadine von Das kleine Mamaglück

  6. Genau so ist es! Und gerade dies, die zweite Schwangerschaft nicht richtig genießen, ihr kaum Beachtung schenken zu können, empfand ich als ganz schrecklich (weswegen ich extra noch mal zu einem Geburtsvorbereitungskurs gegangen bin, um diese Zeit wirklich für das Ungeborene und mich zu haben). Und so habe ich mir irre Gedanken gemacht, ob die Zweite zu kurz kommt:
    https://schnuppismama.wordpress.com/2013/09/27/erstgeborenes-vs-nesthaekchen-was-besser/

    1. Ich fand es auch ganz schrecklich – weil es einfach nicht zur Vorstellung in meinem Kopf passte. Deshalb denke ich, es ist das beste, der Realität ins Auge zu sehen und sie zu akzeptieren. Dann ist man sozusagen bessert im Flow (war ich persönlich aber überhaupt nicht….)

  7. Wohl wahr!! Ich weiß gar nicht mehr, wie ich die zweite Schwangerschaft bei dem heißen Sommer letztes Jahr überhaupt überstanden habe. Und mein Mann hat die ersten sieben Monate ständig vergessen, dass ich überhaupt schwanger bin. Aber in punkto zu kurz kommen vom zweiten Kind: es muss zwar zwischendurch auch mal kurz zurückstecken, aber dafür wird es überhäuft von zahlreichen Liebesbeweisen seiner großen Schwester – da geht mir so oft das Herz auf! Ich glaube, da muss man sich als Mehrfachmama wirklich keine Sorgen machen.

  8. Ein toller Text und so viele Parallelen 🙂 mein großer Sohn ist fast 5 und mein kleiner Mann 5 Monate und die Schwangerschaft war anstrengend. Ich habe bis zum 6 .Monat Vollzeit gearbeitet und dann den Großen bespaßen , Freunde treffen;Fußball training: nächtliche Kruppanfälle, und eine heftige Grippe …….man was für eine Zeit. ABER: seit der 2. da ist ist es ( meistens )toll schob im Kreißsaal hat das Stilen geklappt sein Bruder ist ganz vernarrt in ihn und im Alltag muss der 2. Nun mal so mit
    ….macht er aber toll ich bin so viel entspannter als beim Großen damals .
    Liebe grüße

    1. Genau, diese Entspannung nach der Geburt des zweiten Kindes bringt irgendwie das ganze Gefühlschaos der 2. Schwangerschaft wieder ins Lot. Hey, unsere Kids haben ja den gleichen Altersunterschied 🙂

  9. Ich bin zum ersten Mal schwanger und dachte im Gegenteil schon darüber nach, dass ich es eigentlich gern noch ein zweites Mal würde, um es richtig zu genießen. Mir war die ersten fünf Monate dauernd übel, dazu kam noch eine langwierige Blutung, die nicht weggehen wollte und mir natürlich schreckliche Angst gemacht hat. Jetzt, im siebten Monat, kann ich meine Schwangerschaft so langsam mal genießen.

    Aber was du und die anderen Kommentatorinnen schreiben, lässt mich nun doch zweifeln, ob die zweite Schwangerschaft so viel schöner würde – na, mal sehen. Jetzt müssen wir erst mal das erste Kind schaukeln! 😉

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