Panikattacken im Lockdown dank Corona

Tag 4 im Lockdown. Unzählige weitere werden kommen. Nie hätte ich gedacht, dass ein solches Szenario plötzlich Realität werden könnte. Ich kenne das alles doch nur aus Filmen! Ich bin ein rationaler, wissenschaftsgetriebener Mensch. Ich habe Panikattacken im Lockdown. Das macht mich fertig.

Der neue Alltag

Die Kinder gehen nicht mehr zur Schule. Mein Mann ist schon seit dem 1. März im Homeoffice, ich sowieso. Wir sind jetzt also zu viert zu Hause. Der Mann hat einen Stundenplan zusammengestellt, damit die Tochter etwas Struktur hat. Mein Sohn, ein Chindsgi-Kind, kann aber nicht auf die gleiche Weise zufriedengestellt werden. Den ganzen Tag nur Nintendo und TV geht aber auch nicht. Wir Eltern spielen somit immer wieder den Beschäftigungsball ins Spielfeld der Kinder. Sisyphus lässt grüssen. Arbeiten und gleichzeitig zwei Kinder betreuen – es ist machbar, aber zermürbend. Mein Beitrag vom letzten Jahr, wie ich fünf Wochen Sommerschulferien bei gleichzeitiger Arbeit organisiert kriege, ich da Peanuts dagegen (hätten wir doch alle nie geglaubt, dass das harmlos war!!). Im Übrigen empfehle ich Rita Angelones Zusammenstellung von Online-Lernplattformen für Kinder.

Upside down

Dann kommt da immer wieder dieses Gefühl. Das Grauen, das sich ins Gehirn frisst. Was, wenn es nie mehr aufhört? Wenn das unsere neue Welt ist? Panikattacken im Lockdown machen mich fertig. STOPP.

Atmen.

Atmen.

Atmen.

Was, wenn sich der Zustand bis in den Sommer weiterträgt, die Kinder nie mehr zur Schule gehen dürfen? Ich meinen Job verliere, weil Kunden nicht mehr buchen?

Mir ist so schlecht. Es fühlt sich an, als würde mein Innerstes sich nach aussen stülpen wollen. Gleich kotze ich.

Atmen.

Atmen.

Atmen.

Alles wird gut. Chunt scho guet! Wer’s glaubt.

Lockdown: Bild von Panikattacke
Kämpft ihr auch so mit Panikattacken im Lockdown? – Photo by Captionery on Unsplash

 

Das menschliche Gehirn braucht jeweils eine Viertelstunde, um im Arbeitsflow zu sein. Erst danach ist man konzentriert. Ich kann aktuell gefühlt keine einzige Stunde am Stück arbeiten, immer wieder kommt ein Kind und fragt oder braucht etwas. Das ist okay, es ist für alle eine besondere Situation. Aber mein Gehirn ist Matsch. An Konzentration ist nicht zu denken. Ich «bäschele».

Nächste Woche hätten wir hier Geburtstagsparty, Copperfield wird 6. Ich habe das Kinderfestli abgesagt. «Scheiss Corona», sagt mein Sohn mit traurigen Augen, und er hat Recht. Aber ich finde es unverantwortlich, sich aktuell noch in Gruppen zu treffen. Es geht nicht darum, dass die Grippe ja nicht schlimm ist für uns. Es geht um Solidarität den Risikogruppen gegenüber. Und es geht zum Wohl der Gesellschaft darum, dass unser Gesundheitssystem nicht zusammenbrechen darf. Mein Sohn versteht es. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Oder wird jetzt eh alles anders?

Atmen.

Atmen.

Atmen.

Ich, durchstrukturiert bis äne abe, kann mit diesem immensen Kontrollverlust nur schwer umgehen.

Ein Lichtblick gegen meine Panikattacken im Lockdown

Wir können nur jeden Tag einzeln nehmen. Jede Planung ist hinfällig. Wir wollten in den Frühlingsferien zu meinen Eltern nach Frankreich. Die haben nun Ausgangssperre und dürfen nicht mehr aus dem Haus. Mein kranker Vater und meine Mutter sind beide Ü70 und gehören zur Risikogruppe. Aber an Reisen ist jetzt eh nicht zu denken. Wir stehen das durch.

Nicht das grosse Ganze ansehen, jeden Tag einzeln nehmen. Panikattacken im Lockdown zulassen, darüber reden, weinen, die Wände anstarren. Und dann die Gefühle, die Angst wieder wegschieben, weitermachen. STOPP dem Hirnfick! Ich sage mir tapfer: «Es ist okay, Angst zu haben.» Und dann lebe ich weiter, denn Aufgeben ist keine Option.

Ich mag mir nicht ausdenken, wie es den Menschen gerade geht, die sowieso unter Phobien leiden. Haltet durch! Wir schaffen das!

Atmen.

Atmen.

Atmen.

Dann schickt mir die Züchterin das erste Bild und Video von unserem kleinen Hund, der am 4. März geboren ist. Alles wird gut.

Ich freue mich, wenn Du den Beitrag teilst:

7 thoughts on “Panikattacken im Lockdown dank Corona

  1. Mir geht es genauso. Gestern erst mal ne Heulattacke, weil die Arbeit ausbleibt. 5 Wochen schaffen wir, aber wenn das jetzt noch bis in den Sommer geht, ich arbeitslos werde, unsere Mieter nicht zahlen können (und wir unsere Kredite nicht bedienen können), meine Eltern krank werden, die Oma ohne polnische Pflegekraft dasteht … tja …. dann sind wir am Arsch.

    Panik ist ein schlechter Ratgeber, aber dieses nicht wissen, wann die Maßnahmen genug sind, wann der Zustand aufhört, macht mich irre.
    Liebe Grüße, Marsha

  2. Mir geht es gerade auch so. Hatte sowieso schon mit Panikattacken zu kämpfen, mein Mann denkt darüber nach, sich zu trennen und ist im Moment jeden Abend weg. Und dazu kommt jetzt noch die Angst wegen der derzeitigen Lage. Versuche mich zu entspannen, geht aber gerade nur sehr schwer. Atmen. Tee trinken. Sonne genießen. Dem Frühling ist zum Glück alles egal, er ist nicht mehr aufzuhalten. Allen viel Kraft.

  3. Ich kann dem nur genauso zustimmen, ich krieg die Panik auch kaum in den Griff, seit einer Woche zunehmend. Der Kontrollverlust, nichts mehr selbst in der Hand zu haben, das frisst mich auf. Jetzt hab ich Homeoffice, immer gewollt… und jetzt ein MUSS. Mich auspowern hilft nur kurz, immerhin hab ich den Hometrainer. Der Freund im Ausland, jetzt wer weiß wie lange ich ihn nicht sehen kann….Ich weiß nicht mehr, wie ich es handeln soll.

  4. Ich freue mich erst einmal für euch, dass ihr alle zu Hause sein könnt. Dass ihr gesund seid und alle aus eurem Umfeld (anscheinend) auch. Gemeinsam ist es so viel einfacher!
    Gegen Panik hilft es vielleicht zu arbeiten. Schreiben. Am besten über andere Themen. Mit der Zeit wird das kommen, dann, wenn uns dieser neue Zustand eher langweilig wird.
    Versucht, euch als Eltern die Zeit mit den Kindern so aufzuteilen, dass einer den ganzen Tag arbeiten kann und dafür den ganzen nächsten Tag die Kinder hat (wir schaffen das zwar ÜBERHAUPT nicht, aber wir versuchen es die nächsten Tage mal… LIEBE GRÜSSE IN DIE SCHWEIZ

  5. Bayern macht alles dicht, ich muss arbeiten (bin letzte Woche nach der Elternzeit wieder eingestiegen – super Zeitpunkt), mein Mann ist Lehrer und eigentlich bei den Kindern zuhause. Jetzt kommt die Frage an die Lehrer (deren Schulen wegen Ansteckungsgefahr geschlossen wurden!!!), wer bereit ist, in einem Testcenter zu arbeiten und Abstriche zu nehmen! Das kommt jetzt noch als Frage, aber wann wird “einberufen”?
    Ich habe Angst!

    1. Ja, das Schreiben habe ich am Fr. auch erhalten. Klar, ich verstehe, dass improvisiert werden muss und wir Lehrer in Bayern Beamte sind. Aber gleichzeitig sollen wir die Schüler beim Lernen und Arbeiten zu Hause unterstützen. Und das gestaltet sich für mich aufwändiger als die Vorbereitungen für Unterricht in der Klasse, zumal ich Schüler für den Abschluss vorbereiten voll…
      Ich bin gespannt, denn ich glaube nicht, dass wir in Bayern ab 20.4. wieder zum Normalprogramm zurückkehren können.

      Ich wünsche euch allen viel Kraft und positive Gedanke!!!!! Durchhalten – auch wenn das oft einfacher gesagt ist als getan!

      LG Steffi

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